Erstellt am 24. August 2011, 15:33

Operationswartezeiten: Privatpatienten laut VKI-Test im Vorteil. Bei der Wartezeit auf einen Operationstermin sind Privatpatienten in Österreichs Spitälern im Vorteil. Eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) hat große Unterschiede bei den Katarakt-Operationen zur Behebung des Grauen Stars ergeben.

Dabei konnten eine Zusatzversicherung oder der Weg über die Privatordination des Abteilungsleiters die Wartezeiten deutlich verkürzen. Die Studie führte zu heftigen Reaktionen der Politik: Gesundheitsminister Alois Stöger (S) sprach im ORF-Ö1-Mittagsjournal von einer "Sauerei".

Die Erhebung brachte gleich in mehrfacher Hinsicht Unterschiede zutage. Der VKI: "Kassenpatienten warten länger. In der Praxis offenbart sich ein zwiespältiges Bild." Zunächst einmal werden bundesländerweise offenbar unterschiedliche Kriterien für die Dringlichkeit der Katarakteingriffe und somit für zumutbare Wartezeiten angelegt. Die Wartezeiten, so die Erhebung, differieren offenbar gewaltig: "Die (generelle, Anm.) Spanne reicht von zwei bis 40 Wochen. In vier Kliniken (Barmherzige Brüder Linz, Allgemeines KH Linz, KH Hietzing, KH der Barmherzigen Schwestern Ried) hätten Kassenpatienten maximal fünf Wochen auf einen Eingriff warten müssen. Die längsten Wartezeiten ergaben sich bei den Barmherzigen Brüdern Wien, beim Klinikum Klagenfurt, beim Landesklinikum Wiener Neustadt sowie beim KH Zams." Hier waren Wartezeiten von bis zu 40 Wochen einzuplanen.

Brisant waren die Ergebnisse bezüglich möglicherweise kürzerer Wartezeiten bei Vorliegen einer Privatversicherung. So heißt es zu der VKI-Erhebung in der Zeitschrift "Konsument": "Sieben Spitäler gaben an, dass sich die Wartezeit bei Vorliegen einer Privatversicherung verkürzen würde. Am meisten profitieren würden Privatpatienten am Landesklinikum Waidhofen, im LKH Innsbruck, im SMZ-Ost (alle jeweils bis zu 16 Wochen weniger, Anm.) sowie bei den Barmherzigen Brüdern in Wien (bis zu 20 Wochen weniger, Anm.)."

Der VKI ließ aber auch eine Testperson bei den Spitälern anrufen und eine Terminanfrage stellen. Wurde da gar von einer vorhandenen Privatversicherung geredet, war plötzlich vieles anders. Der Verein: "Hier legten die Spitäler ihre bei der offiziellen Anfrage gezeigte Zurückhaltung ab. Nicht weniger als 18 Einrichtungen (62 Prozent) boten eine teilweise deutliche Verkürzung der Wartezeit an. Vier Spitäler (Barmherzige Brüder Linz, Klinikum Klagenfurt, Bezirkskrankenhaus Kufstein sowie Wiener Rudolfstiftung) machten unserer Testperson sogar ein 'besonderes' Angebot: Die Wartezeit, so wurde ihr beschieden, ließe sich voraussichtlich verkürzen, wenn vor dem Eingriff ein Besuch in der Privatordination des Primars erfolgen würde - gegen entsprechende privat zu begleichende Kosten natürlich."

Gesundheitsminister Alois Stöger (S) zeigte sich empört und sprach im ORF-Ö1-Mittagsjournal von einer "Sauerei". Für ihn seien die Wartezeiten bei Eingriffen zur Behebung der Folgen des "Grauen Star" kein Zeichen eines "Flaschenhalses" bei den OP-Kapazitäten der Krankenhausabteilungen für Augenheilkunde (Ophthalmologie) in Österreich: "Wenn es ein Kapazitätsmangel wäre, müssten die Wartezeiten ständig länger werden." Keinesfalls aber dürften Wartezeiten auf Operationen in Österreich vom Versicherungsstatus von Patienten - private Zusatzversicherung oder nicht - abhängig sein.

Er verwies auf die Gesetzesnovelle für ein transparentes Management von Wartezeiten auf planbare Eingriffe in Spitälern. Stöger: "Das Bundesgesetz ist schon in Kraft." Die Bundesländer müssten es jetzt in ihren Landesgesetzen umsetzen. Von ganz anderer Qualität wären vom VKI offenbar aufgezeigte Verdachtsfälle auf die sogenannten "Küss-die-Hand-Patienten", bei denen nicht Zusatzversicherte auf Privathonorar die Ordination eines Abteilungsvorstandes frequentieren und dann schneller einen OP-Termin bekommen könnten. Stöger: "Da stellen sich andere Fragen. Solche 'Systeme' sollten im österreichischen Gesundheitswesen keinen Platz haben."

Heftige Kritik kam von den Grünen und dem BZÖ: Die Umfrage beweise "ganz klar die Korruption in diesem Bereich", meinte der Grüne Gesundheitssprecher Kurt Grünewald Stöger verschließe die Augen davor. Das transparente Wartelistenmanagement genüge nicht, weil die Ausgestaltung der Listen den Ländern überlassen bleibe. BZÖ-Gesundheitssprecher Wolfgang Spadiut forderte, die Spitalsreform "endlich durchzuführen". Der Abgeordnete: "Würde Stöger endlich die Spitalsreform durchführen, wären die Krankenhäuser nicht auf Gelder der Kranken-Zusatzversicherung angewiesen."

Der Wiener Krankenanstalten Verbund (KAV) lobte das OP-Anmeldesystem in den Spitälern der Bundeshauptstadt als vorbildhaft: Es sei "vollkommen transparent und fair" und verhindere Mehrfachanmeldungen. Angesprochen auf die Erwähnung der Rudolfstiftung im Zusammenhang mit dem "Küss-die-Hand"-Patienten sagte eine Sprecherin: Wir gehen der Sache nach." Es gebe einen Verhaltenskodex für alle Mitarbeiter, solche Ansinnen zurückzuweisen. Es könne sich, wenn, dann nur um Einzelfälle handeln.