Erstellt am 08. August 2011, 07:50

Pferde als Helfer. EQUOTHERAPIE / Auf einem Bauernhof nahe St. Pölten dreht sich im Sommer alles um Pferde, Fantasie und Humor.

Symbolbild  |  NOEN, www.BilderBox.com
VON CHRISTINE HAIDERER

Jedes Jahr im Spätfrühling übersiedeln 18 Pferde und jede Menge Schafe, Meerschweinchen und Kaninchen von der Baumgartner Höhe in Wien (Otto-Wagner-Spital) auf den Steinbachhof in der Nähe von Pyhra. Mit ihnen kommen auch zahlreiche Therapeuten des Vereins e.motion und bis zu 120 Kinder und Jugendliche aus Wien und Umgebung auf den gemütlichen Bauernhof.

Sie alle kennen sich von therapeutischen Einheiten in Wien. Am Steinbachhof ist es aber anders als dort. „Freunde sind da“, „Man kann ein Lagerfeuer machen“, „Die Milch ist direkt von der Kuh“, „Man kann in der Badewanne essen und auf einem Heuballen“, „Es gibt Steinbach-TV“, , erzählen die Kinder und Jugendlichen. Und: „Man kann mit den Pferden und Hunden kuscheln.“

Diese sind es auch, um die sich hier sehr viel dreht. Und das nicht nur im offenen Stall, wo sich alle frei bewegen können und wo Kinder dem Fohlen das eigens komponierte Lied vorsingen, sondern vor allem am Reitplatz. Dort, wo sich alle begegnen: die Therapeuten, die die Begegnungen steuern; die Kinder, die viel mitgemacht haben, von Krebs über Gewalt bis zu Unfällen, egal ob sie 21 Jahre alt sind oder erst vier; und die Pferde, die alle eine dreijährige Ausbildung hinter sicher haben, in der ihr Sozialverhalten, das Zugehen auf den Menschen und ihre Neugierde gefördert und verfeinert wurden.
Und genau das können sie am Reitplatz zeigen. Zum Beispiel beim Überwinden von Hindernissen. Zuerst lässt eines der Mädchen das Pferd an der Hand schnuppern, dann geht es los – auf Kopfhöhe, damit das Pferd auch wahrnehmen kann, was sie von ihm möchte. Sie steigt über das Hindernis. Das Pferd folgt ihr.

Gemeinsam mit dem Pferd Ziele erreichen

Nicht das Zaumzeug, sondern Körperspannung, Mimik und Gestik sind entscheidend. Und auch um das Reiten an sich geht es weniger als um einen respektvollen Umgang mit dem Pferd und darum, aufeinander zu achten und gemeinsam Ziele zu erreichen.
„Equotherapie ist eine Therapie, die auf Körpersprache abzielt, die Kommunikation mit dem Pferd, die Beziehung zum Pferd“, erläutert Nina Frommhund vom Verein e.motion. „Unser Ziel ist es, die Kinder zu stärken, damit sie – zurück im Alltag – gestärkt durchs Leben gehen und ihren Weg finden können.“
Dazu gibt es seit sieben Jahren die therapeutischen Impulswochen am Steinbachhof, bei denen die Kinder in der Früh zum Bauern reiten, um die Milch zu holen, die Schafe füttern und eine Woche lang in eine andere Welt eintauchen können.
 www.pferd-emotion.at, www.oktr.at