Erstellt am 11. Juli 2011, 00:00

Pflege braucht filiale Reife. BIRGIT RICHTER, Psychotherapeutin in Traisen / Lilienfeld, über Kinder pflegebedürftiger Eltern.

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Der sogenannte Generationenvertrag die Eltern haben für uns gesorgt, jetzt sorgen wir für sie wird von vielen Angehörigen liebevoll beachtet. Mit Unterstützung von Hilfsorganisationen, Kurzzeitpflege und anderen Hilfsangeboten und nur mit diesen kann Pflegearbeit bereichernd sein und Familienbeziehungen neu vertiefen.

Leider gibt es auch Gründe, Pflege zu übernehmen, die den Helfenden krank oder unglücklich machen können. Denn manchmal gelingt es erwachsenen Kindern nicht, sich dem elterlichen Machteinfluss zu entziehen. Sie werden sozusagen zur Pflege verpflichtet und stehen dabei unter elterlicher Kuratel. Sie können nie etwas recht machen und werden bis zur Erschöpfung ausgebeutet. Manchmal fallen von Pflegenden dann Sätze wie:  Sie wird mich noch ins Grab mitnehmen!, Am liebsten wäre ich an seiner Stelle!. Diese Pflegesituation ist seelisch wie körperlich krank machend und unmenschlich.

Die filiale Reife ist die Grundvoraussetzung, um eine gute Pflege leisten zu können. Dies bedeutet, Kränkungen aus der Vergangenheit verarbeitet zu haben, sich selbst und seinen Angehörigen individuelle Bedürfnisse zu erlauben sowie die Gebrechlichkeit und Vergänglichkeit der Eltern auszuhalten. So kann man eine liebevolle und fürsorgliche Pflege leisten, die trotzdem Grenzen setzt, um sich nicht selbst bis zur Erschöpfung zu verausgaben.

Manchmal muss man die Pflege auch kompetenten Pflegeeinrichtungen überlassen, um allen Betroffenen am besten zu helfen. Diese Erkenntnis ist oft schmerzlich, führt zu Selbstzweifel und Schuldgefühlen. Auch hier kann eine psychotherapeutische Begleitung helfen, einen guten und zufriedenstellenden Weg zu finden.

TIPPS FÜRS LEBEN

Birgit Richter ist Mitglied & Bezirkskoordinatorin des Landesverbands für Psychotherapie, www.psychotherapie.at/noelp

birgit.richter@aon.at