Erstellt am 20. Februar 2012, 00:00

Positives Denken macht krank. GITTA KREE, Psychotherapeutin aus Schönberg, über die Gefahr des sich Schönredens.

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Vielleicht werden Sie jetzt denken: Das kann doch nicht ernst gemeint sein! Wo doch seit Jahren das „Positive Denken“ in vieler Munde ist, unzählige Bücher dazu geschrieben und jede Menge Seminare dazu abgehalten wurden und werden.

Und dennoch: Viele Menschen verstehen diese Anleitungen falsch und beginnen ein mitunter gefährliches – weil die psychische Gesundheit gefährdendes – Wahrnehmen, Deuten und Denken! Es beginnt ein Schönfärben von Erfahrungen, Beziehungen, Situationen und Erlebnissen, wo nur mehr die angenehmen, feinen und erfreulichen Seiten zugelassen und wahrgenommen werden. Die unangenehmen, belastenden, mitunter sogar krankmachenden Aspekte werden ausgeblendet, umgedeutet, verleugnet oder eben „positiv schöngeredet“. So ein Umgang kann anfangs manchmal angenehme Auswirkungen haben, da es natürlich gut tut, statt ständigem Jammern, Schwarzsehen etc. einmal die positiven Seiten zu genießen. Auf Dauer kann ein solches Verhalten jedoch zu groben Irritationen und Verunsicherungen führen. Unser inneres Wissen und Spüren lässt sich auf Dauer nicht ungestraft belügen. Es passt immer weniger mit dem Umgang nach außen zusammen. Der Mensch wird „inkongruenter“, unechter, und das zieht meist psychische Probleme und psychosomatische Störungen nach sich, die dann oftmals mit Hilfe von Psychotherapie erst wieder aufgearbeitet und gelöst werden können.

Heilsam wirkt dagegen eine positive und vertrauensvolle HALTUNG dem Leben gegenüber, die das ganze Spektrum der Erfahrungen mit einbezieht. Wo Gutes und Schönes ebenso wie Belastendes und Konfliktreiches wahrgenommen und angenommen werden kann. Denn nur dann können wir unser ganzes kreatives Potenzial nützen, um Probleme zu lösen und lebenswerte Bedingungen zu schaffen.