Erstellt am 12. Juni 2013, 14:59

"Qualität rückt verstärkt in unser Bewusstsein". Interview | Gerhard Zoubek, Biobauer und Inhaber des ADAMAH BioHofs über Trends in der Lebensmittelbranche und die Zukunft von Produkten aus biologischer Landwirtschaft.

Gerhard Zoubek: »Menschen wünschen sich mehr Sicherheit, mehr Qualität und mehr Ökologie. Dieser Konsumentenwunsch darf keinesfalls missbraucht werden.«  |  NOEN, ADAMAH / Manfred Klimek
NÖN: Ihre Lebensmittel stammen aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft. Was heißt das? Wer führt die Kontrollen durch?
Zoubek: Bei Lebensmitteln sollten wir uns das weise Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ besonders zu Herzen nehmen. Denn hier geht es im wahrsten Sinn des Wortes um unser Leben, um unsere Gesundheit. Ein Werbespruch hält niemanden gesund und hat auch keinen Geschmack. Da braucht es ein transparentes, strenges Kontrollsystem – und das haben wir im Biolandbau: vom Feld bis zur Tierhaltung, vom Saatgut bis zu den Futtermitteln und selbstverständlich auch bei allen Verarbeitungsschritten.
Geprüft wird regelmäßig von unabhängigen, staatlichen Kontrollstellen. Bio ist am strengsten kontrolliert und bietet daher die größtmögliche Sicherheit beim Einkauf.

Mittlerweile gibt es viele Bio-Gütezeichen. Woran kann sich der Konsument orientieren?
Zu viele „Zeichen“ stiften meist nur Verwirrung bei Konsumenten. Das trifft leider derzeit auch bei Bio-Lebensmitteln zu. Aber zum Glück ist dieser Gordische Knoten lösbar: Wer den direkten Weg zu seinen Bio-Lebensmitteln sucht und bei den Biobauern einkauft, kann sich von diesen ein sogenanntes Bio-Zertifikat vorweisen lassen. Das wird von unabhängigen Bio-Kontrollstellen nur an Biobetriebe vergeben.
Im Handel und bei abgepackten Bio-Lebensmitteln kann man sich nach dem EU-Bio-Logo orientieren – und bei österreichischen Bio-Produkten zusätzlich nach dem AMA-Bio-Zeichen. Und dann gibt es noch textliche Orientierungshilfen, wie etwa einen Kontrollstellencode mit „AT“ für Österreich und „BIO“ für biologisch – und Bezeichnungen wie „aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft“.

Wie funktioniert ein Anbau ohne Chemie? Sehen Sie darin die Zukunft?
Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass es nur ohne Chemie eine Zukunft für die Landwirtschaft und damit für uns alle geben wird. Wer an morgen denkt, darf heute keine Chemie einsetzen. Für mich ist Landwirtschaft kein kurzfristiges Geschäftsmodell, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe für fruchtbare Böden und gesunde Lebensmittel. Das ist eine Verantwortung, die sich über mehrere Generationen erstreckt.
Das war auch von Anfang an unser Weg am ADAMAH BioHof: Mit gezielten Fruchtfolgen, viel Arbeit und landwirtschaftlichem Gespür konsequent auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu verzichten. Dass das geht – ja, viel besser geht, sehen wir jeden Tag.

Inwiefern hat sich der Gemüseanbau in den letzten Jahren verändert?
Also, bei Bio hat sich da in den letzten Jahren wenig verändert. Bio ist von den gesetzlichen Richtlinien her streng und klar geregelt. Da gibt es im Gemüsebau unverrückbare Eckpfeiler, wie den Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, die Einhaltung der Gentechnikfreiheit, die ökologische Fruchtfolgenwirtschaft und vieles mehr.

Welche derzeitigen Trends bei Lebensmitteln gibt es?
„Trend“ ist bei Lebensmitteln immer ein verdächtiges Wort. Weil es ja schließlich um unser Leben geht, und nicht um eine kurzfristige Mode. Aber in der Anonymität der Nahrungsmittelproduktion werden freilich oft die seltsamsten Dinge kreiert. Dann wird aus einem Joghurt eine Vitaminbombe oder ein Verdauungsmittel, Getränke werden zu Aufputschmitteln und vieles mehr.

 

"Quantität ist nicht mehr der Turbomotor"

Es gibt aber auch einen Trend zu mehr Regionalitäts- und Qualitätsbewusstsein der Konsumenten. Wie kann man diesem als Produzent begegnen?
Am ADAMAH BioHof haben wir von Anfang an gemeinsam mit unseren Kunden den Regionalitätsgedanken gelebt. Unser Bio-Kistl, unsere Bio-Märkte, die biologischen Schulbuffets oder die Kindergarten-Jausen sind ein Ausdruck dieser gelebten Regionalität. Und freilich auch ein Zeichen für ein starkes Qualitätsbewusstsein.
Wichtig ist für mich, dass Regionalität und Qualität ein ehrliches Anliegen sind und keine austauschbare Werbemasche. Denn sich nur mit dem Begriff „Regionalität“ zu schmücken, ist zu wenig – da braucht es auch eine verantwortungsvolle Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung dahinter.
Nur weil etwas „aus der Region“ kommt, heißt es noch nicht, dass es automatisch gut ist. Ein Lebensmittel, das etwas weiter weg produziert wurde, kann eine bessere Ökobilanz aufweisen als regional produzierte Lebensmittel. Hier hängt sehr viel vom Produktionssystem ab. „Regional ist gleich gut“ und „aus dem Ausland ist gleich schlecht“ ist eine zu vereinfachte Vorstellung.



Welche Ursachen hat dieser Trend? Kann es sein, dass das auch mit jüngsten Lebensmittelskandalen zusammenhängt (Stichwort: Pferdefleisch, Etikettenschwindel)?
Gewiss wird es hier einen Zusammenhang geben. Das zeigt uns deutlich, welche Verantwortung in dem Konsumentenbedürfnis nach regionalen Lebensmitteln steckt.
Die Menschen wünschen sich mehr Sicherheit, mehr Qualität und mehr Ökologie. Dieser Konsumentenwunsch darf keinesfalls von Produzenten missbraucht werden.

Wohin denken Sie, wird sich das entwickeln? Wird sich gute Qualität durchsetzen oder siegt letzten Endes doch der Preis?
Experten sehen bereits einen wichtigen Paradigmenwechsel beim Konsumverhalten: die Quantität ist nicht mehr der Turbomotor im Lebensmittelhandel. Die Qualität rückt hingegen verstärkt ins Bewusstsein. Das stimmt mich sehr zuversichtlich.

Hat sich auch der Geschmack der Konsumenten verändert? Was erwarten Konsumenten heute im Vergleich zu früher?
Ja, der Geschmack hat sich verändert und sogar verfeinert: Essen ist zum Glück für immer mehr Menschen kein belangloser Sättigungsakt mehr, sondern ein spannendes Geschmackserlebnis, ein wichtiger Teil unserer Lebenskultur.

Worin sehen Sie die Herausforderungen von morgen?
Da freue ich mich auf viele, viele Aufgaben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir müssen das Ernährungsbewusstsein, oder sagen wir besser den „Spaß am guten, gesunden Essen“, bei Kindern und Jugendlichen noch viel mehr stärken. In diesem Bereich konnten wir zwar schon mit zahlreichen Schul- und Kindergartenbuffets wichtige Impulse setzen, aber hier bedarf es noch an viel Überzeugungsarbeit.

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