Erstellt am 15. Januar 2014, 09:00

Raus aus ELGA?. Elektronische Gesundheitsakte / Alle, die nicht teilnehmen wollen, können aussteigen. Empfehlungen gibt es dafür und dagegen.

 |  NOEN

Das Ende der ärztlichen Schweigepflicht befürchtet der österreichische Hausärzteverband angesichts von ELGA. Einem System, das unausgereift, intransparent, kompliziert, sündteuer und für den Notfall nicht geeignet ist, so einige Gründe. Die Spitze des Hausärzteverbands hat deshalb vor wenigen Tagen ihren Austritt aus ELGA eingereicht und rät Patienten, auszusteigen.

Ähnlich wie die ARGE Daten. Sie kritisiert, dass zu viele Zugriff hätten (darunter auch Servicemitarbeiter usw.) und dass ELGA kein integriertes Informationssystem, sondern ein „konfuses Sammelsurium von Befunden, Listen, Registern …“ sei.

Anderer Meinung ist hingegen Landesrat Maurice Androsch. Er rät von einer Abmeldung auf jeden Fall ab. Warum? „Befunde, Entlassungsberichte und Medikation sind neben dem Fachwissen und der Erfahrung des medizinischen Personals unabdingbare Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Durch ELGA sind diese medizinischen Unterlagen auf einem Blick fassbar und als unterstützende Entscheidungsgrundlage für die weitere Diagnostik und Therapie äußerst wertvoll.“

Bessere Information und Kommunikation

Für ELGA spricht sich auch Patientenanwalt Gerald Bachinger aus. Er ist überzeugt davon, dass der Informationsfluss zwischen Patienten, Spitälern und Ärzten durch ELGA wesentlich verbessert wird. Und das ist nötig. Immerhin entspreche die Kommunikation innerhalb des Gesundheitssystems nicht den modernen Anforderungen.

Und: „Es zeigt sich immer wieder, dass ein bestmöglicher Behandlungsverlauf deshalb nicht erreicht werden konnte, weil relevante Gesundheitsdaten nicht schnell genug und nicht vollständig am Betreuungsort vorliegen.“

Außerdem wollen Patienten heutzutage mehr über ihre Behandlung wissen. „Sie wollen keine passiven Dulder und Bittsteller mehr sein, sondern als informierte und gleichberechtigte Partner in den Behandlungsverlauf einbezogen werden.“

Höhere Qualität der Diagnose und Behandlung

Und durch ELGA haben sie Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten. „Die Bürger bekommen über das ELGA-Portal erstmals in der Geschichte des österreichischen Gesundheitswesens direkten und niedrigschwelligen Zugang zu den über sie gespeicherten Gesundheitsdaten und Auskunft, wer, wann auf welche Gesundheitsdaten zugegriffen hat.“

Zudem bringe ELGA eine höhere Qualität der Diagnose und Behandlung, mehr Patientensicherheit und ein kundenfreundliches Service, etwa durch den Entfall von Selbstabholung und Übermittlung von Befunden.

Und: Hans Jörg Schelling, Vorsitzender des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger glaubt, dass „die Versicherten vernünftig genug sind, nicht vorzeitig über die nun per Gesetz gebotenen Möglichkeiten aus dem ELGA-System auszusteigen, obwohl der für den einzelnen Patienten beschriebene Nutzen noch gar nicht erkennbar ist.“


Thema: ELGA

ELGA

  • Ziel ist es, dass etwa der Arzt bei der Behandlung wichtige Vorinformationen zum Patienten hat. Zu diesen zählen Entlassungsbriefe, Laborbefunde und radiologische Befunde (= e-Befunde) sowie eine Übersichtsliste der Medikamente (= e-Medikation).
  • Zugriff haben öffentliche Spitäler, Kassenärzte (wenn der Patient aktuell in Behandlung ist, also seine e-card gesteckt wurde), Apotheken (diese aber nur auf die Medikamenteninfos) und Pflegeeinrichtungen.
  • Zugriff hat aber auch der Patient. Über das ELGA-Portal. Zum Einstieg braucht man eine Bürgerkarte oder ein bürgerkartentaugliches Mobiltelefon (Handysignatur). Dann kann man alle Daten abrufen, sehen, welche Ärzte & Co. aktuell Zugriff haben, sich die Protokolldaten ansehen (protokolliert werden alle Zugriffe, auch die eigenen) …

Ablauf

Seit 2. Jänner 2014 gibt es auf www.gesundheit.gv.at das ELGA-Portal , die Serviceline und die Widerspruchsstelle. Seit dem können sich alle, die nicht an ELGA teilnehmen wollen, davon abmelden (= opt out). Vom ganzen System oder teilweise. Möglich ist das online (Bürgerkarte oder Handysignatur erforderlich) – oder schriftlich samt einer Kopie eines Lichtbildausweises an die ELGA-Widerspruchsstelle (das Formular dazu erhält man über die Serviceline oder online).
Übrigens kann der Widerspruch wieder rückgängig gemacht werden. Für die Zeit, in der man ausgestiegen war, aber kann es dann Informationslücken geben. Alle anderen, die sich nicht abmelden, sind automatisch bei ELGA mit dabei.
Ab Herbst 2014 werden die ersten Daten abrufbar sein. Und: ELGA-Ombudsstellen nehmen ihre Arbeit auf.
Ab 2015 sollen alle ELGA-Gesundheitsdiensteanbieter mit ELGA arbeiten. Auch in Niederösterreich.

Mehr Infos:
ELGA-Serviceline (werktags von 7 bis 19 Uhr): 050 124 4411

Zugangsportal zu ELGA: www.gesundheit.gv.at