Erstellt am 23. Juli 2012, 00:00

Rausziehen oder rasieren. BLUTIG / Umso länger eine Zecke am menschlichen Körper hängt, desto höher ist das Risiko, einen Krankheitserreger abzukriegen. Daher sollte man Zecken rasch entfernen.

 |  NOEN
x  |  NOEN

VON CHRISTINE HAIDERER

Im Sommer streift man sie im Garten von Grashalmen ab oder nimmt sie vom Spaziergang durch die Natur als Mitbringsel mit nach Hause. Und das gar nicht so selten. „16 Prozent der österreichischen Bevölkerung werden jedes Jahr von Zecken gestochen“, so Robert Müllegger, Leiter der Dermatologie am Landesklinikum Wiener Neustadt.

Das Risiko, auf diese Art einen Krankheitserreger zu erwischen, ist aber dennoch sehr gering. Bei Borellien liegt es bei einem Prozent. Bei Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist es noch niedriger.

Das Risiko steigt jedoch, wenn die Zecke länger Zeit hat. Insbesondere über acht

Stunden. „Der Krankheitserreger wird umso eher übertragen, je länger die Zecken an der Haut anhaften.“ Trotzdem gibt es laut Müllegger keinerlei Grund zur Panik.

Wichtig ist, die Zecke zu entfernen. Wie aber geht das? „Einfach rausziehen oder abrasieren – das ist das Beste“, ist Müllegger überzeugt.

Die Zecke mit einer Pinzette langsam gerade herausziehen! Drehen in eine bestimmte Richtung ist nicht notwendig.

Die Zecke mit einem Einmal-Rasierer abrasieren! Dabei bleibt zwar ein kleiner schwarzer Punkt übrig. Dieser ist jedoch nicht der Kopf der Zecke, sondern der Zeckenstachel. Und: „Der enthält nicht ausreichend viele Krankheitserreger“, erläutert Mülleger, um jemanden anzustecken. Nach ein paar Tagen wird er mit der Haut abgestoßen.

Wichtig: Keine Hilfsmittel verwenden! Denn Öl, Zwiebel und dergleichen erhöhen das Risiko, einen Krankheitserreger abzukriegen. Grund dafür ist, dass die Zecke zum Beispiel durchs Öl erstickt, im Erstickungsstress aber werden mehr Erreger abgegeben.

„Anschließend die Stichstelle desinfizieren und dann beobachten.“ Tauchen Krankheitszeichen – wie etwa zwei Wochen später ein roter Fleck oder roter Ring, Krankheitsgefühl, erhöhte Temperatur, Gelenks- und Kopfschmerzen – auf, sollte man einen Arzt aufsuchen. Es könnte sich um eine Borreliose handeln. Eine Krankheit, um die sich übrigens viele Mythen ranken. Aber auch eine Krankheit, die – wenn man sie rechtzeitig erkennt, mit den richtigen Antibiotika gut in den Griff zu kriegen ist. „Borreliose ist ausgesprochen gut zu behandeln.“

Im Gegensatz zu FSME. „FSME kann wirklich gefährlich sein.“ Man kann – in seltenen Fällen – daran sterben, knapp ein Drittel der Betroffenen behalten Spätschäden. Müllegger daher: „Die Menschen sollten in Österreich gegen FSME geimpft sein.“

WALDHÄUSL /NÖN