Erstellt am 21. Mai 2012, 00:00

Rezept zum Glücklichsein. TRAINING / Wer mehr gute Laune braucht, kann im Alltag Glücksmomente sammeln und diese aufzeichnen.

 |  NOEN

VON CHRISTINE HAIDERER

Es gibt sie. Diese Momente, in denen man sich über etwas freut, in denen man glücklich ist. Ein freundliches Lächeln, ein schönes Kompliment, ein Vogel, der sich aufs Fensterbrett setzt, oder ein guter Schweinsbraten.

Oft jedoch verdeckt der Alltagsstress den Blick auf solche Momente. Die Umgebung verschwimmt, der Tunnelblick richtet sich nur noch auf die Stressthemen.

Es geht aber auch anders. Glücklicher. Dann nämlich, wenn man offen ist und mit allen Sinnen die Situationen, die man erlebt, voll wahrnimmt, auf Besonderheiten achtet und diese genießt. Man kann auch versuchen, sich daran zu erinnern, welche Glücksmomente es in der letzten Zeit gab, riet Sozialpädagogin Sabine Edinger auf der Fachtagung der Fachgruppe Pflege der ARGE NÖ Heime in St. Pölten.

Und man kann diese in eine Art Glückstagebuch schreiben. „Jene Menschen, die regelmäßig Erfreuliches aufzeichnen, bei denen hebt sich das Glücksniveau“, meinte Edinger. So zeigte zum Beispiel eine Studie unter Patienten mit Depression, dass die, die schrieben, sich subjektiv besser fühlten.

Das Schöne an Glücksmomenten ist: „Im Grund kann jede Tätigkeit, die wir verrichten, Glücksgefühle auslösen.“ Sport, Kochen … Und: „In dem Moment, in dem wir glücklich sind, sind wir ganz im Hier und Jetzt.“ Da gibt es keine Gedanken an das Minus am Konto, die vielen Aufgaben, die noch zu erledigen sind …

Mindestens einmal  täglich glücklich sein!

Glücksmomente sammeln, Glückstagebuch führen und viele weitere Tätigkeiten können dazu beitragen, das Glücklichsein zu üben. Beim Glückstraining – das idealerweise täglich stattfindet – wird das Areal des Gehirns trainiert, das für die Ausschüttung der Glückshormone zuständig ist. Der Vorteil: Wer auf Glück trainiert ist, dem genügen kleine Reize, damit sich die Mundwinkel wieder nach oben ziehen.

Auf dem Weg zum Glücklichsein wesentlich ist auch, sich abgrenzen zu können (Nein sagen), sich wertvoll zu fühlen und auf seinen Körper, seine Gefühle und seine Gedanken zu achten, sagt Edinger. Spürt man, ob man müde ist? Und wenn ja, reagiert man darauf auch richtig? Wenn ich viel unter Leuten war, wann hatte ich das letzte Mal Ruhe? Oder: Wenn ich viel alleine war, wann hatte ich das letzte Mal ein gutes Gespräch? Wie achtsam gehe ich eigentlich mit mir selbst um?
 


Noch ein paar Tipps:

  • Wenn Sie spüren, dass Sie erschöpft sind, dann richten Sie sich ganz bewusst auf! Und gewöhnen Sie sich an, den Bauch mit der Atmung auszufüllen! So haben destruktive Gedanken keine Chance mehr.
  • „Vergleichen kann zu Unzufriedenheit führen“, warnt Edinger. Aussagen wie „Früher war es besser als heute“, „Es könnte viel besser sein als es ist“, „Der andere ist viel besser als ich“ sind nicht zielführend. Vor allem Vergleiche mit anderen Menschen können problematisch sein, insbesondere deswegen weil die andere Person einem oft gar nicht entspricht, unter ganz anderen Rahmenbedingungen lebt. Stattdessen sollte man sich fragen: Was ist eigentlich meins? Wobei fühle ich mich wohl? Worin bin ich gut?
  • Den Arbeitsplatz beziehungsweise Arbeitsraum schön gestalten! Vorsicht vor destruktiven Symbolen am Arbeitsplatz! Wie negative Sprüche am Kalender, auf der Kaffeetasse usw. („Oje, schon wieder Montag“ usw.)
  • Nicht alles, was man zu erledigen hat, ist schlimm! „Ich muss heute noch einkaufen gehen“, „Ich muss zum Zahnarzt“ … - bei Gedanken wie diesen kann man kurz den Blick weg von der Belastung lenken und sich überlegen, was wäre eigentlich, wenn ich das alles gar nicht könnte? Wenn ich gar nicht einkaufen oder zum Zahnarzt gehen könnte? Wäre das wirklich besser?
  • Sich bewusst werden, dass Gefühle von anderen einen beeinflussen können. So ansteckend wie ein Lächeln ist, kann auch die schlechte Stimmung sein. Daher darauf achten, welche Gefühle es gerade in der Umgebung gibt! So kann man auch besser darauf reagieren.
  • Mehr Glück in der Schule bringen zwei neue Schulbücher, mit dem Titel „Glückstrainings-Portfolio“.  Die Arbeitsmappen von der Psychologin Heide-Marie Smolka und Lehrerinnen der Lerngemeinschaft Wien 15 beschreiben altersgerecht und mit zahlreichen Übungen, wie die Glücksfähigkeit bei Kindern gefördert werden kann. Je nach Lust und Laune im Rahmen eines Schulprojektes, einer fixen Wochenstunde oder fächerübergreifend. Basis für die Arbeitsmappen sind Ergebnisse aus der Glücksforschung und der positiven Psychologie. Gefördert werden selbstständiges Denken durch Übungen und Aufgaben. Die Kinder begeben sich auf Phantasiereisen, lernen sich zu entspannen, ihre Sinne zu schärfen und ihre Neugierde anzukurbeln. „Die Kinder werden ermutigt zu kleinen Glücksforschern zu werden und sich auf Entdeckungsreise zu begeben. Sie erfahren dabei, dass sie das Glücklichsein sehr wohl selbst beeinflussen können: durch Achtsamkeit, durch das bewusste Wahrnehmen der Einstellung und  natürlich auch im Miteinander“, so Smolka.

Buchtipp: Karin Märzinger , Vicky Plangl , Heide-Marie Smolka , Ingrid Teufel , „Glücks-Trainings-Portfolio 5-8” (Zielgruppe: Schüler 5 bis 8 Jahre),  40 Seiten, Verlag: BVL,  15.99 Euro.
Karin Märzinger , Vicky Plangl , Heide-Marie Smolka , Ingrid Teufel , „Glücks-Trainings-Portfolio 8-12” (Zielgruppe: Schüler VS, Sek I 8 bis 12 Jahre), 80 Seiten, Verlag: BVL,  24.90 Euro.
Bestellung & Info: www.glueckstraining.at