Erstellt am 16. Oktober 2013, 10:00

Rezepte aus dem Spital. Gesundheitsversorgung / Heinz Haberfeld, seit 1. Juli 2012 Präsident der NÖ Apothekerkammer, über Chancen der Gesundheitsreform, Neues und Aktionen des letzten Jahres.

Heinz Haberfeld ist Präsident der NÖ Apothekerkammer und Apotheker in Baden. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN
Von Christine Haiderer

NÖN: Aktuell ein großes Thema ist die Umsetzung der Gesundheitsreform.
Haberfeld: Es hat konstruktive Gespräche gegeben. Aber wir sind noch am Anfang.

Gibt es Probleme, die durch die Gesundheitsreform gelöst werden könnten?
Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird, erhält er in der Regel die Tagesration seiner Medikamente und einen Arztbrief, der darüber informiert, welche Therapie vorgesehen ist. Der Patient geht damit zu seinem Arzt, lässt sich diese Medikamente verschreiben und erhält dann in der Apotheke die Arzneimittel auf Kassekosten. Wenn der Patient aber zum Beispiel Freitagabend entlassen wird und sein Hausarzt keine Ordination hat, muss er bis Montag warten – auch wenn er die Medikamente dringend bräuchte. Oder: Er bezahlt die Medikamente selbst. Oder: Die Apotheke übernimmt die Kosten. Ob der Patient beziehungsweise die Apotheke diese Kosten später aber rückerstattet bekommt, ist nicht sicher. Weil der Arzt vielleicht ein anderes Medikament oder Generika verschrieben hätte. Das bedeutet: Wir gehen regelmäßig ein finanzielles Risiko ein. Ähnlich wie bei durch Wahlärzte verschriebenen Medikamenten. Aber: Die Gesundheitsreform bietet die Chance, dieses Pro blem zu lösen. Das Krankenhaus könnte Rezepte ausstellen und die Gebietskrankenkasse diese akzeptieren.

Apropos, Gesundheitssystem – wie sieht es eigentlich mit der früher sehr angespannten Beziehung zu den Ärzten aus?
Das Verhältnis zur NÖ Ärztekammer hat sich wesentlich gebessert. Wir haben gemeinsam Pressekonferenzen zu Apo-App und Ärzte-App und zum NÖ-Impftag gegeben. Wo es noch Differenzen gibt, ist beim Thema „ärztliche Hausapotheke“. Wenn es an einem Ort eine Hausapotheke gibt, die mehr als sechs Kilometer von der nächsten öffentlichen Apotheke entfernt ist, dann wird die auch in Zukunft existieren. Aber: Gegen die Forderung der Ärzte („Jedem Landarzt seine Hausapotheke“) wehren wir uns massiv.

„Das Zustellservice der Apotheken soll ausgebaut und verbessert werden“

Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofes besagen, dass eine ärztliche Hausapotheke die Funktion einer Surrogatapotheke (einer Ersatzapotheke) übernimmt – dort, wo eine öffentliche Apotheke wirtschaftlich nicht existieren kann. Ein Nebeneinander von Hausapotheken und öffentlichen Apotheken würde bedeuten, dass öffentliche Apotheken zusperren müssen und Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. NÖ-Ärztekammerpräsident Christoph Reisner und ich wollen uns die Problemregionen ansehen und versuchen, eine Lösung zu finden.

Und was sagen Sie zu dem Argument, dass viele Ärzte ohne Hausapotheke finanziell nicht überleben könnten?
Der Arzt muss eine ausreichende Vergütung bekommen, von der er leben kann – ohne auf eine ärztliche Hausapotheke angewiesen zu sein.

Sie sind seit über einem Jahr Präsident. Welche Schwerpunkte gab es seitdem?
Ein großer Schwerpunkt war die Aktion „10 Minuten für meine Gesundheit“ im Frühling. Dabei konnten sich Kunden in den Apotheken in NÖ ihre Gesundheitswerte (Blutdruck usw.) messen lassen, um zu erfahren, wie es um die eigene Gesundheit steht.

Ausbau des Zustellservice als Zukunftsplan

Und Kunden können neuerdings auch mehr über Heilpflanzen erfahren, oder?
Auf der Garten Tulln haben wir seit Frühling einen Garten mit Vitrinen, Schautafeln, Führungen und Beeten zu neun Indikationsgebieten (Nervensystem, Rheuma …). Die Besucher können sich ansehen, wie aus einer Pflanze ein Arzneimittel wird. Etwa am Beispiel von Sonnenhut.

Welchen Schwerpunkt gab es auf Kammerebene?
Im Zuge der Fortbildung für Apothekerinnen und Apotheker gab es über 50 Veranstaltungen mit 2.519 Teilnehmern.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Für Menschen, die nicht selbst in die Apotheke kommen können – zum Beispiel, weil sie bettlägrig sind – gibt es ein Zustellservice. Apotheken liefern dann die benötigten Medikamente nach Hause. Dieses Zustellservice soll ausgebaut und verbessert werden – auch in Kooperation mit anderen Organisationen. Es geht darum, eine gute Versorgung für die Bevölkerung sicherzustellen.