Erstellt am 04. April 2011, 07:58

Salbe verleiht Flügel. HEXENKRÄUTER / Alraune, Tollkirsche, Stechapfel und Bilsenkraut – gefährliche Pflanzen, die auch heilen können, wenn man sie richtig einsetzt.

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VON CHRISTIAN BAYR

Wer kennt nicht Harry Potter? Und jenen Professor Snape, der aus Alraunen einen Wiederbelebungstrank gebraut hat, mit dem versteinerte Wesen in der Kammer des Schreckens wieder zum Leben erweckt werden konnten.
Alraune, Tollkirsche, Stechapfel und Bilsenkraut sind allesamt Hexenkräuter, denen eine magische Wirkung nachgesagt wird. Zu sehen gibt es sie in der Hexenausstellung im Museumszentrum Mistelbach.

Sie gehören zur Gattung der Nachtschattengewächse – und sind prinzipiell giftig, weshalb man Vorsicht walten lassen soll.
Generell beeinflussen sie das zentrale Nervensystem, die in den Pflanzen enthaltenen Alkaloide wie Hyoscyamin oder Atropin haben nicht zuletzt eine bewusstseinserweiternde Wirkung.
So werden etwa Wirkstoffe aus der Tollkirsche in der homöopathischen Medizin bei fieberhaften Erkrankungen eingesetzt, das Atropin in der Augenheilkunde zum Erweitern der Pupillen. Das Bilsenkraut wurde früher gerne als Betäubungsmittel verwendet, bei äußerer Anwendung auch bei Gichtanfällen. Erfreuliche „Nebenwirkung“ der Hexenkräuter: Sie gelten auch als Aphrodisiaka.
Die Hexenkräuter wurden aber auch häufig zur Herstellung von so genannten Flugsalben verwendet, wie die Naturheiltherapeutin Christine Konlechner aus St. Georgen am Steinfeld zu berichten weiß. Mit Hilfe der Salbe schwangen sich die Hexen einst auf ihren Birken-Besen zu tollkühnen Flügen durch die Lüfte. Bevorzugt in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, der Walpurgisnacht. Warum Birke? Weil dieses Holz auch feucht brennt.

Hinsichtlich der Vergiftungsgefahr gibt Christine Konlechner Entwarnung: „In der Homöopathie werden die giftigen Stoffe so lange verdünnt, bis nur mehr die Information enthalten ist.“
Über die Wirkung der Stechapfel-Blätter, deren Dämpfe beim Verbrennen bei akuten Asthmaanfällen sofortige Linderung versprechen, weiß sie eine makabre Geschichte zu erzählen: „Mein Lehrmeister, der Kräuterguru Ignaz Schlifni, hat einem Patienten die Stechapfel-Behandlung für sein Asthma empfohlen. Der Patient hat das ignoriert – und ist an einem Asthmaanfall verstorben. Und als Schlifni dessen Grab besucht hat, blühten genau dort drei Stechapfel-Pflanzen.“
Nichts mit Hexenkräuter im Sinn hat Benedikt Felsinger, der Prior von Stift Geras und als Nachfolger von Hermann-Josef Weidinger der neue Kräuterpfarrer. In seinem eben erschienenen Buch „Heilkräuter aus dem Klostergarten“ (160 Seiten, 19,95 Euro, Ueberreuter) ermutigt er, heimische Heilpflanzen kennen zu lernen: Vierzig leicht zugängliche Heilkräuter werden ausführlich in Wort und Bild vorgestellt und in ihrer heilenden Wirkung für Leib und Seele beschrieben.