Erstellt am 25. Mai 2011, 11:20

Scharfe Kontroverse rund um CT- und MR-Wartezeiten. Die Finanzen der österreichischen Krankenkassen sollen mit dem laufenden Konsolidierungsprogramm wieder ins Lot gebracht werden. Gleichzeitig kommt es offenbar in von den Sparbemühungen betroffenen Bereichen derzeit zu heftigen Kontroversen.

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Ein Beispiel: die Radiologie mit ihren bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT oder MR). Offenbar gibt es hier bei wichtigen Untersuchungen immer längere Wartezeiten. Bei den Krankenkassen wird das als "skurril" bezeichnet, bei den Radiologen als seit langem absehbar, weil die Kassenausgaben für die Radiologie ab 2010 "gedeckelt" wurden.

"Mich hat gestern eine verzweifelte Patientin angerufen, die keinen MRT-Termin bekommen hat. Sie ist schon jahrelang Schmerzpatientin und hat seit Freitag (13. Mai, Anm.) unerträgliche Schmerzen. Sie hat in 17 (!!) Röntgeninstituten angerufen und hat überall eine Absage bekommen bzw. einen Termin erst in einigen Wochen", berichtete Susanne Fiala von der "Selbsthilfegruppe Schmerz" vor zehn Tagen der APA. Die 62-jährige niederösterreichische Patientin sei schließlich mit kaum beherrschbaren Schmerzen ins Krankenhaus Wiener Neustadt gekommen, von dort in eine Klinik in Wien. Dort sei sie mit zwei massiven Bandscheibenvorfällen operiert worden und leide noch immer an Lähmungserscheinungen.

Die APA rief wegen der berichteten Wartezeiten auf offenbar akut notwendige MRT-Untersuchungen den Obmann der Bundesfachgruppe der Radiologen in der Österreichischen Ärztekammer, Franz Frühwald (Radiologe in St. Pölten), an. Dieser bestätigte den "Flaschenhals": "Auch wir haben bereits einige Wochen Wartezeit. Im Jahr 2009 wollten die Krankenkassen entweder den Vertrag kündigen bzw. sie forderten 20 bis 30 Prozent geringere Honorare. Das war nicht mehr möglich. Unsere Tarife sind seit zehn Jahren hinunter gegangen."

Schließlich, so Frühwald und auch die Verhandler auf der Kassenseite, Josef Probst (Stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger) und der Obmann der steirischen Gebietskrankenkasse Josef Pesserl, einigte man sich 2009 auf eine "Deckelung": Pro Jahr sollten bis Ende 2013 die an die Radiologen in Österreich gehenden Honorare um jeweils nicht mehr als 0,5 Prozent wachsen.

Probst und Pesserl gegenüber der APA: "Wir hatten in den letzten Jahren zuvor Steigerungen um fünf bis zehn Prozent." Die Vereinbarung sei ein Teil des Kassen-Konsolidierungsprogrammes. Man hätte bei hohen Radiologentarifen eben die Ausgaben regulieren müssen. Aber, so die Vertreter der Krankenkassen: "Es besteht die volle Leistungspflicht, ohne dass Patienten benachteiligt werden dürfen. Es gibt dazu einen Schriftverkehr. Bei Mengenproblemen sollen gemeinsame Steuerungsmaßnahmen gesetzt werden." Das Erzeugen "künstlicher Warteschlagen" sei gegen den Sinn der Vereinbarung. "Eine Konsolidierung (der Kassenfinanzen, Anm.) auf dem Rücken der Patienten kommt überhaupt nicht infrage", meinten Probst und Pesserl.

Radiologen: Anders geht es nicht
Auf Seiten der österreichischen Radiologen wirbt man mit wirtschaftlichen Argumenten für Verständnis. Franz Frühwald, Bundesfachgruppenobmann: "Früher gab es pro Jahr eine 'natürliche' Zunahme bei den CT-Untersuchungen von jährlich zwei Prozent und bei den MRT-Untersuchungen von jährlich fünf bis sieben Prozent. Wenn uns jetzt pro Jahr nur 0,5 Prozent mehr zugestanden werden, gibt es eben einen Mangel. (...) Wenn man das vier Jahre lang so spielt, schiebt man dann rund ein Drittel der notwendigen Untersuchungen vor sich her."

Der Hintergrund, so der Standesvertreter: Weil die Röntgen-Institute pro Jahr so eng "gedeckelt" seien, würden sie die Untersuchungs-Slots auf das Jahr verteilen, um nicht Ende des Jahres bis zum 31. Dezember zusperren zu müssen. Und im Jahr 2011 sei eben erstmals ein Rückstau aus dem Vorjahr gegeben. Bei zusätzlich noch degressiven Tarifen für eine Magnetresonanztomographie von anfänglich 165 Euro auf hinunter bis zu 136 Euro und von CT-Tarifen von 110 auf bis zu um die 90 Euro ab bestimmten Frequenzen in einem Institut, könne man nicht mehr leisten.

Das sehen Josef Probst vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Josef Pesserl (steirische Gebietskrankenkasse) ganz anders: "Es ist skurril, wenn in einem Land mit einer Radiologie-Überversorgung bei notwendigen Untersuchungen Engpässe auftreten." In Wien hätten die Institute sogar schon eine Plakat-Kampagne gestartet, ohne wirklich sachlichen Hintergrund.

Freilich, eine Wiener Allgemeinmedizinerin gegenüber der APA: "Ich habe in den vergangenen Monaten auch bemerkt, dass es offenbar längere Wartefristen gibt, konnte mir das aber bisher nicht erklären." Die Sache ist umso unangenehmer, als ja in vielen Bundesländern bzw. bei vielen Krankenkassen die CT und/oder MRT-Untersuchungen sowieso zunächst vom Chefarzt bewilligt werden müssen. Bewilligung und dann kein Termin in absehbarer Zeit - das ist wohl auch nicht perfekt.

Perfekt will sich offenbar das Wiener Röntgen-Institut "Diagnostik plus" an die entstehende Mangel-Situation anpassen. Es hat bisher keinen Vertrag mit den Krankenkassen und schickte an die Ärzte einen Werbe-Flyer mit unter anderem folgendem Inhalt: "Es ist inzwischen ja bekannt, dass sich für sozialversicherte Patienten bei MRT-Terminen trotz chefärztlicher Bewilligung leider in der Regel Wartezeiten von drei bis acht Wochen ergeben." Die Ärzte sollten also Patienten für "MRT-Termine noch heute!" an dieses Institut überweisen. Dort bekämen die Kranken die Untersuchung zum Krankenkassentarif, seien aber darauf hinzuweisen, dass "kein Anspruch auf Refundierung" durch die Kassen bestehe. Privat geht's eben derzeit offenbar schneller ...