Erstellt am 06. August 2012, 00:00

Schnelle Küche, schnelle Zeit. FASTFOOD / Die moderne Welt lässt immer weniger Raum zum genussvollen Kochen.

VON CHRISTIAN BAYR Waren das noch Zeiten, als sich die Familien täglich um den Mittagstisch scharten und Mutter ihr dreigängiges Menü servierte. Die moderne Arbeitswelt hat es mit sich gebracht, dass auch beim Essen heute vieles „fast“ gehen muss: Egal, ob Leberkässemmel oder Burenwurst, Hamburger oder Kebab, die „schnelle Küche“ hat mittlerweile in vielen Haushalten Einzug gehalten. Einst warb der legendäre Wienerwald-Erfinder Friedrich Jahn – und einer der Wegbereiter einer kulinarischen Revolution – mit dem sinnigen Spruch „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“. Haubenkoch Toni Mörwald hat eine Erklärung für die Faszination „Fastfood“ parat: „Es kommt dem Anspruch von Kontinuität, Sicherheit und Geschwindigkeit entgegen. Fastfood bezeichnet eine Ernährungsweise, bei der Essen, das oft schon vor der Bestellung gefertigt und verpackt wurde, gekauft und sofort verzehrt werden kann, extrem schnell also.“ Ein Argument, das gerne gegen die schnelle Küche ins Rennen geführt wird, ist sicher der Kalorienreichtum. Mörwald relativiert: „Das Essen muss nicht zwangsläufig fett sein, das Angebot etwa an Salaten nimmt bei Fastfood-Anbietern ständig zu. Aber fettes Essen wird seit jeher bevorzugt. Auch bei der Hausmannskost gibt es fette Speisen.“

„Der Konsument entscheidet,  zu welchem Essen er greift“

Es kommt auf das „Wie“ an, so der Haubenkoch: „Ein Burger ist nicht ungesund, verwenden Sie hochwertiges Fleisch, frisches Gemüse, nicht zu fette Saucen &       frische Brötchen.      Jeden Tag weißes Mehl und Fleisch zu essen entspricht nicht unseren modernen Ernährungserkenntnissen, aber ab und zu einen Burger zu essen ist ok.“ Wobei „fast“ nicht unbedingt schnell heißen muss, wenn man versucht, selbst einen Burger herzustellen. Mörwald: „Es gelten die gleichen Richtlinien wie bei der Zubereitung von „traditioneller“ Kost. Sie werden rasch merken, dass ein Burger – frisch zubereitet – absolut nicht „fast“ geht. Der vielbeschworenen „Todfeindschaft“ zwischen Spitzen- und Fastfood-Gastronomie kann er nichts abgewinnen, weshalb er auch schon für einen weltweiten Gas trokonzern eine eigene Burgerlinie kreiert hat: „Ich bin sicher kein klassischer Fastfood-Kunde, aber gegenseitiger Respekt und Anerkennung sind angebracht. Bringen wir unser Wissen in die Fastfood industrie ein, so wird die Qualität auch hier langsam, aber sicher steigen.“  |  NOEN

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