Erstellt am 31. Januar 2011, 00:00

Schwanger ohne Wein. INITIATIVE / Alkohol in der Schwangerschaft ist auf jeden Fall in großen, kann aber auch in kleinen Mengen schädlich sein.

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VON CHRISTINE HAIDERER
Jedes Jahr kommen in Österreich rund 800 Kinder mit Alkoholschädigungen zur Welt.

Sabine Fiala-Preinsperger, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie: „Es ist erwiesen, dass Alkohol ein Zellgift und besonders für unreife Körper schädigend ist.“ Die Leber des Kindes kann den Alkohol noch nicht so abbauen, wie es die der Mutter kann. Wenn die Mutter Alkohol trinkt, gelangt dieser über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes und wirkt auf die Zellen, die Zellteilung und damit auf die Organentwicklung. Es drohen Missbildungen – in erster Linie im Bereich des Gesichtes, des Herzens, der Nieren und Geschlechtsorgane. Aber auch Sprachstörungen, Lerndefizite und Ähnliches sind möglich.

Schwere Formen von Alkoholschädigungen werden fetales Alkoholsyndrom genannt. „Neben Trisomie 21 ist das fetale Alkoholsyndrom der zweithäufigste Grund für eine angeborene mentale Entwicklungsverzögerung und geistige Beeinträchtigung des Kindes.“

„Es gibt keinen Grenzwert nach unten“

Das Risiko für ein solches Syndrom ist vor allem bei Frauen, die viel in der Schwangerschaft trinken, sehr hoch. Aber auch bei kleinen Mengen Alkohol in der Schwangerschaft kann man Schäden nicht ausschließen. „Es gibt keinen Grenzwert nach unten“, betont Gesundheitslandesrätin Karin Scheele. Man kann nicht sagen, dass ein Glas keine Gefahr darstellt, weil dieses eine Glas auch schon zu viel sein kann. Und auch gibt es keinen zeitlichen Abschnitt in der Schwangerschaft, in dem Alkohol weniger schädlich ist.

Daher: „Die klare Empfehlung ist: Null Promille in der Schwangerschaft!“, so Scheele. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher auch schon ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches auf anti-
alkoholische Drinks umsteigen.

Dass Alkohol in der Schwangerschaft für das Kind schädlich ist, weiß man. Eine marketagent-Online-Umfrage im Auftrag von Landesrätin Scheele stimmen dem über 78 Prozent zu. Dennoch glauben mehr als 42 Prozent, dass Nippen o.k. ist. Ein Glas Sekt etwa bei einer Feier halten über 41 Prozent der Befragten für unbedenklich. Und: „Über ein Fünftel hat angegeben, während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert zu haben“, so Scheele.

Um das Bewusstsein für das Thema zu schärfen, startet sie daher nun gemeinsam mit der NÖ Gebietskrankenkasse und der NÖ Apothekerkammer die Initiative „Gesund durch die Schwangerschaft ohne Alkohol“.
Folder und Plakate zum Thema werden bei der NÖGKK, in Apotheken und Mutterberatungsstellen aufgelegt.