Erstellt am 23. Januar 2012, 00:00

Spaziergänger. VON CHRISTIAN BAYR

VON CHRISTIAN BAYR

Fasching ohne Faschingskrapfen – für viele Menschen ist das einfach undenkbar. Rund müssen sie sein, von goldgelber Farbe mit einem hellen Rand in der Mitte und natürlich flaumig und locker.

Doch Vorsicht: Leichte Kost sind Krapfen sicherlich nicht, ein größeres Exemplar kann schon einmal bis 400 Kalorien haben.

Früher fast ausschließlich mit Marillenmarmelade gefüllt, werden die Krapfen heute mit einer Vielzahl von Inhalten angeboten: Vor allem Vanille-, aber auch Schokolade- oder Kaffeefüllungen kommen immer besser an. Daneben gibt es aber auch zahlreiche Spe zialitäten, wie etwa jene mit Mohn- oder Powidlfüllungen, aber auch mit Punsch- und Zitronenglasuren.

Stark im Kommen sind  die kleinen Krapfen
In den vergangenen Jahren stark im Kommen sind auch kleinere Exemplare – wohl als ein Tribut an das immer mehr steigende Gesundheitsbewusstsein.

Faschingskrapfen werden in Österreich bereits in Schriften aus dem 13. Jahrhundert erwähnt, im Jahr 1486 finden sich erste Rezepte in der „Köchordnung“ der Stadt Wien, die entsprechenden Köchinnen wurden „Krappffenpacherinnen“ genannt. Während der Zeit des Wiener Kongresses im Jahr 1815 sollen gleich zehn Millionen Stück der süßen Kalorienbomben verspeist worden sein. Und das war damals beileibe kein billiges Vergnügen, der Kaufpreis eines gefüllten Krapfens lag über dem Stundenlohn eines Arbeiters.

Der Krapfen hat seinen  Platz im Fasching
Hauptverkaufszeit für das Hefeteiggebäck ist immer noch der Fasching. Stefan Winter, von der gleichnamigen, für ihre Krapfen gelobten Bäckerei in Böheimkirchen: „Zwei Drittel all unserer Mehlspeisen im Jänner und im Februar sind Krapfen.“

Wer sie zu Hause selber machen möchte, sollte weder beim Fett noch bei der Marmelade sparen. Stefan Winter: „Das Fett muss unbedingt ungehärtet sein, am besten Erdnuss- oder Kokosnussfett, und sollte 170 Grad heiß sein. Die ideale Backzeit beträgt sieben Minuten. Die möglichst hochwertige Marillenmarmelade spritzt man dann direkt in den noch warmen Krapfen.“

Die Tradition, dieses köstliche Gebäck aus Teig und Fett gerade im Fasching zu verzehren, stammt, wie viele andere kulinarische Gepflogenheiten, von Mönchen: Sie nutzen die Wochen vor der Fastenzeit, um nochmals ordentlich Speck anzusetzen.

Der Begriff Krapfen hat gleich mehrere Ursprünge: Einerseits stammt das Wort vom althochdeutschen „Kraffo“ ab, was Kralle oder Haken bedeutet (früher waren Krapfen nämlich gar nicht rund). Im 12. Jahrhundert kam er dann als „Craphun“ auf die Speisekarte. Und nach einer Legende soll die Wiener Hofratsköchin Cäcilie Krapf um 1690 ihre Finger im Spiel gehabt haben. Sie war für ihre Gebäck-Füllungen bekannt.

Krapfen spielten in der bäuerlichen Alltagskost, vor allem als Festtagsspeise
eine große Rolle. Dabei waren Größe, Form und Fülle durch den Anlass genau festgelegt. Bei der Ernte mussten ganze Berge Krapfen herausgebacken werden, bei Hochzeiten schenkte sie die Braumutter schon auf dem Weg zur Kirche den Gästen.