Erstellt am 29. August 2011, 00:00

Spaziergänger. BELASTUNG / Jedes Jahr, wenn all die anderen Pflanzen, unter denen Allergiker leiden, endlich Ruhe geben, fängt eine erst zu blühen an: das Traubenkraut (oder Ragweed).

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VON CHRISTINE HAIDERER

Ragweed wird bis zu eineinhalb Meter hoch und schleudert während der Blühphase (bis Oktober) bis zu 100 Millionen Pollenkörner in die Luft. Diese wiederum können vom Wind bis zu 200 Kilometer weit getragen werden.

Das Problem ist: Ragweed-Pollen haben eine ähnliche allergische Wirkung wie die Birke, sie verursachen Heuschnupfen, Bindehautentzündungen und Asthma. „Vereinzelt kann bei starken Allergikern auch Ausschlag entstehen, aber das ist sehr selten“, erläutert Ulrike Schauer von der Abteilung Umwelthygiene des Landes NÖ.

Für Allergiker bedeutet Ragweed aber vor allem: „Es verlängert die Allergie-Saison.“ Früher dauerte die bis August, jetzt bis in den September. In NÖ entdeckt man das Unkraut immer öfter. Zum einen, weil es sich nach Westen hin ausbreitet und nicht mehr nur vermehrt das Marchfeld und den Raum Wiener Neustadt-Neunkirchen betrifft. Und zum anderen, weil die Menschen mehr darauf achten.

Fundorte melden, um  Ausbreitung zu vermeiden

 

Wer es entdeckt, wird übrigens gebeten, ein Foto davon zu machen und dieses samt Standort an post.gs2@noel.gv.at oder an ragweed@boku.ac.at zu schicken. Im Zuge eines Projektes, das von der Uni für Bodenkultur koordiniert wird, wird die Situation von Ragweed in Österreich analysiert. Wie es sich verbreitet, welche Maßnahmen funktionieren … Die Einsendungen helfen so dabei, Maßnahmen zu finden, um die Ausbreitung einzudämmen. Immerhin verursacht Ragweed Behandlungskosten von rund 88 Millionen Euro pro Jahr in Österreich, schätzen Experten.

Einige Maßnahmen gibt es aber schon. Zum Beispiel bildet die NÖ Landesakademie „Ragweed-Verantwortliche“ bei Gemeinden aus. Dabei lernen die Teilnehmer laut Michael Mayer, wie die Pflanze aussieht, um sie später finden und von ähnlichen Pflanzen unterscheiden zu können (Interessierte Gemeinden: michael.mayer@noe-lak.at).

Auch die Straßenmeistereien in NÖ mähen schon seit Jahren die Pflanzen rechtzeitig am Straßenrand ab. Dort wächst Ragweed übrigens bevorzugt. Es mag sonnige Plätze und gestörte, offene Böden. Aus diesem Grund findet sich Ragweed auch immer wieder auf Mais- oder Sonnenblumenfeldern. Wie vor kurzem in Wölbling, wo das Unkraut Anrainer so sehr belästigte, dass ein ganzes Feld abgemäht werden musste. Übrigens: Da Ragweed mit Sonnenblumen verwandt ist, kann es auf Sonnenblumenfeldern chemisch nicht bekämpft werden. Bauern, die von Ragweed betroffen sind, rät Schauer bei der Landwirtschaftskammer nach der idealen Fruchtfolge zu fragen. Nach einer Frucht, die den Boden dicht macht.

Mähmaschinen gründlich reinigen! Weil die Samen dank ihrer Dornen leicht an Reifenprofilen, Erntemaschinen und Mähwerken haften und sich so sehr gut verbreiten. Eine Verbreitung ist übrigens auch durch Vogelfutter möglich.

Wer im Garten Ragweed entdeckt, sollte sie mit Gartenhandschuhen ausreißen! Größere Bestände sollte man mehrmals mähen – wenn sie schon blühen: dann mit Atemschutz!

Ragweed sollte man zudem ab September nicht kompostieren, weil die Samen reif sind, die viele Jahre keimfähig bleiben.

Infos: www.pollenwarndienst.at,

ragweed.boku.ac.at, www.noe.gv.at/ragweed