Erstellt am 16. April 2012, 00:00

Spirituell unterwegs. PILGERN / In den 60ern wurden es immer weniger. Jetzt aber werden die Pilger wieder immer mehr.

VON CHRISTINE HAIDERER

„Wir sind die letzte Station vor Mariazell. Und wir merken, dass die Zahl der Pilger zunimmt“, erzählt Petra Zeh aus Annaberg, Pilgerbegleiterin auf der Via Sacra, die von Wien nach Mariazell führt. „Vor allem die kleinen Gruppen. Familien, Freunde, bis zu zehn Personen.“

Warum Menschen pilgern? Das hat laut Zeh viele Gründe. Manche tun es aus Freude, manche aufgrund einer Krankheit und manche, weil sie Danke sagen wollen. Zum Beispiel dafür, dass das Kind die Matura geschafft hat. Oder sie tun es, weil sie gehen, weil sie zu sich finden oder sich bewusst auf ein Ereignis einstimmen wollen. Wie auf Ostern. Ein Vorhaben, das in der Hektik des Alltags oft schwer umzusetzen, bei einer Pilgerwanderung, wie der auf Ostern zu Anfang April, bei der auch Zeh dabei war, aber doch möglich ist.

Dazwischen gibt es  spirituelle Impulse

Bei dieser startete der Tag mit einer Andacht und endete mit einem Gottesdienst. Dazwischen lagen drei Stunden Gehen, ein spiritueller Impuls, der sich mit dem Osterfest, der Auferstehung und den Frühlingsbeginn auseinander setzte, wieder Gehen und ein weiterer Impuls. Der wiederum beschäftigte sich mit Religion und Arbeit. Impulse können übrigens Gedanken, Gespräche und Lieder sein. Gesetzt werden sie vom Pilgerbegleiter. Denn dieser kümmert sich nicht nur darum, wann, wo und wie man geht, sondern: „Die wichtigste Aufgabe ist es, das Spirituelle in die Pilgerwanderung mit einzubringen.“ Und das passiert unter anderem in Form der fünf- bis zehnminütigen Impulse. „Man gibt einen Gedankenanstoß“, erläutert Zeh.

Eine Pilgerwanderung ist übrigens im Unterschied zu einer Wallfahrt nicht auf eine Religion beschränkt. Und so waren auch bei der vorösterlichen Wanderung mit Zeh und ihren Kollegen Teilnehmer verschiedener Religionen mit dabei.

Schlechtwetter ist kein  Grund für einen Abbruch

Ein weiterer Aspekt: „Pilgern hat auch etwas mit Verzicht und Leistung zu tun.“ Mit Leistung, weil man danach sagen kann: Ich habe meinem Körper etwas zugemutet. Und ich habe es geschafft. Und Verzicht, weil man nicht wie sonst auch mit dem bequemen Auto fährt, sondern geht. Selbst dann, wenn das Wetter nicht mitspielt. Denn: „Beim Pilgern geht man auch bei Schlechtwetter“, verrät Zeh. Weil es eben nicht nur ums Gehen von A nach B geht.