Erstellt am 27. Februar 2012, 07:36

Suche nach der Mitte. FASTENSUPPEN / Stosuppe und Gemüsebrühen sorgen auch heute noch für einen klaren Geist und einen gesunden Körper. Dessen Übersäuerung wurde schon immer mit Suppen bekämpft.

 |  NOEN
VON CHRISTIAN BAYR

Fasten ist heute zeitgemäßer denn je: Auf der Suche nach Spiritualität, Ruhe und Auszeit entdecken immer mehr Menschen den Wert der Stille. Fasten tut aber nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper gut: Die allgegenwärtige Übersäuerung des Körpers wurde traditionell immer schon mit Suppen bekämpft.

In Niederösterreich aß man am Karfreitag Bohnensuppe
Besonders strenge Fasttage waren von altersher der Heilige Abend, der Aschermittwoch und vor allem der Karfreitag. Man pflegte an ihnen, wenn überhaupt, nur wenig, kalte oder höchstens flüssige Nahrung zu sich zu nehmen: Einbrenn-, Wasser-, Brot-, Zwiebel- oder Knoblauchsuppe waren übliche Fastenspeisen. In Niederösterreich aß man am Karfreitag Bohnensuppe oder Bohnensalat.

Die Fastensuppe schlechthin aber war die Bretzen- oder Beugelsuppe, die in Österreich und darüber hinaus ihre Verwendung fand. In Salzburg wurden dazu eigene, ungesalzene Bretzen angefertigt, die in Schmalz geröstet und in Wasser aufgeweicht – oder auch ohne Schmalz und nur in Wasser aufgeweicht – gegessen wurden.
Am Gründonnerstag soll man bekanntlich etwas Grünes essen. Die Assoziationen dabei sind eindeutig: Frühjahrsbeginn und die Segen bringende Wirkung des jungen Grüns. Dementsprechend wird zu einer Sieben- oder Neunkräutersuppe geraten, wobei die magischen, Glück bringenden Zahlen den Segen der Kräuter noch vermehren.
Die in Niederösterreich gebräuchlichste Fastensuppe war die Sto- oder Stoßsuppe (Stoß, Stotz oder Stutz, das ist dick gewordene, geronnene Milch). Mehl und etwas Salz werden mit saurer Milch abgesprudelt, in siedendes Wasser gegeben und aufgekocht. Dann wird Brot eingebrockt, oder es werden gekochte Erdäpfel in der Schale dazugereicht.

Brot in der Suppe, „dass sich der Löffel umbog“

Ferner aß man Grammel- oder Zwiebelsuppe (Grammeln oder Zwiebeln werden in viel Schmalz geröstet und dann in siedendes Wasser geschüttet) und Einbrennsuppe. Dazu wurde Brot eingebrockt, „dass sich der Löffel umbog“.
Fasten das ganze Jahr über kann man im Fastenkloster Pernegg nahe Horn. Klaus Rebernig: „Die Leute können sich am Anfang nicht vorstellen, dass man ohne feste Nahrung leben kann. Unser Körper ist übersäuert, Fleisch, Weißbrot und Alkohol sorgen für negative Stoffwechselprodukte, die sich im Bindegewebe ablagern. Durch das Fasten kann man diese Belastungen wieder los werden. Das ist der gleiche Effekt, wie wenn man Obst oder Gemüse essen würde.“
Fasten reinigt aber nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Rebernig: „Das ist eine sehr spirituelle Erfahrung. Es geht um Stille, um Rhythmus, um Auszeit, aber auch um ein neues Körperbewusstsein. Ich verstehe nicht, warum die Menschen nach Indien fahren, wenn sie zu sich selbst finden wollen.“

Fastenexpertin Ingrid Höfinger ergänzt: „Es gibt so viel saisonales Gemüse, das sich hervorragend für Fastensuppen eignet. Auch jetzt können wir auf Erdäpfel, Karotten oder auch Rüben zurückgreifen. Wichtig ist nur, dass man die Suppen lang und schonend gart.“

KAROTTEN-KÜRBIS-BRÜHE
Zutaten für 4 Portionen
1 l Wasser
250 g Karotten
250 g Kürbis
1 Erdäpfel
etwas Petersilienwurzel
und Sellerie
frisch gemahlene Muskatnuss,
4 TL frische Kräuter
nach Belieben Ingwer
nach Bedarf Cenovis-Biosuppenwürfel

Zubereitung
Gemüse waschen, kleinschneiden und 10 bis 20 Minuten im Wasser garkochen.
Anschließend mit dem Pürierstab zerkleinern, durch ein Sieb streichen und mit Kräutern verfeinern. Die Konsistenz sollte aber immer dünnflüssig sein!
Diese Suppe schmeckt nicht nur Fastenwilligen. Man braucht sie nur mit etwas Crème fraîche, Schlagobers, Croutons oder anderems verfeinern. Rezept von
 Fastenexpertin Ingrid Höfinger,
 www.klosterpernegg.at
 www.essenundfasten.at