Erstellt am 03. Januar 2011, 00:00

Sucht und ihre Nützlichkeit. WINFRID JANISCH, NÖLP-Vorsitzender, über die Folgen, Gefühle mit Rauschmitteln ändern zu wollen.

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Der Jahreswechsel ist soeben vorbei, und die ersten Neujahrsvorsätze beginnen gerade zu zerbröseln. Viele Menschen hatten sich vorgenommen, ihren Süchten Einhalt zu gebieten und werden nun doch wieder rückfällig.

Wir leben heute in einer Kultur, die alle Rauschmittel dieser Welt verfügbar hält. Ob wir aber manche davon gelegentlich, regelmäßig, gewohnheitsmäßig oder gar in süchtiger Weise konsumieren, hängt von uns selbst, unserer Lebenszufriedenheit und unseren Life-Skills ab.

„To medicate feelings“ nennen die Amerikaner jene Grundhaltung, aus der am ehesten eine Sucht entstehen kann. Dies bedeutet, das eigene Gefühlsleben mit einem „Medikator“ korrigieren zu wollen. Solche Medikatoren können verschiedene Drogen, aber auch Verhaltensweisen sein: von Koffein, Nikotin, Alkohol oder illegalen Drogen bis zu Spiel, Shopping, Arbeit, Sex, Sport und noch vielem mehr.

Sucht ist am ehesten daran zu erkennen, wie zentral das betreffende Verhalten im Leben eines Menschen geworden ist, und welche Interessen, Wertigkeiten und Kontakte dafür geopfert werden.

Dabei ist wichtig zu fragen: Welche Nützlichkeit hat die Sucht? Raucher nützen die Zigarette beispielsweise, um sich zu belohnen: „Jetzt hab’ ich mir aber eine verdient …“ – zur Pausenfüllung, als Kontaktmittel und zur Entspannung. Bei Alkoholikern ist das ähnlich. Arbeitssüchtige bekommen viel Anerkennung für ihren Raubbau an sich selbst, und Spielsüchtige suchen ständig den „Kick“ im Leben.

Wer Sucht überwinden will, hat bessere Chancen, wenn das, wofür sie bisher nützlich war, verstanden wurde und durch vielfältigere Optionen ersetzt werden kann. Psychotherapie kann dabei eine hervorragende Unterstützung sein.

TIPPS FÜRS LEBEN

janisch@vereinbasis.com

Winfrid Janisch istVorsitzender des Landesverbands für Psychotherapie (NÖLP), www.psychotherapie.at/noelp