Erstellt am 22. November 2010, 00:00

Teil der Gesellschaft. SELBSTBESTIMMT / „Reden wir über Inklusion“ lautete das Motto der Tagung der Lebenshilfe Österreich in St. Pölten.

Bei der Tagung: NÖ Lebenshilfe-Geschäftsführer Christian Albert, Landesrätin Johanna Mikl-Leitner, Selbstvertreterin Hanna Kamrat, Selbstvertreter Marco Buchinger, Behindertenanwalt Erwin Buchinger, NÖ-Lebenshilfe-Vizepräsidentin Friederike Pospischil, Selbstvertreter Andreas Zehetner, Lebenshilfe-Präsident Germain Weber und Selbstvertreterin Christa Gruber.NÖN  |  NOEN
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VON CHRISTINE HAIDERER

„Ich bin in die Sonderschule gegangen. Danach war ich lange Zeit zuhause“, erzählt Hanna Kamrat, die im Rollstuhl sitzt, bei der Tagung der Lebenshilfe in St. Pölten. „Jetzt bin ich seit 14 Jahren in der Lebenshilfe in Aussee. Da wird Inklusion ganz groß geschrieben.“

Inklusion ist nicht gleich Integration. Integration bedeutet, dass etwas von außen ist und hereinkommt. Zum Beispiel ein Kind aus der Sonderschule in eine „normale“ Schule. Inklusion aber bedeutet, dass man immer schon Teil der Gesellschaft war, das Kind immer schon in die „normale“ Schule gegangen ist. Und die Gesellschaft keinen Unterschied macht, ob jemand behindert ist oder nicht. In Bad Aussee funktioniert Inklusion sehr gut, meint Kamrat. „Ich arbeite einmal in der Woche im Kindergarten und einmal in der Woche im Weltladen. Für mich ist das ganz wichtig.“

Positive Beispiele gibt es aber auch in NÖ. Wie etwa das Inklusionsprojekt von Wiener Neudorf. Mit einer Bildungspartnerschaft mit Kindergarten, Hort und Volksschule. „Daraus hat sich ein Hochschullehrgang entwickelt“, freut sich Friederike Pospischil, Vizepräsidentin der Lebenshilfe NÖ und Mutter eines erwachsenen Kindes mit intellektueller Beeinträchtigung. Der Lehrgang „Kommunale Bildung“ wird an der Pädagogischen Hochschule Baden angeboten und auch von zwei Menschen mit Behinderung aus der Lebenshilfe besucht.

Weniger Sorgen und Vorteile für alle

Als nächstes Projekt ist ein inklusiver Lesezirkel geplant, verrät Pospischil, für die Inklusion ein Weg ist, den man vorleben muss. Als betroffene Mutter sieht sie in einer inklusiven Gesellschaft die Chance, „dass wir leichter und mit weniger Sorge unsere erwachsenen Kinder in ein tatsächlich selbstbestimmtes Erwachsenenleben entlassen können“. Für Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich, bedeutet Inklusion, „dass alle Menschen, die in einer Gesellschaft leben, grundsätzlich gleichberechtigt leben und gleichberechtigt an dieser Gesellschaft teilnehmen“. Und: „Wir sind davon überzeugt, dass Inklusion in einer Gesellschaft allen nützt und die Gesellschaft für alle lebenswerter macht.“ Für Landesrätin Johanna Mikl-Leitner muss Inklusion eine Selbstverständlichkeit werden, und das in allen Lebensbereichen: egal ob privat, in der Schule oder am Arbeitsplatz.

„2007 wurde die UN-Konvention über die Rechte für Menschen mit Behinderung unterschrieben“, erinnert sich Behindertenanwalt Erwin Buchinger. Damit hat sich Österreich dazu verpflichtet, alle Gesetze aufzuheben, die Menschen mit Behinderung diskriminieren, was größtenteils auch schon passiert ist. Dennoch gibt es noch viel zu tun.

www.noe.lebenshilfe.at