Erstellt am 20. Februar 2012, 00:00

Teilen lernen. MARIA NEUBERGER-SCHMIDT gibt Tipps für einen friedlichen Alltag mit Kindern.

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Die kleine Ines (5) mag nicht gerne teilen. Sie will alles für sich behalten. Die Mutter will nicht, dass Ines egoistisch wird, und ärgert sich, dass sie nichts von ihrer Orange hergeben möchte. Manchmal entrutscht es ihr: „Du bist aber ein Neidhammel!“ oder ein belehrendes „Brave Kinder teilen gerne!“ Ein anderes Mal versucht sie es mit Betteln: „Bitte, bitte, nur ein kleines Stückchen!“

Wenn wir Kinder motivieren möchten, positives Sozialverhalten zu entwickeln, müssen wir auf Druck und Manipulationen verzichten. Vielmehr ist es wichtig, Verständnis für die Schwierigkeit zu zeigen, etwas herzugeben und das kindliche Recht, sich abzugrenzen. Ehrlich: Es fällt auch uns Erwachsenen nicht immer leicht zu teilen. Noch weniger lassen wir uns gerne nötigen, großzügig zu sein. Nur wenn wir uns respektiert fühlen, können wir über uns hinauswachsen.

Lösungsansatz: Die Mutter kann wertfrei Gefühle „spiegeln“: „Du liebst Orangen. Es fällt dir nicht leicht, etwas davon herzugeben.“ Ines wird sich verstanden fühlen: „Ja. Sie gehört mir allein!“ Die Mutter nimmt zur Kenntnis: „Darum willst du sie alleine essen...“ Sie kehrt zu ihrem Anliegen zurück und sagt offen und direkt: „Ich würde ich mich aber sehr freuen, wenn du mir ein Stück davon gibst!“

Durch das erfahrene Verständnis und die offene Bitte ist Ines wahrscheinlich schon so weit, freiwillig über „ihren Schatten“ zu springen und zu sagen: „Hier Mama, das ist für dich!“, worauf die Mutter nur noch zu würdigen braucht: „Danke!“ „Ich freue mich, dass du mit mir teilst.“ Wenn Ines bei ihrem Nein bleibt, sagt die Mutter, ohne beleidigt zu sein: „Gut, dann wünsche ich dir also guten Appetit! Vielleicht magst du nächstes Mal mit mir teilen.“ Wenn wir die Grenzen von Kindern achten, fühlen sie sich respektiert und viel eher motiviert, sich bei nächster Gelegenheit großzügig zu zeigen.