Erstellt am 02. November 2010, 09:34

Trauern – anders als früher?. BIRGIT RICHTER, Psychotherapeutin in Traisen/Lilienfeld, über Wege zu trauern.

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Dass das Leben und der Tod unabänderlich zu unserem menschlichen Dasein gehören, wissen wir. Aber im hektischen Alltag unserer Konsumgesellschaft verdrängen wir oft diese Tatsachen. Traditionelle Trauerriten verschwinden immer mehr, und die Zeit zur Trauer, die wir für uns in einer vertrauten Gemeinschaft bräuchten, steht uns kaum mehr zur Verfügung.

Der Tod eines nahen Menschen löst bei uns Hilflosigkeit, Traurigkeit, Schmerz, Unsicherheit, auch Zorn und Wut aus. Viele Gefühle treffen die Hinterbliebenen mit einer Intensität, die sie so noch nicht erlebt haben. Die Trauerarbeit ist daher eine besondere Herausforderung zur Verarbeitung des Verlustes – wir müssen den geliebten Menschen freigeben für den Tod und uns für das Leben.

Jeder Mensch erlebt Trauer anders, und es gibt kein allgemeingültiges Rezept, sie zu verarbeiten. Rituale und traditionelle Bräuche sind dabei wichtige, unterstützende Handlungen. Sie geben Orientierung und erleichtern die Akzeptanz des Verlustes. Sie müssen aber dem Betreffenden Sinn und Halt bieten und nicht nur durchgestanden werden, weil es die anderen so erwarten. Wir können uns aber von alten Riten inspirieren lassen, was uns heute passend erscheint und uns berührt, integrieren – ein persönliches Abschiedsgeschenk am Grab, eine Erinnerungsreise zum Gedenken, das Aufsuchen eines ganz persönlichen Gedenkortes …

Haben wir wieder neue Lebensperspektiven und Lebensqualität erlangt, können wir von einer gelungenen Trauerarbeit sprechen. Aber manchmal ist es auch notwendig, professionelle Unterstützung anzunehmen, um eine chronifizierte oder zu schwere Trauerlast aufzulösen. Die Psychotherapie ist dazu eine geeignete Form der Hilfe.

birgit.richter@aon.at

Birgit Richter ist Mitglied & Bezirkskoordinatorin des Landesverbands für Psychotherapie, www.psychotherapie.at/noelp