Erstellt am 19. März 2012, 00:00

Versteckte Leiden. ESSSTÖRUNGEN / Ob ein Jugendlicher an Anorexie, Bulimie & Co. leidet, ist im Schulalltag oft nur schwer zu bemerken.

VON CHRISTINE HAIDERER

Sie sind sehr gute Schülerinnen und ehrgeizig, arbeiten konzentriert und fallen kaum auf. Weite Kleidung lässt keine Figur erkennen. Ausflüge werden vermieden. Und so bemerkt kaum jemand, dass es Magersucht ist.

„Magersüchtige sind Meister im Bereich Tarnen und Täuschen“, erläuterte Schulpsychologin Andrea Richter beim Essstörungen-Symposium der Fachstelle für Suchtprävention und der Pädagogischen Hochschule NÖ in St. Pölten. Aber es gibt auch Hinweise, die man sehen kann, wie bläuliche Lippen oder Hände. Oder: „Was oft auffällt, ist die Isolation in der Gruppe“, so die Leiterin der Abteilung Schulpsychologie im Landesschulrat für NÖ. Anfangs werden sie noch für ihre schlanke Figur gelobt. Später aber folgen Vorwürfe, dass sie zu dünn sind. Ähnlich schwierig ist das Bemerken der Essbrechsucht. „Nach außen hin sieht man den Betroffenen meist gar nichts an. Sie wirken erfolgreich, gepflegt und sind meist schlank“, so die Allgemeinmedizinerin Elisabeth Ottel-Gattringer. Die Chance es zu entdecken, ist im Alltag schwer, auf Schullandwochen aber kann der häufige Toilettenbesuch auffallen.

Kein oder zu viel Sport  und Essen im Zentrum

Ein Hinweis auf eine mögliche Essstörung kann das Fehlen im Unterricht oder beim Turnen sein, aber auch exzessives Sporteln. Oder wenn die Betroffene gemeinsame Mahlzeiten meidet und sich ständig mit Essen beschäftigt. Doch, Vorsicht: Nicht jede dieser Verhaltensweisen deutet auf eine Essstörung, es kann auch Ausdruck einer normalen Phase im Zuge der Pubertät sein.

Sollten Jugendliche den Verdacht haben, dass ein Mitschüler betroffen ist, können sie sich an Vertrauenslehrer, Schularzt, Schulsozialarbeiter oder schulpsychologischen Dienst wenden.

Lehrer können ihre Beobachtungen sammeln und Eltern darüber informieren. Bei diesen kann es vorkommen, dass ihnen noch nichts aufgefallen ist, weil sie Hinweise ausblenden. Eine Anlaufstelle ist der Schularzt. „Die Aufgabe der Schulärzte ist es, ein Gespräch mit dem Mädchen zu führen“, erläuterte die Schulärztin Petra Schuster-Rötzer. Sie können mit den Eltern darüber reden, welche Therapiezentren es gibt, wie lange die Wartezeiten sind, und dann die Betroffene an einen Experten weiterverweisen. Die Fachstelle für Suchtprävention bietet Projekte zur Prävention von Essstörungen an: Ich bin Ich, Männer – Leben – Anders (für Burschen) und Lehrer-Fortbildung.www.suchtvorbeugung.at,

 schulpsychologie.lsr-noe.gv.at