Erstellt am 30. April 2012, 00:00

Virtuelle Freunde. GESUND / Internet und soziale Netzwerke gehören zum Alltag der Jugend. Dennoch können auch Stress & Sucht auftreten.

VON CHRISTINE HAIDERER

Sie bewegen sich vor allem motorisiert, hören gerne Musik und haben rund 271 Freunde auf Facebook und 15 im wirklichen Leben. Und: „Dreiviertel der jungen Menschen sind mit ihrem Leben zufrieden“, so Allianz-Vorstand Johann Oswald.

44 Prozent der 14- bis 24-Jährigen jedoch fühlen sich laut Umfrage von Allianz und AGES aber auch häufig gestresst, müde und schlapp. Warum? „Hier können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen“, erläutert der Mediziner Cem Ekmekcioglu. „Bewegungsarmut, zu wenig Schlaf, neue Medien …“ Alles Faktoren, die ein Gesundheitsrisiko darstellen, gleichzeitig aber die Jugend kennzeichnen. Allen voran: neue Medien und Kommunikation. So sind etwa 78 Prozent mindestens einmal täglich im Internet (nur 65 Prozent sehen so oft fern), 45 Prozent auf Youtube – und 87 Prozent auf Facebook. Letztere rund zwei Stunden pro Tag. Und das überall: zu Hause, unterwegs übers Smartphone, in der Schule und sogar am Klo.

Ebenfalls typisch für Kinder von heute sind mehr chronische und komplexere Erkrankungen als früher, so Sonja Gobara (Ambulatorium Sonnenschein) beim NÖGKK-Symposium „Psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus geschlechtsspezifischer Sicht“. Und wenn sie Unterstützung bei der Entwicklung brauchen, dann länger als früher. Auswirkungen auf die Entwicklung haben ihrer Meinung nach auch gesellschaftliche Veränderungen: familiäre Strukturen (mehr Alleinerzieher …), Kinderarmut und Migrationshintergrund. Und auch hier spielen neue Medien, Cybermobbing usw. eine Rolle.

Zittern & Co., wenn man  nicht zum Computer kann
Manchmal kann die Beschäftigung mit Internet & Co. auch in anderer Hinsicht zu viel werden. So viel, dass sich Internetsucht entwickelt. Markus Weißensteiner von der Fachstelle für Suchtprävention NÖ: „Internetsucht kann mit exzessivem Surfen oder exzessivem Online-Computerspielen zusammenhängen.“ Aber auch soziale Netzwerke können ein Teil davon sein. Doch Vorsicht: „Nur weil man viel Zeit im Internet verbringt, heißt das nicht, dass man abhängig ist“, gibt Weißensteiner zu bedenken. Typisch für das Internetabhängigkeitssyndrom ist hingegen der Zwangscharakter, dass es für Betroffene höchst schwierig ist, ohne Computer auszukommen. Man verliert die Kontrolle. Und wird man davon losgerissen, sind selbst körperliche Entzugssymptome möglich, wie Zittern, Kreislaufprobleme usw. Bei solchen Anzeichen ist es ratsam, sich an eine Suchtberatung zu wenden. Dort gibt es auch Hilfe für Angehörige.
 


Angebote für Schulen und Eltern (wie der Vortrag „Erlebniswelt Internet – Chancen und Gefahren für mein Kind“) bietet die Fachstelle für Suchtprävention an: 02742 / 314 40 - 0, www.suchtvorbeugung.at
Symposium für Interessierte zu Chancen und Gefahren des Cyberspace, 14. November, www.noegkk.at