Erstellt am 02. Januar 2012, 00:00

Vom Frustkauf zum Suchtkauf. BIRGIT RICHTER, Psychotherapeutin in Traisen/Lilienfeld, über Lebensgefühl oder Suchtverhalten.

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Shopping – ein Konsumverhalten, das heute zum modernen Lebensgefühl gehört. Dabei geht es nicht um den reinen Erwerb von Sachen, die wir benötigen, sondern um die Vorstellung von Möglichkeiten – zu schauen, zu probieren und zu fantasieren, letztendlich sich zu identifizieren.

„Shoppen gehen“ wird als Lebensfreude erlebt, als soziale Aktivität und Freizeitgestaltung gesehen; an bestimmten Orten, die zu Tagträumen einladen. Wer diese Grenze zwischen Fantasie und Umsetzung nicht kontrollieren kann, sondern nur durch den tatsächlichen Kauf eine kurzfristige Befriedigung seiner inneren Leere erlebt, kann eventuell kaufsüchtig sein. Aus seelischer Not heraus sich einen „Frustkauf“ zu gönnen, ist auch noch kein krankheitswertiges Verhalten, sondern höchstens eine Strategie, um Problemen kurzfristig auszuweichen.

Aber wenn dies zur Gewohnheit wird, kann aus der Gewohnheit ein Suchtverhalten werden. Wir sprechen dann von Kaufsucht, wenn ein unwiderstehlicher Drang, ein Gefühl der Einengung besteht, das bis zur Abhängigkeit führt; man immer mehr und öfter kaufen muss und danach Schuld- und Schamgefühle spürt, ob der verschwendeten Ausgaben.

Kaufsucht entwickelt sich meist langsam, unauffällig und wird lange toleriert. Erst wenn Schulden entstehen, Verpflichtungen vernachlässigt, soziale Kontakte abgebrochen werden oder andere psychische Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen etc.) erkennbar sind, ist der Leidensdruck so groß, dass therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird.

Aber auch hier gilt, je eher man sich professionelle Hilfe sucht, desto schneller und besser sind die Heilungschancen – denn Kaufsucht ist kein befriedigendes Lebensgefühl, sondern eine Krankheit.