Erstellt am 27. November 2013, 10:00

von Christine Haiderer

Vorlesen für die Gesundheit. Projekt / Folke Tegetthoff und Österreichs Kinderärzte wollen das Vorlesen in Familien fördern. Mit einer neuen Geschichten-Datenbank und Zugangscodes, die beim Kinderarzt erhältlich sind.

Mit den Geschichtenwertkarten: Eli Schwab, Initiator Folke Tegetthoff, Kinderarzt Peter Voitl, Ingrid Nemec (Leiterin der Sektion Familie im Familienministerium), ÖGKJ-Präsident Reinhold Kerbl, Florian Gebhardt und Anja.  |  NOEN
Von Christine Haiderer

Es gibt immer mehr psychische und psychosomatische Erkrankungen. Eine Ursache für diese Erkrankungen sieht Reinhold Kerbl, Präsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), im Kommunikationsmangel. Auch zwischen Eltern und Kindern. Sie erzählen sich nichts mehr, verbringen ihre Freizeit nicht miteinander.

Soziale Integration in Umgebung fördert Gesundheit

Dazu kommt, dass dank neuer Medien die Sprache heute von Kürzeln geprägt ist. Dadurch leidet die Ausdrucksfähigkeit. Folke Tegetthoff: „Unter-Zweijährige können immer weniger Gefühle, Ängste, Sehnsüchte … in Worte fassen.“ So fällt es schwer, sich auszutauschen, einander zu verstehen. Bei manchen kann die Gewaltbereitschaft steigen.

Im Gegensatz dazu gibt es auch eine gesunde soziale Gesundheit. Dann, wenn Kinder in ihrer sozialen Umgebung gut integriert sind, wenn sie sich wohl fühlen, wenn die Bindung zu den Eltern gut ist, wenn sie viel miteinander in Kontakt sind. Eine Möglichkeit, das zu fördern, ist Vorlesen.

Bessere Konzentration, einfachere Sozialkontakte, mehr Fantasie

Kinder, denen zwischen zwei und sechs Jahren viel vorgelesen und erzählt wurde, werden bessere Leser, sie können sich besser konzentrieren, einfacher Sozialkontakte knüpfen und haben mehr Fantasie für Problemlösungen.

Dennoch: „Laut Studien der deutschen Stiftung Lesen lesen knapp nur noch ein Viertel der Eltern regelmäßig vor“, so Tegetthoff. Daher hat er die Geschichtenbox entwickelt. Sie enthält knapp 4.000 Geschichten von 112 namhaften Schriftstellern, die zuvor von zwei Pädagogen geprüft wurden.

Karte für 33 Geschichten aus der Datenbank für die Eltern

Im Rahmen des Projektes „Kinderärzte machen mobil“, das vom Familienministerium unterstützt wird, bekommen Eltern bei jedem Besuch bei ihrem Kinderarzt beziehungsweise auf pädiatrischen Stationen im Krankenhaus einen Ratgeber und eine Wertkarte als Geschenk.

Die Wertkarte enthält einen Code. Und mit diesem können sich Eltern 33 Geschichten aus der Datenbank holen und diese dem Kind vorlesen. Um ihm so näher zu kommen. Ein Angebot vor allem für all jene, die nicht selbst Geschichten erfinden wollen.

www.geschichtenbox.com , www.docs4you.at