Erstellt am 07. November 2011, 00:00

Vorsicht, stacheliger Typ!. „KAKTUSMENSCHEN“ / In ihrem neuen Buch beschreibt Psychoanalytikerin und Juristin Rotraud Perner Menschen, die andere gerne verletzen. Und wie man mit ihnen umgehen kann.

Rotraud A. Perner befasst sich mit den dramatischen Folgen von Gefühlskälte.  |  NOEN, ISS
VON EVA HINTERER

Kaktusmenschen sind verletzend. Sie brüllen herum, geben anderen die Schuld und lassen gleichzeitig niemanden an sich heran. Keine sichtbaren Gefühle.

Rotraud A. Perner, bekannte Psychoanalytikerin, Vortragende und Kolumnistin, nennt sie in ihrem neuen Buch deshalb so, weil auch Kakteen Pflanzen sind, die keine Nähe zulassen. Schon mal einen Kaktus umarmt? Na bitte!

Und so listet die Autorin eine ganze Reihe an „Seelenverletzern“ auf: Lügner, Narzissten, Rappelköpfe, Bosnigln, Stalker, … –  sie nennt die Methoden, mit denen diese Menschen arbeiten und verletzen. Und das meist, ohne sich im Anschluss um die Verletzten zu kümmern, denn die haben es ja offenbar verdient. Oder der Aggressor hat gar nicht wahrgenommen, dass er eine Verhaltensweise an den Tag legt, die nicht salutogen – also „Gesundheit fördernd“ – ist. Ein Begriff übrigens, der im Buch immer wieder auftaucht. Betreibt doch Perner selbst das „Institut für Salutogenese“. Im Gegensatzpaar „verletzend“ versus „Gesundheit fördernd“ passt das auch schön ins Bild.

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„Bezeichnung Psychopath  erscheint gerechtfertigt“
Die echten Kaktusmenschen aber sind mehr als bloße Seelenverletzer. „Im Gegensatz zu denjenigen, die mit ihren Sticheleien seelischen Parasitismus betreiben, also sehr wohl von Gefühlen des Mangels, der Ohnmacht und der Kompensationsbedürftigkeit motiviert werden, verbirgt sich am Seelenabgrund des echten Kaktusmenschen eine so tiefe seelische Verletzung, dass die diagnostische Bezeichnung Psychopath gerechtfertigt erscheint“, schreibt Perner.

Kaktusmenschen können nicht fühlen und auch nicht mitfühlen, sie haben diese Empfindungen abgetötet. Den Ursachen für diese Verhaltensweisen fühlt Perner schmerzhaft auf den Zahn: Körperliche Verletzungen zeigen sich in Narben, eine verletzte Seele schafft sich „Dornenhecken oder Stachelpelze“.

Neben der ausführlichen Beschreibung dessen, was Menschen zu Kaktusmenschen macht, widmet sich die Autorin im letzten Kapitel dem Umgang mit diesen schwierigen Zeitgenossen. Treffend heißt der Abschnitt daher „Überleben im Kakteenhain“. Und das funktioniert – kurz gefasst – durch spielen statt kämpfen, durch den Verzicht aufs Kriegführen.

Wer das Buch liest, wird sich bzw. Teile der eigenen Verhaltensweisen wohl auf manchen Seiten wieder finden.

Erschienen ist „Kaktusmenschen“ im Orac-Verlag.