Erstellt am 08. August 2011, 07:47

Waldviertler Whisky. ERFOLGREICH GEBRANNT / Der Roggenhof Roggenreith wurde eben in London für gleich drei Produkte ausgezeichnet. Ab September ist der weltweit erste getorfte Roggenwhisky im Handel.

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VON CHRISTIAN BAYR

Man nehme etwas Getreide, röste es, maische es mit Wasser und Hefe, brenne es und fülle es in Holzfässer – und schon hat man hochwertigen Whisky.
Nein, die Rede ist nicht von Schottland oder Amerika, sondern von Roggenreith im Waldviertel. Dort steht nämlich Österreichs erste Whiskydestillerie – und seit bei der International Wine and Spirit Competition in London jüngst gleich drei Whiskys der Familie Haider ausgezeichnet wurden, weiß das jetzt auch die restliche (Fach)Welt.
Dabei begann auch in Roggenreith Mitte der Neunzigerjahre alles mit einem Zufall: „Mein Vater hat einen Beitrag im Fernsehen über einen Grappa-Produzenten in Südtirol gesehen und sich gedacht, wenn man aus einfachen Weintrestern ein begehrtes Produkt machen kann, dann müsste es auch gelingen, unseren hochwertigen Kornbrand zu veredeln“, so Jasmin Haider vom Roggenhof in Roggenreith.
Also begann man 1995 im Roggenhof mit den ersten Whisky-Experimenten, drei Jahre später wurde der erste Waldviertler Whisky auf den Markt gebracht.
Heute werden fünf Sorten Waldviertler Whisky J.H. – jeweils mit 41 Volumsprozent Alkohol – produziert, dazu kommen drei stärkere Single-Malts und ein mit Kräutern, Honig und Likör verfeinerter Roggenwhisky-Likör.

Der weltweit einzige getorfte Roggenwhisky

Im September wird übrigens eine Weltneuheit präsentiert. Haider: „Meines Wissens nach ist unser Special Rye Malt Peated J.H. der weltweit einzige getorfte Roggenwhisky. Durch die Lagerung in gebrauchten Süßweinfässern verbinden sich die schokoladigen Nougatnoten mit einem Hauch von Apfel, Torf sorgt außerdem für charakteristische Rauchspeckaromen mit einer Vanille-Holznote.“
Der Geschmack des Whiskys wird nämlich wesentlich von der Mälzung, also der Röstung des Getreides, beeinflusst. Das Getreide wird zu Beginn befeuchtet und beginnt dann am Malzboden zu keimen; dann wird geröstet. Je intensiver und dunkler geröstet wird, umso intensiver ist der Geschmack im Whisky.

Durch die zusätzliche Verwendung eines eigenen Torf-Ofens wird das geröstete Getreide bei einigen Sorten nochmals geräuchert, was dem Whisky dann speckige Noten verleiht.
Damit der Whisky in Roggenreith zur Vollendung heranreift, liegt der zwischen drei und zwölf Jahren in Fässern aus Manhartsberger Sommereiche oder Traubeneiche. Großteils werden neue Fässer verwendet, die bis zu drei Mal eingesetzt werden.
Davor werden die Fässer innen getoastet, also ausgebrannt. Haider: „In den neuen Fässern lagert der Whisky mit ursprünglich 55 Volumsprozent Alkohol drei bis vier Jahre, in der Zweitbefüllung mit 60 Prozent bis zu sechs Jahren. Das hat damit zu tun, dass die Fässer natürlich mit der Zeit etwas auslaugen und daher der Whisky mit stärkerem Alkohol länger im Fass verbleiben muss, um ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen.“
In Roggenreith kann man aber nicht nur den Whisky der Familie Haider erwerben, sondern in einer eigenen Whisky-Erlebniswelt die Produktion des Whiskys kennen lernen. Im vergangenen Jahr fanden 75.000 Besucher den Weg nach Roggenreith.

Zusätzlich wurde 2008 auch noch ein Feuer-Wassergarten mit einer Feuerarena, Wasserelementen und einem keltischen Lebensbaumkreis eröffnet. Und noch eine gute Nachricht gibt es aus Roggenreith: Durch die Fertigstellung des neuen Lagers III können bis zu einer halben Million Liter Whisky gelagert werden.
 www.whiskyerlebniswelt.at