Erstellt am 03. Oktober 2011, 00:00

Wenn Schule Angst macht. BIRGIT RICHTER, Psychotherapeutin in Traisen/Lilienfeld, über Schulangst und Schulphobie.

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Alle Eltern wissen, welch einschneidende und enorme Wirkung Schule auf den Familienalltag hat. Egal ob gute Erfolge, Anerkennung durch Lehrer oder Wochen- und Jahresregelungen, Leid und Traurigkeit, wenn etwas nicht so gut gelingt – Eltern und Kinder sind geprägt von den Einflüssen des Schulerlebens. Besonders dann, wenn sie Kindern sogar Angst macht.

Da Kinder ihren Leidensdruck oft nicht als Angst definieren können, reagieren sie mit verschiedenen psychischen und psychosomatischen Reaktionen, wie Schlafstörungen, Nervosität, Müdigkeit, Appetitmangel, Erbrechen, Magenschmerzen, zwanghaften Handlungen, depressiven oder aggressiven Stimmungen.

Die dazu führenden Gründe sind sehr unterschiedlich, wie überhöhtes Leistungsstreben, Schul- und Lehrerwechsel, Mobbing und Gewalt in der Klasse. Diese auf die Schule direkt bezogenen Auslöser werden unter dem Begriff Schulangst zusammengefasst. Hier ist eine gute Gesprächsbasis zwischen Eltern und Lehrern sehr wichtig – keine gegenseitigen Beschuldigungen, nur eine respektvolle und offene Kommunikation ermöglicht Lösungen zum Wohle des Kindes.

Schulphobie drückt hingegen Ängste aus, die sich zwar über die Schule äußern, aber deren Ursachen andere Gründe sind – wie zum Beispiel Trennungsängste, schwere Krankheit oder Tod von wichtigen Bezugspersonen/Haustieren, familiäre Schwierigkeiten. Die Kinder sind den Anforderungen der Schule gewachsen, die Sorgen hemmen sie jedoch, in die Schule zu gehen.

Auf alle Fälle muss diese Situation der Kinder ernst genommen werden! Die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe, um die Ängste zu behandeln und damit mögliche Langzeitfolgen zu verhindern, ist meist unumgänglich.


Birgit Richter ist Mitglied des Landesverbands für Psychotherapie (NÖLP), www.psychotherapie.at/noelp

birgit.richter@aon.at