Erstellt am 31. Oktober 2011, 00:00

Wichtig ist das Wasser. HEISSGETRÄNK / Der Tee-Konsum ist im Vorjahr um beachtliche fünf Prozent gestiegen. Die Versuche für eine Tee-Auspflanzung in der Wachau sind überraschend erfolgreich angelaufen.

Tee ist in Österreich weiter im Vormarsch. Genießen kann man ihn in allen Lebenslagen, ob beim Gespräch mit der besten Freundin …  |  NOEN
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VON CHRISTIAN BAYR

Was haben Österreich und England gemeinsam? Sicherlich nicht den Teeverbrauch, weil da sind uns die Engländer weit voraus. Dennoch liegt Tee bei uns stark im Trend, zuletzt wuchs der heimische Teemarkt um fast fünf Prozent. Kräuter- und Früchtetee liegen dabei Kopf an Kopf, und auch wenn Tee nach wie vor traditionell in der kalten Jahreszeit boomt, so entwickelt er sich bei uns zum Getränk für alle Tage.

Beherrschen im Zeitalter der Convenience die Teebeutel rund 96 Prozent des heimischen Teekonsums, so ist die Teezubereitung doch eine eigene Wissenschaft: Das Wasser muss möglichst ohne Chlor, Kalk und Eisen sein. Bei hohem Kalkgehalt empfiehlt es sich, das Wasser öfters aufwallen zu lassen, bei starkem Chlor das Teewasser im offenen Kessel aufzukochen.

Je hochwertiger der Tee,  desto kälter das Wasser

Generell sollte das Wasser im heißen Zustand, allerdings nicht kochend, über die Teeblätter gegossen werden. Unterschiedliche Teesorten verlangen nach unterschiedlichen Temperaturen, generell ist es aber eher so, dass sehr hochwertige Tees immer kälter aufgegossen werden. Die Teekanne ist idealerweise aus Steingut oder Glas, da Metall den Geschmack des Tees negativ beeinflussen kann. Die Kanne immer nur mit lauwarmem Wasser auswaschen, auf keinen Fall Spülmittel oder Chemikalien für die Reinigung verwenden.

Wer seinen Tee länger warm genießen möchte, der möge seine Teekanne vor dem Gebrauch mit heißem Wasser vorwärmen, damit der Tee nicht vorzeitig abkühlt. Tee aus frischen Blättern darf nicht länger als fünf Minuten ziehen, bereits nach vier Minuten entsteht das optimale Verhältnis zwischen Koffein und Gerbstoffen. Danach einfach durch ein Teesieb abgießen.

Tee kann man übrigens nur sehr bedingt künstlich warmhalten, weil er sehr rasch sein Aroma verliert. Er wird auf der ganzen Welt unterschiedlich genossen: Während die Engländer – sie trinken im Durchschnitt sechs Tassen Tee am Tag – auf die Zubereitung mit Milch setzen, wird etwa in Russland gerne der Samowar verwendet, ein großer Behälter aus Kupfer, auf dem ein kleinerer Teekessel mit einem starken Teekonzentrat thront. Das Teewasser im Samowar wird durch glühende Kohlen auf dem Siedepunkt gehalten, vor dem Genuss wird das Teekonzentrat dann mit dem heißen Wasser aus dem Samowar „gestreckt“.

Eine eigene Wissenschaft stellt die berühmt japanische Teezeremonie dar: Dieser Tee für bestimmte Gelegenheiten verlangt nach einem genauen Zeremo niell mit speziellem Zubehör und grünem Pulvertee, so genanntem Matcha, der mit einem Teebesen in der Trinkschale dickflüssig geschlagen wird. Die gesundheitliche Wirkung von Tee ist mittlerweile hundertfach durch Studien untermauert, unter anderem stärkt er das Immunsystem, senkt das Krebsrisiko und kann sogar den Alterungsprozess der Zellen verlangsamen, wobei Grüner und Weißer Tee besonders gesundheitsfördernd sind.

In den 1950er-Jahren gab es sogar Bemühungen, Tee im Raum Wien heimisch zu machen, was nach intensiven Voruntersuchungen allerdings wieder verworfen wurde. Seit kurzem existiert ein vielversprechendes Projekt in der Wachau unter dem Titel „Grüner Veltliner und Grüner Tee“, für das die Universität für Bodenkultur auf einem aufgelassenen Weinberg bei Krems Teepflanzen ausgesetzt hat.

„Tee wird immer mehr zum Ganzjahresthema, dazu wollen immer mehr Menschen Tee auch zum Essen genießen“, sagt Manuela Seebacher vom Teehersteller Sonnentor in Zwettl. „Auch am Teemarkt geht der Wellness-Trend nicht vorbei, vor allem das Grüntee- und Kräuterteesegment legt weiter zu“, ergänzt Sandra Derler vom Marktführer Teekanne. Generell sind in Österreich Kräutertees (Marktanteil 40 Prozent) und Früchtetees (39 Prozent) am beliebtesten, der Schwarztee bleibt stabil (15 Prozent), die stärksten Zuwächse verzeichnet allerdings der Grüntee (2010: plus 7,5 Prozent).