Erstellt am 17. Oktober 2011, 09:02

Wissenschafter diskutierten Krebsprävention. Der Krebsprävention haben sich internationale Fachleute bei einem Kongress in Krems in der Vorwoche gewidmet. Dabei sei wieder ersichtlich geworden, dass ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und ausgewogene Ernährung zu den wichtigsten Faktoren für mehr Gesundheit zählen, resümierte LHStv. Wolfgang Sobotka.

 |  NOEN
Die wichtigsten Vorsorgeregeln: Nicht rauchen und moderat Alkohol konsumieren, Übergewicht vermeiden, körperlich aktiv sein, rotes Fleisch und Fleischprodukte reduzieren.

Zwei große Kohortenstudien in Europa und den USA mit 500.000 und 800.000 Teilnehmern hätten erste weitgehend übereinstimmende Ergebnisse zur Wechselwirkung von Gesundheit und Ernährung geliefert. Im Rahmen des dritten Europäischen Forums für evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention (EUFEP) wurde dazu festgestellt, dass die Rolle von Alkohol neu bewertet werden müsse: Während sich ein bis zwei Gläser Wein pro Tag als Herz-Kreislauf-Prophylaxe positiv auswirken, scheint das Risiko, an Brust- oder Darmkrebs zu erkranken, auch schon bei kleinen Mengen zuzunehmen. Deutliche Hinweise gebe es auch darauf, dass die Kombination aus Übergewicht und Null-Bewegung unter dem Aspekt der Krebsvorsorge ebenso schädlich ist wie Rauchen.

Dass sich der Lebensstil deutlich auf das Krebsrisiko auswirkt, legen die bis zu zehnfachen Unterschiede im Auftreten einzelner Krebsarten zwischen verschiedenen Ländern nahe. Welche Rolle die Ernährung spielt, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Eine deutliche Gefahr durch die viel diskutierten gesättigten Fette bestätigt sich bisher nur für das Herz-Kreislauf-System. Rind-, Lamm- und Schweinefleisch müssen demnach differenzierter betrachtet werden als bisher. "Rotes Fleisch und Fleischprodukte steigern durchaus das Risiko für Darm- und Magenkrebs, jedoch auch jenes für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und höhere Gesamtsterblichkeit, womit die möglichen biologischen Mechanismen dieser vielfachen Assoziationen noch ungeklärt sind", sagte Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Wer an die 80 Gramm rotes Fleisch pro Tag verzehrt, steigert offenbar sein Darmkrebs-Risiko um bis zu 40 Prozent. Wer hingegen Fisch und Geflügel isst, scheint das Risiko zu senken.

Vor Krebs schütze vor allem auch die Zurückhaltung beim Alkohol. Das betrifft nicht nur die bereits bekannten Krebsarten wie Speiseröhren-, Rachen- oder Mundhöhlenkrebs, bei denen man durch viel Trinken (eine Flasche Wein pro Tag) und Rauchen das Erkrankungsrisiko bis zum Hundertfachen steigert. Während ein Glas Wein pro Tag für das Herz-Kreislauf-System und für die Gesamtsterblichkeit eine positive Wirkung zeigt, gilt das für Krebs nicht: "Auch schon in kleinen, täglichen Mengen kann das zu einer Risikosteigerung vor allem für Brust-, Darm- und Leberkrebs führen," so Kaaks. Mit drei bis vier Gläsern Wein pro Tag steigt die Risikozunahme, an Darmkrebs zu erkranken, auf 40 bis 50 Prozent. Bei Brustkrebs scheint sich das Risiko pro Glas Alkohol täglich zwischen fünf und acht Prozent zu erhöhen. Im Nikotinkonsum sieht Kaaks den stärksten Effekt für eine Krebserkrankung. Ähnlich negativ wirke sich allerdings die Kombination aus Übergewicht und null Bewegung aus.