Erstellt am 24. Oktober 2011, 00:00

Zu viel Sonnenwärme. SÜSSE WEINE /  Das ausnehmend schöne Wetter hat sehr schlechte Rahmenbedingungen für Auslesen & Co. geschaffen. Die Freunde ausgeprägter Süße müssen heuer auf Eisweine hoffen.

Die letzte Hoffnung für Freunde süßer Weine ist heuer der Eiswein (Bild: gefrorene Trauben).ZVG  |  NOEN
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VON CHRISTIAN BAYR

Des einen Leid, des anderen Freud: Während Niederösterreichs Winzer über eine Jahrhunderternte jubeln, werden sich die Prädikatsweine – wie Auslesen oder gar die Trockenbeerauslesen – schwer tun. Grund dafür: Das Wetter war zu schön, um die für die Prädikatsweine notwendige Edelfäule der Trauben entstehen zu lassen.

Hoffnung für die Freunde von Süßweinen besteht allerdings noch bei den Eisweinen.

Damit Prädikatsweine überhaupt gelesen werden können, bedarf es eines ganz speziellen Pilzes, der so genannten Botrytis.

Diese Edelfäule braucht zur ihrer Bildung allerdings Feuchtigkeit in Form von Niederschlägen – die es heuer fast nicht gab.

Anders ist die Situation bei den Eisweinen, die keine Edelfäule brauchen. Hier ist eine Mindesttemperatur von minus sechs Grad erforderlich, die Beeren selbst müssen bei der Ernte gefroren sein.

Der trockene Herbst hat die  Botrytis-Bildung verhindert

Im Weingut Reinisch in Tattendorf wird es heuer weder Eisweine noch Trockenbeerauslesen geben. Christian Reinisch: „Wir produzieren lediglich eine Rotgipfler-Auslese, der trockene Herbst und die geringen Niederschläge haben einfach die notwendige Botrytis-Bildung verhindert.“

Probleme gab es allerdings im Frühling: „Am 5. Mai hatten wir minus vier Grad. Das hat vor allem beim Merlot Schäden hinterlassen.“

Den Frost bekämpft man mit altbewährten Mitteln: „Wir haben ein Feuer aus Holz und Kompost in den Weingärten entzündet und gleich wieder gelöscht. Der warme Rauch hat sich dann mit der kalten Bodenluft verbunden und den Frost aufgelöst. In Australien zum Beispiel wird diese Luftdurchmischung künstlich mit dem Hubschrauber hergestellt, der beim Flug über die Weinberge die Luft aufwirbelt.“

Die Eiswein-Produktion ist natürlich mit einem hohen Wagnis verbunden: Wenn es nämlich nicht die erforderlichen Minus-Grade hat, gibt es auch keine entsprechende Ernte.

Reinisch: „Und dann gibt es noch ein zusätzliches Risiko. Wenn nämlich die Trauben sehr viel Zucker enthalten, dann muss es noch kälter werden, damit die Trauben überhaupt frieren. Manchmal ist es etwa schon am 5. Dezember kalt genug, manchmal nicht einmal bis zum 26. Dezember. Wir haben in den vergangenen Jahren aber immer Glück gehabt, wenn wir Eiswein produzieren wollten.“

Keine Botrytis und damit auch keine Prädikatsweine, so lautet auch die Botschaft in der Weinbauregion Carnuntum. Franz Netzl aus Göttlesbrunn: „Wir machen überhaupt keine Prädikatsweine, ich glaube, heuer wird es in ganz Niederösterreich nur wenige Beerenauslesen geben. Am ehesten kann man noch Eisweine machen“. Davon ist auch Alvin Jurtschitsch vom gleichnamigen Weingut in Langenlois überzeugt: „Wir wollten eine Grüne Veltliner-Auslese machen, diesen Plan musste ich allerdings gleich wieder fallen lassen. Dafür habe ich zwei kleine Weingärten für den Eiswein reserviert.“

Allerdings könnten einfachere Prädikatsweine im Auslesebereich heuer auch ohne Botrytis-Unterstützung gelingen: „Wenn das Traubenmaterial sehr hochreif ist und man die Trauben lang genug am Stock lässt, beginnen diese in der Kälte von selbst zu schrumpfen und Wasser zu verlieren. Wir haben uns aber dafür entschieden, kurz vor diesem Stadium der Überreife zu ernten, da wir die dabei typischen Honignoten in unseren mineralischen Weißweinen eigentlich nicht haben wollen.“

Keine Prädikatsweine wird auch das Schlossweingut Hardegg aus Seefeld-Kadolz heuer auf den Markt bringen. Andreas Gruber: „Wir haben bereits alles gelesen, aufgrund der Trockenheit fehlt den Trauben die erforderliche Säure. Im Vorjahr waren die Bedingungen für Prädikatsweine viel besser, dafür hat uns damals die Menge gefehlt.“