Erstellt am 05. September 2010, 21:01

Zu viel, zu fett und zu unbeweglich. LEBENSSTIL / In Österreichs Klassenzimmern lauert so manche ungesunde Angewohnheit, von Bewegungslosigkeit bis hin zum Dauergebrauch von Handys.

 |  NOEN
VON CHRISTINE HAIDERER

Suchtgefahr Handy, Übergewicht und Essstörungen – nach Ansicht der Schulärzte leben Österreichs Schüler nicht sonderlich gesund. Das besagt eine Umfrage der Zeitschrift „Gesundheit“. So sollen beispielsweise 39 Prozent der Mädchen sehr hoch suchtgefährdet durch Handygebrauch sein. Bei Buben sind es 32 Prozent.
„Es geht darum, wie man damit umgeht, ähnlich wie bei Zigaretten und Alkohol“ , erklärt Hermine Salamon-Müller, Schulärztin in Baden. „Handys gehören zu unserem Leben. Die Kinder sind damit aufgewachsen. Wir leben damit.“ Manche aber übertreiben es. „Es gibt Kinder, die drei Handys haben. Und es gibt Kinder, die schnappen sich ihr Handy in der Pause und spielen.“ Damit bleibt keine Zeit zu trinken, keine Zeit für Kommunikation und keine Zeit für Bewegung.

Dabei ist diese ohnehin schon spärlich in der Schule anzutreffen. Und das, obwohl mangelnde Bewegung gemeinsam mit ungesunder Ernährung („zu viel und zu fett“) zu Übergewicht führt, was bei Erwachsenen und Kindern immer mehr zum Problem wird. Daher: „Es ist nicht sinnvoll, noch eine Turnstunde zu kürzen“, warnt Salamon-Müller.
Wer dieses Minimum an Bewegung etwas aufpeppen will, kann Bewegung aber auch in anderen Bereichen des Schulalltags einbauen. Positive Beispiele dazu gibt es auch in NÖ. So gibt es etwa Schulen, in denen im Unterricht regelmäßig Bewegung am Programm steht. Oder Schulen, in denen „Bewegungs-Peers“, speziell ausgebildete Mitschüler, während der Stunde die anderen aktivieren.

Von Schlafstörungen bis hin zu Kopfweh

Zu wenig Bewegung und Übergewicht sind aber nicht die einzigen gesundheitlichen Problemfelder, denen Schulärzten begegnen. Darunter finden sich auch Schlafstörungen oder Probleme des Haltungs- und Bewegungsapparates („14 Prozent haben laut einer Studie regelmäßig Rückenschmerzen und Kopfweh“). Es gibt Kinder, die eine Brille brauchen, immer mehr Kinder mit chronischen Krankheiten (Diabetes, Epilepsie, Rheumaformen …), die von Schulärzten begleitet werden, und es gibt Kinder mit psychosozialen Problemen. Zum Beispiel Kinder, die im Unterricht nicht mehr zuhören können und die Klasse stören. Ein massives Problem ist das Rauchen. Ein Start in jungen Jahren kann schwere Folgen für die Lungenfunktion und -wachstum haben. Und: „Umso früher man beginnt, umso rascher wird man abhängig.“
Aber auch Essstörungen kommen vor. Im Unterschied zu Übergewicht sind diese aber nicht so sichtbar und werden so erst später und seltener bemerkt.