Erstellt am 26. März 2012, 00:00

Zum Osterhasen gewechselt. OSTERPINZE / Das traditionelle Hefegebäck ist voll im Trend: Die alten Werte kommen wieder.

Die traditionelle Osterpinze wurde im Ursprungsland Italien eigentlich schon um Weihnachten herum verzehrt. AMA-Marketing  |  NOEN
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VON CHRISTIAN BAYR

Ostern ist – wie fast alle kirchlichen Festtage – traditionell auch die Zeit kulinarischen Brauchtums. Zu den wohl schönsten zählt sicherlich die Speisenweihe am Karsamstag und am Ostersonntag, bei der – neben Schinken und Eiern – vor allem die Osterpinze im Mittelpunkt steht: Diese wird zum Osterfleisch als Brot gereicht.

Eigentlich stammt dieses traditionelle Germteig-Gebäck ja aus der Region Veneto und Friaul, wo es allerdings in erster Linie rund um Weihnachten und Neujahr verzehrt wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Rezept dann in die Steiermark „verpflanzt“. Das Wort Pinze stammt vom italienischen Fladenbrot Pita und der Pizza (zu Deutsch Bissen) ab und hat seinen Ursprung im lateinischen pinsere, was so viel wie stampfen oder kneten bedeutet.

Ländliche kulinarische  Traditionen in den Städten

Kulinarische Traditionen wie etwa die Osterpinze liegen wieder voll im Trend, wie auch der Innungsmeister der Bäcker Niederösterreichs, Johann Ehrenberger, bestätigt: „Ursprünglich stammen diese Dinge ja eher aus dem ländlichen Bereich, mittlerweile erfreuen sie sich aber auch in den Städten immer größerer Beliebtheit. Die Menschen sehnen sich offensichtlich sehr nach Authentizität und besinnen sich wieder der alten Werte.“

Grundbasis für die Osterpinze bildet ein spezieller Vorteig, das sogenannte Dampfl, für den in das Mehl eine kleine Grube gemacht wird, in der man die Hefe zerdrückt und mit Milch zu einem breiigen Vorteig vermengt, der dann – mit einem Tuch zugedeckt – an einem warmen Ort 20 Minuten ziehen muss. So entwickeln sich auch intensive Aromastoffe im Teig.

Vor dem Backen wird dann die Teigkugel mit Ei bestrichen: „Dafür nimmt man eigentlich fast nur den Dotter und nur ganz wenig Eiweiß. Das Ei sorgt dann für einen seidigen Glanz der fertigen Pinze. Wichtig ist, dass man das Gebäck nicht zu heiß bäckt, weil sonst die Eiglasur zu dunkel wird. Außerdem sollte man das Ganze ohne Dampf zubereiten“, sagt Ehrenberger.

Aus alten Pinzen werden  neue Süßspeisen

 

Aus alten Pinzen kann man, übrigens, ohne weiteres noch Süßspeisen wie Pofesen oder Scheiterhaufen machen. Die fertige Osterpinze kann man bis zu zehn Tagen aufheben.

Ehrenberger: „Am besten gibt man sie in ein Gefäß und deckt sie ab, auch eine Brotdose ist gut zur Lagerung geeignet. Sie sollte nur nicht der Sonne ausgesetzt werden, weil sie sonst sehr rasch austrocknet.“

Pinzen eignen sich aber auch hervorragend zum Einfrieren: „Gerade zu Ostern hat ja die Hausfrau ohnehin viel zu tun, da ist es dann gut, wenn man schon vorgearbeitet hat. Am besten lässt man das tiefgefrorene Gebäck dann bei Raumtemperatur auftauen, man kann sie aber auch 15 bis 20 Sekunden in die Mikrowelle geben.“