Erstellt am 18. Oktober 2010, 00:00

Zwischen Fehler. Die meisten Beschwerden beim Patientenanwalt betreffen

Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka und Gerald Bachinger mit dem Tätigkeitsbericht der NÖ-Patientenanwaltschaft.  |  NOEN
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VON CHRISTINE HAIDERER

Wenn ein Patient den Verdacht hat, dass seinem Arzt ein Behandlungsfehler unterlaufen ist, kann er sich an die NÖ Patientenanwaltschaft wenden.

Dabei ist nicht jede Beschwerde auch wirklich auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen. Manchmal entsteht der Unmut des Patienten auch durch Kommunikationsfehler, manchmal durch ein Missverständnis.

Insgesamt gab es im letzten Jahr 721 Beschwerden. „Nach einer ersten Prüfung sind nur 110 übrig geblieben“, erklärt NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger. „110 Fehler, von denen wir selbst der Meinung waren, das könnte ein Behandlungsfehler sein.“

Die gute Nachricht: 98 davon wurden entschädigt. Der größte Teil davon nach direkten Verhandlungen mit der Versicherung, knapp ein Drittel in Folge einer Empfehlung durch die Schiedsstelle der NÖ Ärztekammer. Für besondere Fälle, bei denen eine Behandlung massive Folgen hatte, Haftung aber keine möglich ist, gibt es darüber hinaus den Patientenentschädigungsfonds. Aus ihm wurden letztes Jahr insgesamt über eine Million Entschädigungssummen ausbezahlt.

Beschwerden gibt es in allen Bereichen (niedergelassene Ärzte, Alten- und Pflegeheime, Sozialversicherungsträger). Am meisten betroffen sind aber die Krankenhäuser. Hier beschwert sich im Durchschnitt einer von 914 Patienten. Das ist eine viel niedrigere Beschwerdefrequenz als in den Jahren zuvor. Möglicher Grund dafür: „Ich führe das darauf zurück, dass die Ombudsstellen seit zwei Jahren gut arbeiten in den Krankenhäusern“, so Bachinger. Sie kümmern sich direkt vor Ort in den Spitälern um die Nöte und Ängste der Patienten. Die wenigsten Beschwerden haben übrigens das Landesklinikum Scheibbs (hier beschwerte sich nur einer von 1407), das Landesklinikum Waidhofen/Thaya (einer von 1789) und das Landesklinikum Waldviertel Zwettl (nur einer von 2950).

Wie viel Beschwerden es gibt, sagt allerdings nicht unbedingt etwas über die Qualität aus. Sie kann einen Einfluss auf die Beschwerdezahl haben, muss aber nicht. Apropos Qualität: „Ich halte es für sensationell, dass in NÖ der Begriff Qualität so ins Zentrum gerückt wurde. NÖ hat in den letzten Jahren nicht nur gesprochen, sondern wirklich auch etwas getan“, so Bachinger.

Dazu gehören zum Beispiel Patientenbefragungen. Sie werden einmal jährlich in allen Abteilungen durchgeführt und können zu Veränderungen führen. Wie zu Verbesserungen der Öffnungszeiten bei der Aufnahme von geplanten OPs, mehr Informationen für den Patienten über die geplanten Abläufe oder übersichtliche Orientierungspläne. Dazu gehört auch Risikomanagement. Zum Beispiel werden mit Checklisten, wie sie auch Piloten haben, sämtliche Details vor einer Operation noch einmal überprüft. „Risikomanagement wird bis 2011 an 12 Standorten implementiert sein“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka.

Qualitätsindikatoren, um sich zu vergleichen
Und dazu gehört die medizinische Ergebnisqualität. Für diese wurden 95 Qualitätsindikatoren entwickelt. „Wir messen die Menge der Operationen (Fallzahl), die Wahl der OP-Technik, die Raten der Wiederaufahme, die Komplikationen …“, so Sobotka. Dadurch lässt sich zum Beispiel ablesen, ob eine bestimmte Operation an einer Abteilung häufig genug oder zu selten durchgeführt wird. Unter dem Motto „Sie fliegen auch nicht mit jemandem, der nur einmal jährlich eine Boeing steuert“, so Sobotka. Der Vorteil der Qualitätsindikatoren: „Wir können damit nachweisen, wo wir international stehen.“ Noch nicht möglich ist es für Patienten, diese Daten einzusehen, wie es sich Gerald Bachinger – wie zum Beispiel nach dem Prinzip von qualitätskliniken.de in Deutschland – wünscht. Dazu Sobotka: „Es wird noch eine Weile dauern, bis die Daten auch Verbesserungspotenziale ermitteln.“ Auch müssen sich alle Beteiligten erst daran gewöhnen. „Daher werden wir diese Daten in den nächsten drei, vier Jahren nicht veröffentlichen.“


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