Erstellt am 03. Juni 2014, 13:00

60 Pestizide in heimischen Flüssen. In 22 von 42 stichprobenartig untersuchten Flüssen in Österreich wurden insgesamt 60 unterschiedliche Pestizide nachgewiesen.

15 davon gelten als hormonell wirksame Chemikalien, die mit Missbildungen bei Fischen und Amphibien in Zusammenhang gebracht werden. Das ist ein Ergebnis einer Reihe von Tests, die im Auftrag von Global 2000 durchgeführt und am Dienstag präsentiert wurden.

Auch Wulka besonders belastet

Am höchsten waren die Belastungen in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft in Ostösterreich. Die meisten Pestizide, nämlich bis zu 40, fanden sich im Rußbach und im Mühlbach im niederösterreichischen Marchfeld, erklärte Helmut Burtscher, Chemiker der Umweltorganisation, bei einer Pressekonferenz. Große Belastungen wurden auch in der Wulka im Burgenland gemessen.

Von 60 Pestiziden sind lediglich vier in der Wasserrahmenrichtlinie geregelt. "Die restlichen 56 sind de facto für die chemische Wasserqualität irrelevant", erklärte Burtscher. Denn sie müssen weder untersucht werden noch existierten Grenzwerte für die Konzentration in Gewässern.

Medikamente, Süßstoffe, Korrosionsschutzmittel

Das Umweltbundesamt (UBA) untersuchte für Global 2000 drei Trinkwasser- und 16 Fließgewässerproben auf kommunale Verunreinigungen sowie Phthalate, die hauptsächlich als Weichmacher in PVC verwendet werden. Sie werden in Fußböden verarbeitet, in Polstermöbeln, bei der Produktion von Insektiziden und Körperpflegemitteln und kommen auch in Medikamenten vor. Phthalate waren in zehn der Fließgewässer vorhanden, jeweils unter dem Grenzwert für Oberflächengewässer.

Von acht Leitsubstanzen, die als Indikator für kommunale Verunreinigungen untersucht wurden, fanden sich sieben in Fließgewässern: Medikamente, synthetische Süßstoffe und Korrosionsschutzmittel. Nach heutigem Wissensstand stellten die gemessenen Konzentrationen keine Gefährdung für den Menschen dar, erklärte Karl Kienzl, stellvertretender UBA-Geschäftsführer. "Immer mehr Chemikalien gelangen in die Umwelt. Die toxikologische Bedeutung ist vielfach noch ungeklärt, vor allem die Kombinationswirkung", gab Kienzl zu bedenken.

Einlenken in Landwirtschaft, Umdenken bei Konsumenten

"Landwirte verwenden Pestizide nicht aus Jux und Tollerei", hielt Global-2000-Chemiker Burtscher fest. Er fordert Änderungen der Förderungen mit Lenkungseffekt - vor allem für den Verzicht auf Neonicotinoide und Phthalate - und ein Umdenken bei Konsumenten: Äpfel mit Schorf sind zwar nicht makellos, schmecken aber ebenso gut. Darüber hinaus plädiert Global 2000 für Monitoring der Pestizideinträge in Gewässer.