Erstellt am 14. Mai 2012, 00:00

Arche Noah für Pflanzen. RARITÄTEN / Beate Koller hat sich ganz dem Erhalt von seltenen Gemüse-, Obst- und Getreidesorten verschrieben.

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VON ANITA KIEFER

Die Arche Noah. Schwimmen kann sie in diesem Fall nicht. Die gefährdeten Arten pilgern auch nicht paarweise zu ihr. Und: Gerettet werden diesmal auch keine Tiere. Sondern: seltene Obst-, Gemüse- und Kräuterarten. Mittendrin: Geschäftsführerin Beate Koller.

„Es gibt hier Kräuter, die man kosten, an denen man riechen und mit denen man arbeiten kann, das ist wie im Paradies!“ Erzählt die Biologin von ihrer Leidenschaft für Pflanzen, überrascht es nicht, dass sie bereits seit fünfzehn Jahren beruflich für den Erhalt seltener Pflanzenarten arbeitet und auch ihre Diplomarbeit zu diesem Thema verfasst hat.

Bei der Arche Noah, die ihren Sitz in Schiltern bei Langenlois hat, geht es jedoch um mehr als „nur“ den Erhalt seltener Pflanzenarten: Gesamtziel des 1990 gegründeten gemeinnützigen Vereins ist, seltene Sorten zu finden, sie abzusichern und verfügbar zu machen. Möglich wird das durch viele Kooperationen, beispielsweise mit Baumschulen.

Im Schaugarten das Herz  für die Sache verloren

Koller selbst startete 1995 als ehrenamtliche Mitarbeiterin ihre Tätigkeit bei der Arche Noah. Die 39-Jährige erinnert sich: „Ich habe mein Herz für die Sache verloren, als ich zum ersten Mal am Schaugarten mitgearbeitet habe.“ Seit 2000 ist sie Geschäftsführerin des Vereins. Eine Arbeit, bei der ihr bis heute keine Sekunde langweilig geworden ist: „Es gibt so viele Gestaltungsmöglichkeiten, das Thema ist so riesig. Und hier arbeiten nur Leute, die sich voll reinhängen.“

Ihren Ursprung hat Kollers Liebe zur Natur schon in der Kindheit. Mit ihrer Affinität zu Pflanzen und Kräutern ist sie quasi erblich vorbelastet.

„Als Kind hat mich immer interessiert, wie Pflanzen funktionieren“, erzählt Koller. „Ich bin zwar in der Stadt aufgewachsen, hatte aber Großeltern am Land. Da wurde auch viel mit Heilkräutern gearbeitet.“

Der Garten spielt auch in  Wien eine große Rolle

Heute lebt die gebürtige Wienerin, die lange Zeit im Kamptal und in Schiltern gewohnt hat, wieder in der Bundeshauptstadt. Aber mit Gartenanteil, das war ihr und ihrem Mann wichtig. Dieser ist übrigens auch Biologe. Ob die zwei Kinder bei der geballten Ladung an Biologie-Input von den Eltern auch in diese Richtung schlagen? „Die Kinder werden mit Themen dieser Art bombardiert. Ich habe aber schon den Eindruck, dass sie einen Zugang dazu haben“, lächelt Koller. Auch außerhalb der Arbeit dreht sich bei Beate Koller und ihrer Familie – wenig überraschend – alles um das Thema Natur. „Wir machen Urlaub am Bauernhof, gehen Wandern oder sind mit dem Boot unterwegs“, sagt die 39-Jährige.

Beruflich sieht sie ihren nächsten wichtigen Schritt darin, noch mehr Menschen mit dem vielfältigen Angebot der Arche Noah zu erreichen. Immerhin: 6000 Sorten gibt es bereits im Sortenarchiv, jährlich kommen weitere dazu. Doch warum ist Koller der Erhalt dieser Vielfalt eigentlich so wichtig? „Heute gibt es eine große Verunsicherung darüber, wo das herkommt, was wir essen. Bei vielen gibt es die Sehnsucht nach einem Geschmackserlebnis in der Kindheit. Die Leute sind glücklich, wenn sie etwas wiederfinden.“ Wie sie‘s in der Arche Noah tun.  www.arche-noah.at

ERICH MARSCHIK