Erstellt am 13. Februar 2014, 13:18

"Aufdrehen bis zum Wohlfühlen". Ein Gebäude, mit dem Umweltenergie gewonnen, gespeichert und je nach Bedarf auch wieder verbraucht werden kann – von diesem Wärmespender träumt Bundesinnungsmeister Mattes.

In der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsbranche kennt sich Bundesinnungsmeister Michael Mattes bestens aus. Er rät von gut gemeinten Ratschlägen ab, wenn es um die richtige Heizung fürs Eigenheim geht. »Man sollte immer mit einem vertrauten Fachmann sprechen.«  |  NOEN, privat
Michael Mattes ist  seit 2008 Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker. Seine Aufgabe ist es, die Branche auf gesetzliche und technische Veränderungen aufmerksam zu machen. Er vertritt seine Branche im Ausland und ist gemeinsam mit dem Innungsbüro an Gesetzesentwürfen beteiligt.
Mit der NÖN sprach der Familienvater über die ideale Raumtemperatur, seine Lieblingsheizung und die Aufgaben eines Heizungsinstallateurs.

NÖN: Ist man mit anderen Menschen in einem Raum, ist zu beobachten, dass der eine in einen dicken Pulli gehüllt immer noch friert, während der andere noch mit kurzen Ärmeln unterwegs ist. Ab welcher Temperatur spricht man von „warm“ und ab wann von „kalt“?
Michael Mattes:
Bezüglich der Raumtemperatur gibt es für den Heizungsbau im öffentlichen, mehrgeschoßigen Wohnbau Normtemperaturen. Normalerweise werden gewünschte Temperaturen mit dem Wohnungs- oder Hausbesitzer vor der Heizungsinstallation vereinbart. Das Temperaturempfinden ist beim Menschen unterschiedlich. Ich habe Kunden, denen ist unter 24 Grad kalt. Ich persönlich fühle mich bei 19 Grad wohl. Grundsätzlich empfehle ich jedem, die Heizung bis zum Wohlfühlen aufzudrehen, ohne Blick auf das Thermometer.

Oft wird davon gesprochen, dass ein Kachelofen „eine andere Wärme“ abgibt als beispielsweise eine Zentralheizung. Woher kommt diese unterschiedliche Wahrnehmung?
Nicht nur beim Kachelofen, auch beim offenen Kamin ist die angenehme Wahrnehmung auf die Wärmestrahlung durch die höhere Oberflächentemperatur zurückzuführen. Der Mensch ist das schon aus Urzeiten vom Lagerfeuer gewohnt.

Es gibt unzählige Arten von Heizungen, wie bringt ein Hausbesitzer das für ihn passende Klima in sein Zuhause?
Mattes:  Ein Hausbesitzer, sei es Alt- oder Neubau, sollte, wenn er eine Veränderung plant, mit einem ihm vertrauten Fachmann – also einem Installateur – sprechen und sich nichts von irgendjemandem anderen einreden lassen.
 

"Niedrigtemperaturheizung liegt voll im Trend"

Worauf sollte man bei der Entscheidung, welche Heizung man sich zulegt, unbedingt Rücksicht nehmen?
Jeder Fall ist anders, und auch hier rate ich zu einem Gespräch mit dem vertrauten Installateur. Der kennt sich aus und wird die effizienteste Form ermitteln. Der Kunde muss dann seine maßgeschneiderte Anlage zwischen hohen Investitionskosten und etwas geringeren Energiekosten oder geringere Investition und etwas höheren Energiekosten wählen. Wichtig ist vor allem Effizienz und Gerätetechnik auf Letztstand, also nicht die billigste abgelaufene Technologie verwenden.

Welche Heizungen liegen derzeit besonders im Trend?
Zeitgemäß und nach Normvorgabe liegt grundsätzlich eine Niedertemperaturheizung voll im Trend. Bei der Wärmebereitstellung möchte ich jedoch keinen Energieträger ausschließen, weil wir aus technischen und physikalischen Gründen mit dem derzeitigen Energiemix noch sehr lange auskommen müssen. Auch mit finanzieller Förderung lassen sich die physikalischen Gesetze nicht biegen und bringen nur unwirtschaftliche Verzerrungen, welche Geldmittel vernichten.

x  |  NOEN, Wodicka


Gibt es Heizungen, die bereits veraltet sind und kaum noch zum Einsatz kommen?
Im Einsatz sind noch alle Formen und Ausführungen. Wie bereits erwähnt, kann unser derzeitiges Ziel nur die Effizienzsteigerung sein. Das größte Einsparungspotenzial an CO2 sehe ich bei der Anlagensanierung. In Österreich gibt es noch rund 600.000 Altanlagen. Aber auch das Dazugewinnen, zum Beispiel durch Kombinationen, von Umweltenergie sollte beachtet werden. Hier ist ein späteres Nachrüsten der Heizanlagen kein Problem.

Welcher ist aus Ihrer Sicht der Wärmespender der Zukunft?
Als Vision des zukünftigen Wärmespenders denke ich an das Gebäude, mit welchem Umweltenergie gewonnen, gespeichert und bei Bedarf von Wärme und Strom verbraucht wird. Jedoch werden wir auf diese Technik noch längere Zeit warten müssen.
 

"Heizungstechniker beraten die Kunden"


Auf welche Arten kann derzeit geheizt werden?
Die Wärmebereitstellung kann derzeit mit Strom, fossiler Energie und Biomasse sowie in Kombination mit allen erneuerbaren Energieformen – Hybridanlagen – erfolgen.

Gibt es einen Wärmespender, den Sie als Ihre „Lieblingsheizung“ bezeichnen würden?
Meine Lieblingsheizung entspricht der Vision, die ich als zukünftigen Wärmespender beschrieben habe. Daher gibt es sie leider noch nicht. Persönlich habe ich aus Interesse – zum Ausprobieren und Messen – mein Haus mit einem Niedertemperatur-Wärmeabgabesystem ausgestattet. Es arbeitet mit einer Wärmepumpe, einem mKWK – das heißt, es erzeugt Strom und Wärme – und wird von einer Solaranlage versorgt.

Was genau sind die Aufgaben eines Heizungstechnikers?
Der Heizungstechniker, sprich Heizungsinstallateur, hat vorerst die Pflicht, sich ständig weiterzubilden. Seinen Kunden gewissenhaft zu beraten und dann die gewählte Anlage optimal zu bauen und abzugleichen. Je komplexer das System wird, um so mehr übergreifendes Fachwissen, zum Beispiel wissen über Elektrotechnik, wird erforderlich. Nur wenn alles passt, kann die nötige Effizienz erreicht werden.

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