Erstellt am 30. April 2013, 15:19

Aus dem Garten auf den Tisch: Essbare Blüten. Gärtnern bedeutet Lust. Auch Lust am Kosten und Naschen. Neben Obst und Gemüse liefert der Garten auch eine Reihe delikater Blüten.

Sie sind nicht nur schön anzusehen. Sie sind auch ein Erlebnis am Gaumen. Viele Blüten aus unseren Gärten machen nicht nur im Beet, sondern auch in Salaten, Desserts, Saucen, zu Fleisch-, Fisch- und Reisgerichten viel her. Manche sind mild, andere würzig, aber alle sind köstlich und machen den frühlingshaften Esstisch noch ein bisschen fröhlicher.

Nur reine Blüten essen
Die Liste der essbaren Blüten ist lang. Die Blüten und Blütenblätter von Duftgeranien, Hornveilchen, Frucht-Salbei, Kapuzinerkresse, Kornblume, Gewürz-Tagetes, Büschelschön, Malve, Phlox, Begonie und Rosen können zu Salaten oder als essbare Dekoration zu jeder Speise verwendet werden. Vom Gänseblümchen und der Vogelmiere bis zu den Blüten der Gewürzkräuter gibt es köstliche Schönheiten in Hülle und Fülle. Auch die Blüten von Ringelblume oder Flammenblumen sind leuchtende Farbtupfer mit würzigem Aroma in einem frisch zubereiteten Salat.

Klarerweise kommen zum Verzehr nur ungespritzte Blumen infrage. Im eigenen Garten oder auf Wiesen, die nicht neben Spazierwegen, viel befahrenen Straßen oder landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen, kann man die essbaren Blüten sammeln. Zierblumen aus Blumenfachgeschäften sind nicht zum Verzehr geeignet, weil sie mit Dünger oder Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Mittlerweile gibt es aber schon einige Blumenfachgeschäfte,
die essbare Blüten zum Verkauf anbieten. Die Blüten verströmen den stärksten Duft, wenn sie gerade aufgegangen sind. Daher lieber erst unmittelbar vor dem Gebrauch in der Küche pflücken und nur die Blütenblätter verwenden, die Kelchblätter sind ungenießbar. Blüten lassen sich übrigens auch mit Wasser zu attraktiven Eiswürfeln für verschiedene Verwendungen einfrieren. Verliebte können wiederum mit delikaten Rosenblütenblättern ihrem Gefühl Ausdruck verleihen, etwa auf einem herrlichen Risotto.

Orange Farbkleckse in der Salatschüssel
Die würzige Kapuzinerkresse etwa stammt ursprünglich aus dem fernen Peru. Ihre kräftig gelben, orangen und roten Blüten, die hübschen runden Blätter und ihr üppiger Wuchs machen sie zu einer auffälligen Zierpflanze. Ihre Kultivierung ist relativ einfach, im Freiland werden die Samen ab Mitte Mai ausgesät oder ab Mitte April im Haus vorgezogen. Die Kapuzinerkresse enthält Senfölglykoside, die ihren würzig-scharfen Geschmack verursachen. Blätter und Blüten werden für Salate und als essbare Dekoration verwendet. Grüne und unreife Samen und geschlossene Knospen eignen sich, in Kräuteressig eingelegt, hervorragend als Kapern-Ersatz.

Auch bei einer hinreißenden Leckerei ist Mitmachen in der Küche garantiert: Auf süßen Speisen sehen nämlich kandierte Blüten, speziell die von Veilchen besonders attraktiv aus: Blüten sammeln und mit Zucker konservieren ist eine Arbeit, bei der sogar Kinder begeistert mithelfen: Die Blüten des Duftveilchens werden mit halbsteif geschlagenem Eiweiß bestrichen, dann mit feinem Staubz ucker  dünn  bestreut  und auf einem flachen Tortengitter zwei Tage zum Trocknen platziert. Wer es lieber pfeffrig-scharf mag, wird – besonders in den Sommermonaten – einen erfrischenden Topfen-Kräuteraufstrich mit Blüten lieben. Dazu werden essbare Blüten wie Hornveilchen, Ringelblumen, Löwenmaul, Stiefmütterchen, Pegonie, Gänseblümchen oder Löwenzahn benötigt, außerdem 200 g Topfen, 100 g Sauerrahm, der Saft einer Bio-Zitrone, Knoblauch, frische Kräuter, Salz und Pfeffer: Sauerrahm und Topfen glatt rühren, mit Salz, Pfeffer, Knoblauch, Zitronensaft und Kräutern würzen. Die Blüten auf den Aufstrich setzen – fertig! Grenzen sind dem kreativen Gärtner mit Kochambitionen also kaum gesetzt. Und wer weitere Anregungen sucht, wird in der Literatur fündig …


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Manfred Buchinger, Johannes
Gutmann: „So schmeckt die Freude“, Residenz Verlag, ISBN 978 3 7017 3217 3

Welche Blüten passen besonders zu welchen Speisen?

Pasta: Indianernessel, Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Schnittlauch, Sonnenblumen, Zucchiniblüten.
Salate: Borretsch, Gänseblümchen, Indianernessel, Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Rotklee, Salbei, Schinkenkraut, Schnittlauch, Sonnenblumen, Stiefmütterchen, Stockrosen, Taglilien, Thymian, Veilchen.
Fisch: Indianernessel
Fischsaucen: Ringelblumen, Schnittlauch
Hühnerfleisch: Thymian, Lavendel, Kapuzinerkresse
Lammfleisch: Lavendel, Rosmarin
Reisgerichte: Indianernessel, Zucchiniblüten
Suppen: Taglilien, Ringelblumen, Zucchiniblüten
Champignons: Schnittlauch, Thymian
Omeletts: Schnittlauch
Eierspeise: Ringelblumen, Schnittlauch
Ofenkartoffel: Ringelblumen, Schnittlauch
Patés: Borretsch, Gänseblümchen, Salbei, Schnittlauch, Stiefmütterchen
Ausbackteig: Kapuzinerkresse, Salbei, Zucchiniblüten
Pesto: Kapuzinerkresse
Obstsalate: Borretsch, Stockrosen, Schinkenkraut
Brot: Lavendel, Sonnenblumen
Honig: Lavendel, Duftpelargonien
Eiscreme: Lavendel, Duftpelargonienblätter, Erdbeerblüten.
Eiswürfel: Borretsch, Duftpelargonien, Gänseblümchen, Nelken, Rotklee, Stiefmütterchen, Veilchen
Buttermischungen: Ringelblumen, Salbei, Schnittlauch, Thymian
Öle: Indianernessel, Lavendel, Salbei, Thymian
Kuchen, Torten und Desserts: überzuckerte Blüten von Borretsch, Nelken, Schlüsselblumen, Stiefmütterchen, Stockrosen, Veilchen.


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