Erstellt am 30. September 2013, 14:42

Bauen mit der Natur. Holz, Stroh und Lehm sind natürliche und ökologisch wertvolle Baustoffe. Alle drei Baustoffe sind vor allem beim modernen Hausbau sehr beliebt. Grund dafür ist, dass immer mehr Menschen die ökologischen Auswirkungen mit einbeziehen.

Durch die Energieeffizienz beim Bauen ist der Heizenergiebedarf in den letzten Jahren drastisch gesunken. Nun ist es an der Zeit, auch die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen des Bauens und Wohnens stark zu verringern. Je früher ökologische und gesundheitliche Aspekte einbezogen werden, desto mehr können diese auch umgesetzt werden.
So entscheidet alleine der Wandaufbau über zirka 30 Prozent des Gesamtbedarfs an der sogenannten „grauen Energie“, Unter der „grauen Energie“ versteht man die Energie und die Schadstoffe, welche bei der Produktion, beim Transport und bei der späteren Entsorgung von Baustoffen entstehen bzw. abgegeben werden.
Während der Heizenergiebedarf stark gesunken ist, hat sich bei der „grauen Energie“ von Baumaterialien sehr wenig getan. Anfang 2000 wurde für die Baustoffe so viel „graue Energie“ benötigt, wie man in maximal 20 Jahren für die Heizung gebraucht hat. Heute kann man ein modernes Passivhaus mit dieser „grauen Energie“ bis zu 200 Jahre lang beheizen.
Wer es beim Gesamtbedarf an „grauer Energie“ aber ganz genau nimmt, der muss bereits bei der Entscheidung, ob man lieber ein Haus renoviert oder ein neues baut, ansetzen. Da bei Altbauten bereits sehr viel Energie in der Gebäudesubstanz steckt, ist es nahe liegend, dass die Sanierung eines alten Gebäudes aus ökologischer und energetischer Sicht Vorrang vor der Errichtung eines neuen hat. Die Gebäudesubstanz alter Häuser ist großteils schon ökologisch abgeschrieben, Materialaufwand und Energieverbrauch für das Modernisieren sind im Verhältnis zum Neubau meist geringer.
Wer sich dennoch für einen Neubau entscheidet, der sollte auf ökologische Baustoffe wie Holz, Stroh oder Lehm zurückgreifen. Holz ist ein ökologischer Baustoff, der in den Kreislauf der Natur eingebunden ist und neben Stein, Lehm und Pflanzenfasern einer der ältesten Baustoffe überhaupt ist.

Holzbau erfreut sich großer Beliebtheit

Heute erfreut sich der Holzbau in all seiner Vielfalt wachsender Beliebtheit, denn Holz ist ein moderner Baustoff geworden, der vor allem bei Niedrigenergie- und Passivhäusern im Trend liegt. Der Baustoff Holz gilt in Österreich als Roh- und Baustoff der Zukunft. Pro Sekunde wächst in Österreichs Wäldern ein Kubikmeter Holz. Täglich könnten damit mehr als 2.000 Holzhäuser gebaut werden. Durch die regionale Verwendung des Materials gibt es kurze Wege und eine Vorfertigung in Holz verarbeitenden Betrieben. Für Ernte, Verarbeitung und Transport des nachwachsenden Rohstoffs sind der Energieaufwand und die Umweltbelastung im Vergleich zu vielen anderen Baustoffen deutlich geringer.
x  |  NOEN, IBA Hamburg GmbH / Bernadette Grimmenstein


Als Vorzeigeprojekt gilt dabei der Woodcube der im Rahmen der Hamburger Bauausstellung präsentiert und von einem Österreicher mitentwickelt wurde. In der Fachwelt wird der Woodcube im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit als vorbildhaftes Projekt betrachtet, bei dem die Reduktion der „grauen Energie“ und der Verzicht auf schadstoffhaltige Baustoffe nach den heute vorhandenen Möglichkeiten maximal ausgenutzt werden. Ziel der Bemühungen der Hersteller ist es, bereits während der Bauphase jegliche Umweltwirkungen zu verringern. Hierzu wird ein Bausystem eingesetzt, welches den Baustoff Holz durch rein mechanische Verbindungen, ohne den Einsatz von Klebstoffen, verwendet. Da in allen Herstellungsschritten stets hinterfragt wurde, ob die Baustoffe und Verarbeitungsmöglichkeiten  baubiologisch  einwandfrei sind und keine Gefährdung für Mensch und Natur darstellen, wird der Woodcube auch als Bio-Building bezeichnet.
Neben Holz überzeugt auch Stroh mit sehr guten ökologischen Eigenschaften. Ebenso wie Holz ist Stroh ein regionaler und sehr schnell nachwachsender Rohstoff. Für die Herstellung der Ballen ist der Energieaufwand sehr gering, im Vergleich der Herstellung von Mineralwolle oder Polystryol etwa hundertmal weniger. Am Ende ihrer Lebenszeit sind Strohballen vollständig abbaubar, dies ist möglich, da sie ohne chemische Zusätze verbaut werden.
Als typische Kombination im Strohballenbau gilt Holz-, Lehm- oder Kalkputz, der insbesondere durch die feuchteregulierende Wirkung des Lehms für ein gesundes und angenehmes Raumklima sorgt. Zusätzlich ist die Wärmedämmeigenschaft der Strohballen bei einer Wandstärke von 40 bis 50 Zentimetern so gut, dass damit auch Passivhausstandard erreicht werden kann.

Lehm ist seit Tausenden Jahren ein Baustoff

Lehm wird von Menschen seit Jahrtausenden als Baustoff verwendet. Mit geringem Energieeinsatz und ohne chemische Umwandlungsprozesse wird aus dem Rohstoff auch heute noch ein hochwertiger Baustoff. Trotzdem geriet Lehm als Baumaterial immer mehr in Vergessenheit. Durch das plastische und flexible Baumaterial werden in der modernen Architektur durch die grenzenlose Gestaltungsmöglichkeit neue Perspektiven eröffnet. Kombiniert mit Lehm erfüllt der Baustoff alle Ansprüche des modernen Bauens in Bezug auf Verarbeitung, Baustoffeigenschaften und Kosten. Darüber hinaus wird bei der Verarbeitung und beim Transport nur wenig Energie verbraucht.

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