Erstellt am 24. November 2011, 13:42

Berlakovich erteilt Schiefergasförderung Absage. Umweltminister Niki Berlakovich erteilt einer Schiefergas-Förderung in Österreich eine Absage. "Das Gas soll im Gestein bleiben", sagte der Ressortchef nach Kritik von Umweltschutzorganisationen. Erfahrungen aus den USA würden zeigen, dass die Umweltauswirkungen schlecht sein könnten, erklärte Berlakovich zu den Berichten über große Schiefergas-Funde der OMV im Weinviertel.

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Ein Tiefbohr-Professor von der Montanuniversität Leoben erklärte indes, es würden Methoden ohne Gefahr für Mensch und Umwelt entwickelt.

Eine Studie zeige "großes Potenzial" nahe Poysdorf, hatte am Mittwoch OMV-Sprecher Sven Pusswald zu Bloomberg gesagt. Poysdorf liegt etwa 70 Kilometer nordöstlich von Wien. Eine Probebohrung sei für Ende 2012 geplant. Die Produktion müsse "technisch und wirtschaftlich machbar sein", damit OMV mit der Gasförderung beginne, ergänzte Pusswald. Es hieß, die Reserven könnten möglicherweise den Inlandsbedarf für bis zu 30 Jahre decken. Allerdings liegt das Gas in 4.000 bis 6.000 Metern Tiefe.

Umgehend warnten Greenpeace und Global 2000 vor einer enormen Umwelt- und Gesundheitsgefahr und forderten ein gesetzliches Verbot von Schiefergasbohrungen in Österreich. Global 2000 bezeichnete Schiefergas als "dreckige, fossile Energieressource", die mindestens so klimaschädlich sei wie Erdöl. Damit laufen die Umweltschützer aber bei der OMV offene Türen ein: Der Öl- und Gaskonzern hatte bereits selbst ausgeschlossen, mit den derzeit verfügbaren umweltschädlichen Fördertechniken in Österreich nach Schiefergas zu bohren.

Um weniger schädliche Förderverfahren zu finden, will die OMV wie berichtet als Pilotprojekt zwei Bohrungen in Poysdorf durchführen. Greenpeace geht auch das zu weit, die Organisation will die Gewinnung von Schiefergas grundsätzlich verbieten lassen und verwies auf Frankreich, wo die Förderung ebenfalls verboten sei.

"Schiefergas" (Shale Gas) ist in hohen Tiefen in Schiefergestein-Formationen "zäh verhaftet", erläuterte der 42-jährige Montanuni-Professor Gerhard Thonhauser dem "Kurier" (Donnerstag). Es gelte nun, das Gas in Bewegung zu versetzen, damit es nach oben gefördert werden könne - durch Fracking, eine Methode, die bisher wegen des Einsatzes bedenklicher Chemikalien höchst umstritten war. Darüber berichtete am Mittwochabend auch das ORF-Fernsehen.

"Wir wollen bei der Förderung des Shale Gases einen neuen, einen europäisch/österreichischen Weg gehen. Wir werden eine Methode entwickeln, die jede Gefahr für Mensch und Umwelt ausschließt", sagte der Tiefbohrexperte der Montanuni weiter im "Kurier". Er gehe "davon aus, dass wir bis 2013 eine Clean Fracking Methode entwickeln können, die für jedermann verständlich und für alle Beteiligten ungefährlich ist".