Erstellt am 22. März 2013, 12:08

Blütenwunder auf der Fensterbank. Orchideenliebhaber zeichnen sich durch kein bestimmtes Profil aus. Sie sind nicht begabter als andere Pflanzenfreunde, sie sind nicht reicher und sie sind auch keine „Botanikgenies“.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA  |  NOEN, Michael Zechany
Aber sie haben eines gemeinsam: Sie lieben die filigrane Schönheit der Natur. Kaum eine Blume hat mehr Gesichter als die Orchidee. Während die Fruchtschote der Vanilla planifolia Desserts mit einem Hauch von Vanille verfeinert, gilt die Wurzelknolle (Salep) der Orchis morio als potenzförderndes Heilmittel. So mannigfaltig die Orchidee in der Art ihrer Verwendung ist, so reich ist sie auch an Formen und Farben. Botaniker sprechen von rund 30.000 Naturformen, die weltweit blühen.

Die Geschichte der Blume reicht bis zum chinesischen Philosophen Konfuzius zurück. Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert tauchte die Orchidee auch im europäischen Raum auf. Vor ihrer Verbreitung war sie nur Blaublütigen vorbehalten. Kaiser Maximilian von Mexiko, jüngster Bruder von Kaiser Franz Josef, rüstete ein Kriegsschiff um und schickte es auf Forschungsreise. Dessen Mission: Das Naturalienkabinett sollte mit exotischen Dschungel-Schätzen angereichert werden. Die Fregatte „Novara“ segelte mit einem Team von Wissenschaftern in die Welt hinaus, nahm Orchideen an Bord und brachte sie zurück nach Österreich, wo sie im botanischen Garten weitergediehen.

„Liebe entsteht, wenn Blume erblüht“
Den Ruf als Prestigeobjekt hat die Orchidee nicht zuletzt wegen ihrer Lebensweise: Um zu überleben, gab sie ihren „irdischen Zustand“ auf und lebte fortan als Epiphyt auf anderen Pflanzen. Kein Wunder also, dass Orchideen oft über alle anderen Pflanzen gestellt werden.
Dank der Meristemvermehrung – hier werden Blumen in Reagenzgläsern auf einer Nährbodenlösung aufgezogen – können Hobbyzüchter die Pflanzen auch um ein kleines Budget erstehen. Die Kultivierung einer Orchidee verlangt zwar Feingefühl, ihre Aufzucht liegt aber – mit ein bisschen Hintergrundwissen – zweifellos im Bereich des Machbaren. Das Geheimnis der Orchideenliebhaber erklärt der Meisterflorist des Chorherrenstifts Klosterneuburg, Josef Bauer, so: „Wenn man einmal eine Orchidee wieder zur Blüte gebracht hat – dann entsteht die Liebe zu der Blume.“

Am Anfang war die Phalaenopsis per bloem
Klein anfangen lohnt sich: Die Einsteiger-Orchidee heißt Phalaenopsis per bloem, blüht monatelang und ist nicht besonders anspruchsvoll. Lediglich ein paar Grundregeln gilt es zu beachten: Orchideen bevorzugen mitteltemperierte Räume (zwischen 15 und 20 Grad). Am besten befeuchtet man ihre Wurzeln mit warmem, weichen Regenwasser. Achtung: Wasser abrinnen lassen. Orchideen hassen nichts so sehr wie nasse Füße! Faustregel: Einmal pro Woche gießen. Und für Luftfeuchtigkeit sorgen. Die Pflanzen brauchen keine Erde, sondern ein Substrat aus Rindenstücken, Kork und Moosen. Dieses alle zwei Jahre wechseln oder auffüllen.

„Orchideen sind die Engel der Blumen“
Wenn die Orchidee ihre Blüten verliert – nicht den Kopf hängen lassen. Der Gärtnermeister verrät: „Orchideen durchleben Ruhe- und Wachstumsphasen. Diese sind bei der Pflege zu berücksichtigen.“ Wer diese Kunst beherrscht, darf sich auch an Exoten wagen.
Cattleya, Frauenschuh oder Einsteigervariante – eines haben die Orchideen für Bauer gemeinsam: „Sie haben ein engelhaftes Wesen, sind schön und angenehm. Wenn die Rose die Königin der Blumen ist, dann ist die Orchidee der Engel der Blumen.“

Organisierte heuer zum neunten Mal die Internationale Orchideenausstellung: Josef Bauer senior.
x  |  NOEN


Lesen Sie mehr im NÖN Sonderprodukt Schöner Garten