Erstellt am 16. Februar 2012, 09:07

Caritas und EVN starten Projekt "Armutsbekämpfung". Um die Energiekosten für armutsgefährdete Menschen spürbar zu verringern, haben Caritas und EVN ein „Train the Trainer-Prinzip“ erarbeitet. Danach werden SozialberaterInnen der Caritas von EVN EnergieberaterInnen mit dem Know-how und technischen Hilfsmitteln ausgestattet, um direkt im Haushalt ein Beratungsgespräch zum Thema Energiesparen durchzuführen.

Dipl.-Ing. Werner Perz (EVN), Mag. Stefan Szyszkowitz (Vorstandsdirektor EVN), Mag. Friedrich Schuhböck (Direktor Caritas St.Pölten)  |  NOEN, EVN
Durch diese Vorgangsweise soll eine besonders große Breitenwirkung bei der Energieeinsparberatung von armutsgefährdeten Haushalten erzielt werden. Durch die Energiesparberatung wird „Hilfe zur Selbsthilfe“ geleistet.
 
EVN Vorstandsdirektor Mag. Stefan Szyszkowitz ist überzeugt, dass armutsgefährdeten Haushalten auf diesem Weg geholfen werden kann, finanzielle Einsparungen zu erzielen: „Anhand bereits gemachter Erfahrungen kann ein Haushalt zwischen € 50 und € 200 pro Jahr sparen – im Einzelfall noch mehr. Bei einkommensschwachen Haushalten ist es besonders wichtig, die monatlichen Fixkosten zu reduzieren.“
 
Gerade armutsgefährdete Menschen wohnen oft in schlecht isolierten Wohnungen und haben gleichzeitig ältere Haushaltsgeräte und Heizsysteme, die mehr Energie verbrauchen als zeitgemäße. „Das ist aber nicht das einzige Problem“, erklärt Mag. Friedrich Schuhböck, Direktor der Caritas St. Pölten:
„Häufig bestehen in diesen Haushalten Informationsdefizite in Hinblick auf Zusammenhänge zwischen Verbrauchsverhalten und Energieverbrauch. Im Verständnis dafür liegt das Einsparungspotential. Ein weiteres Problem ist, dass betroffene Menschen meistens nicht über die notwendigen finanziellen Mittel für die erforderlichen Investitionen verfügen“
 
Die Umsetzung des Projekts besteht aus mehreren Stufen:

 
Stufe 1: Die Erstellung der Beratungswerkzeuge und Auswahl der technischen Hilfsmittel.
Es wurde ein Leitfaden für die Beratung vor Ort entwickelt, der als Checkliste für die Beratung dient. Außerdem werden den SozialberaterInnen Energiemessgeräte von der EVN zur Verfügung gestellt, um vorhandenen „Energiefressern“ in den Wohnungen und Häusern auf die Spur zu kommen. Zusätzlich wird die EVN die SozialberaterInnen mit technischen Hilfsmitteln wie z.B. Durchflussbegrenzer für die Reduktion des Warmwasserverbrauchs ausrüsten. Damit können meist hohe Einsparungen erzielt werden.
 
Stufe 2: Expertenberatungen vor Ort
In einer Testphase werden die Beratungswerkzeuge und technischen Hilfsmittel einem Praxistest unterzogen und eventuell noch Verbesserungen bzw. Anpassungen vorgenommen.
 
Stufe 3: Basis - Training für die Sozialberater
Für die Güte der Energieeinsparberatung ist die Ausbildung besonders wichtig. Dazu findet für die Sozialberater ein eintägiger Grundkurs mit EVN EnergieexpertInnen statt.
 
Stufe 4: Gemeinsame Beratung vor Ort
Nächster Schritt ist dann für jeden SozialberaterInnen eine gemeinsame Beratung mit einem EVN EnergieberaterInnen vor Ort. Dabei wird das theoretisch Erlernte unter fachkundiger Begleitung in der Praxis umgesetzt.
 
Stufe 5: Feedback-Schleife und Festigung des Wissens
Bei weiteren gemeinsamen Ausbildungseinheiten (halber Tag) haben die SozialberaterInnen die Möglichkeit, die gemachten Erfahrungen auszutauschen und mit EnergieexpertInnen zu erörtern. Gelerntes Wissen wird dabei vertieft und für mögliche Probleme ein Lösungsweg vorgeschlagen.
 
Stufe 6: Energieeinsparberatungen der Sozialberater vor Ort
Für eventuelle Fragestellungen steht den SozialberaterInnen EVN EnergieberaterInnen zur Verfügung.
 
Die ersten drei Stufen wurden bereits erfolgreich umgesetzt. Noch im Februar beginnt die gemeinsame Beratung vor Ort.