Erstellt am 15. Dezember 2011, 14:24

EVN hält Strom- und Gaspreise stabil. Der börsenotierte niederösterreichische Versorger EVN hält die Strom- und Gaspreise vorerst stabil: In nächster Zeit sehe man keine Veränderungen, sagte EVN-Vorstandssprecher Peter Layr am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz.

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Zum Thema Atomstrom-Importverbot sagte er, dass ein solches von NGO-Seite zwar nachvollziehbar sei, angesichts eines größeren Strommarktes aber wahrscheinlich nicht der beste Weg. Man sollte vielmehr auf den Ausbau der Erneuerbaren Energie, Zertifikate und ein langfristiges Ökostromgesetz setzen. Abwartend zeigt sich die EVN bei der Einführung der "intelligenten" Zähler (Smart Meter).

Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energie könne Österreich wieder zu einem Strom-Exportland werden, dafür brauche man ein langfristiges Ökostromgesetz bis mindestens 2020 unter derzeitigen Bedingungen. Wichtig sei auch ein Herkunftsnachweissystem, das Lenkungseffekte bringen könnte.

Mit dem derzeitigen Ausbauprogramm der österreichischen Energiewirtschaft, das bis 2018/20 Investitionen von 8 Mrd. Euro in Erneuerbare Energien vorsieht, könnte Österreich 2015 wieder Strom-Nettoexporteur werden. Die EVN will ihren Erneuerbaren-Anteil an ihrer Eigenerzeugung von derzeit 35 Prozent bis 2020 auf 50 Prozent erhöhen. Die Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie soll verdreifacht werden. Investieren will die EVN in den Erneuerbaren-Ausbau in den nächsten Jahren rund 800 Mio. Euro. Im laufenden Geschäftsjahr will sie ihre Investitionen in etwa stabil bei 400 Mio. Euro (2010/11: rund 416 Mio. Euro) halten, der klare Schwerpunkt liege dabei auf Österreich, so Layr. Rund 160 bis 180 Mio. Euro davon sind für Netz-Infrastruktur vorgesehen. Allein im Zusammenhang mit dem Ausbau der Windkraft will die EVN in den nächsten Jahren rund 300 Mio. Euro in die Netze stecken. Engagieren will sich die EVN auch bei Pumpspeichern, die auch bei bestehenden Staubecken möglich seien.

Bei der Einführung von Smart Meter steht die EVN nach wie vor eher auf der Bremse: Es gebe noch ein Riesenproblem zu lösen, "das ist der Datenschutz unserer Stromkunden". Man könne mit Smart Meter über Lebensgewohnheiten der Kunden verfügen, etwa, ob einmal oder zweimal geduscht werde. Die Branche sehe sich als Schützer der Kundendaten, eine Klärung mit der Datenschutzkommission sei für die Einführung erforderlich. Die Regulatoren würden auf Datenschutzprobleme außer Acht lassen.

Bei ihren Kraftwerken hat die EVN im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 Wertberichtigungen durchführt, wobei Gaskraftwerke ab- und Wasserkraft aufgewertet wurde. Eine Abschreibung von 23 Mio. Euro gab es beim albanischen Projekt Ashta, bei dem auch der Joint-Venture-Partner Verbund bereits eine Abwertung um 35 Mio. Euro bekanntgegeben hat. In Österreich hat EVN die Gaskraftwerke Theiss und Korneuburg um zusammen 38 Mio. Euro abgewertet. Gründe dafür seien höhere Gaspreise sowie das Aus für CO2-Gratiszertifikate ab 2013, sagte EVN-Vorstand Stefan Szyszkowitz. Um 31 Mio. Euro aufgewertet wurden dagegen die Bezugsrechte aus dem Donaukraftwerk Wien-Freudenau.

Dazu kamen noch Abschreibungen von 17,7 Mio. Euro in Bulgarien für den Kraftwerkstandort Plovidv/TEZ Plovdiv. In Summe werden die Belastungen aus diesen Maßnahmen mit 52,2 Mio. Euro angegeben. Die gesamten Abschreibungen der EVN stiegen im Geschäftsjahr 2010/11 um rund 10 Prozent auf 253 Mio. Euro.

Beim Kohlekraftwerk im deutschen Walsum bei Duisburg, bei dem es Probleme mit Stahlmaterialien gibt und das die EVN gemeinsam mit der deutschen Steg betreibt, rechnet Layr mit einem Produktionsstart Anfang 2013. Die Probleme habe es auch bei anderen Kraftwerksbauten gegeben, derzeit laufe die Austauschsanierung.

Zum deutschen EVN-Großaktionär EnBW, der mit 32,5 Prozent nach dem Land Niederösterreich der zweitgrößte Anteilseigner ist, meinte Layr, dass die Neuordnung noch nicht abgeschlossen sei. Der scheidende EnBW-Konzern-Chef Peter Villis hat wie berichtet Verkaufsabsichten kundgetan. Bisher habe man noch keine anderen Signale. Villis ist auch Aufsichtsratsmitglied bei der EVN, er war bei der Hauptversammlung im Jänner dieses Jahres für fünf Jahre bestellt worden.