Erstellt am 26. Mai 2011, 09:34

EVN im Halbjahr operativ besser, Nettogewinn sackte aber ab. Höhere Abschreibungen als im Vorjahr haben das operative Ergebnis (EBIT) des niederösterreichischen Versorgers EVN im ersten Geschäftshalbjahr 2010/11 kaum ansteigen lassen.

 |  NOEN, zVg
Unterm Strich ging das Nettoergebnis sogar um 11,7 Prozent auf 184,0 Mio. Euro zurück, stärker als von Analysten erwartet. Operativ legte man beim EBITDA (vor Abschreibungen) um 3,6 Prozent auf 324,1 Mio. Euro zu, beim EBIT um 1,4 Prozent auf 197,2 Mio. Euro, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Im Gesamtjahr 2010/11 (per 30. September) erwarte man das operative Ergebnis auf Vorjahresniveau, das Konzernergebnis darunter.

Für das starke Absinken des Konzernergebnisses im Halbjahr war vor allem ein Rückgang des Finanzergebnisses um 30,9 Prozent von 71,7 Mio. auf 49,6 Mio. Euro verantwortlich - wegen geringerer Ergebnisse von Beteiligungen (außer der RAG) - vorwiegend der gesunkenen Verbund-Dividende - sowie erhöhten Zinsaufwendungen.

Der Aufwand für Fremdstrom und Energieträger verringerte sich im Berichtszeitraum aufgrund der gesunkenen Strombeschaffungskosten in Österreich und einer geänderten Darstellung dieser Aufwandsposition in Bulgarien - und dies trotz gestiegener Absatzmengen bei Strom, Gas und Wärme sowie gestiegenen Beschaffungskosten im Gasbereich und in Südosteuropa. Ein gesunkener Personalaufwand und geringere Forderungsabschreibungen führten zum 3,6 Prozent höheren EBITDA, das etwas stärker wuchs als von Analysten prognostiziert.

Das Umsatzwachstum im Halbjahr blieb mit 0,3 Prozent auf 1,630 Mrd. Euro ebenfalls leicht unter den Analysten-Erwartungen zurück.

Die gesamte Stromerzeugung der EVN im 1. Halbjahr 2010/11 (per 31. März) ging stark um 18,0 Prozent auf 2.085 GWh zurück. Der Stromverkauf an Endkunden stieg leicht um 1,9 Prozent auf 11.291 GWh, der Gasverkauf an Endkunden wuchs um 2,9 Prozent auf 5.552 GWh. Wärme wurde mit 1.371 GWh um 7,1 Prozent mehr verkauft, geht aus dem Aktionärsbrief von Donnerstag hervor.

Die Stromproduktion in Wärmekraftwerken fuhr die EVN im Halbjahr massiv um 24,6 Prozent auf 1.474 GWh herunter, während die Erzeugung aus Erneuerbarer Energie um 4,3 Prozent auf 610 GWh anstieg. Zurückgefahren wurde die thermische Produktion vor allem im 2. Geschäftsquartal, denn zum Jahresauftakt hatte der Rückgang erst 3,0 Prozent betragen.

Im Geschäfts-Segment "Erzeugung" wird das Produktionsminus mit 20,6 Prozent (auf 1.875 GWh) genannt, davon minus 25,7 Prozent auf 1.361 GWh in Wärmekraftwerken und minus 2,6 Prozent auf 514 GWh bei Renewables. Das Segment-EBIT sank auf 5,5 (22,4) Mio. Euro, das Vorsteuerergebnis auf 2,3 (21,1) Mio. Euro.

Der Netzabsatz erhöhte sich bei Strom leicht um 1,9 Prozent auf 11.629 GWh, bei Gas sank er deutlich um 11,5 Prozent auf 11.891 GWh. Bei dem insgesamt um 1,9 Prozent auf 11.291 GWh angewachsenen Stromverkauf an Endkunden wurde in Südosteuropa ein kleines Plus von 0,7 auf 7.426 GWh erzielt, in Zentral- und Westeuropa aber ein deutlicherer Anstieg von 4,4 Prozent auf 3.865 GWh.

Im Segment "Netzinfrastruktur Inland" stieg das EBIT auf 103,8 (91,5) Mio. Euro und das Vorsteuerergebnis auf 98,9 (85,2) Mio. Euro. In "Energiehandel und -vertrieb" wurde etwas mehr verdient mit 78,0 (73,6) Mio. Euro EBIT und 86,7 (81,6) Mio. Euro Vorsteuerergebnis.

Im Segment "Energieversorgung Südosteuropa" sank der Umsatz um 7,9 Prozent auf 457,6 Mio. Euro. Da in Mazedonien die Mengenrückgänge durch Preiserhöhungen per Anfang März d.J. mehr als kompensiert worden seien, resultierte der Rückgang laut EVN zur Gänze aus einer geänderten Darstellung der Tarifkomponenten im Hochspannungsnetz in Bulgarien; diese Änderung kürzt sowohl die Umsätze als auch die Beschaffungskosten. Das EBIT des Segments drehte von positiven 10,3 Mio. auf -2,6 Mio. Euro ins Minus, das Vorsteuerverlust vergrößerte sich auf 10,8 (1,0) Mio. Euro.

Im Segment "Umwelt" mit 171,8 Mio. Euro Gesamtumsatz (+65 Prozent) verbesserte sich das EBIT auf 19,6 (-0,5) Mio. Euro und das Vorsteuerergebnis auf 25,1 (10,5) Mio. Euro.

Die planmäßigen Abschreibungen der EVN stiegen im Halbjahr um 1,3 Prozent auf 109,3 Mio. Euro, samt außerordentlichen kletterten sie um 7,1 Prozent auf 127,0 Mio. Euro. Außertourliche Abwertungen waren in Bulgarien nötig im Wärme-, Gaskraftwerk- und Windpark-Bereich.

Das Eigenkapital per 31.3. wird mit 3,540 Mrd. Euro ausgewiesen, um 13,8 Prozent mehr als zu Ende des 1. Halbjahres 2009/10. Da die Bilanzsumme aber um 7,6 Prozent auf 7,357 Mrd. Euro wuchs, verbesserte sich die Eigenkapitalquote lediglich um 2,6 Punkte auf 48,1 (45,5) Prozent. Die Nettoverschuldung ging um 11,4 Prozent auf 1,342 Mrd. Euro zurück; das Net Gearing verbesserte sich weiter auf 37,9 (48,7) Prozent. Investiert wurden in den sechs Monaten 144,7 Mio. Euro, um 15,7 Prozent weniger. Der Cash Flow aus dem Ergebnis verbesserte sich um 1,9 Prozent auf 294,5 Mio. Euro.

Der durchschnittliche EVN-Mitarbeiterstand lag im 1. Halbjahr mit 8.319 um 3,5 Prozent tiefer; dabei ging er im Ausland um 4,9 Prozent auf 5.772 zurück, in Österreich sank er um 0,2 Prozent auf 2.547.

Die EVN-Aktie lag eine Viertelstunde nach Börseeröffnung mit 12,85 um 0,23 Prozent tiefer, der ATX gewann bis dahin 0,86 Prozent hinzu.