Erstellt am 26. Mai 2011, 14:13

EVN-Konflikt in Mazedonien gelöst, aber Abschreibungen in Bulgarien. Licht und Schatten für die EVN in Südosteuropa: Während die Probleme in Mazedonien erst kürzlich mit einem gerichtlichen Vergleich beigelegt werden konnten, musste die EVN in Bulgarien im 1. Halbjahr 2010/11 im Wärme- und Gaskraftwerk-Bereich Sonder-Abschreibungen vornehmen.

 |  NOEN, zVg
Licht und Schatten für den niederösterreichischen Energieversorger EVN in Südosteuropa: Während die Probleme in Mazedonien erst kürzlich mit einem gerichtlichen Vergleich beigelegt werden konnten, musste die EVN in Bulgarien im 1. Halbjahr 2010/11 im Wärme- und Gaskraftwerk-Bereich Sonder-Abschreibungen vornehmen, nachdem dies im Vorjahr bei einem Windpark nötig gewesen war. Dafür machte Vorstandssprecher Peter Layr am Donnerstag Verzögerungen der Strom-Liberalisierung und regulatorische Regelungen verantwortlich.

   So hat die EVN das geplante 400-MW-Gaskraftwerk Plovdiv aufgrund der verschleppten Marktöffnung vorerst von der Projektliste gestrichen, "Auf die nächsten fünf, sieben oder zehn Jahre ist das nicht mehr absehbar", so Layr im Halbjahrespressegespräch in Wien. Deshalb musste nun das Grundstück am Standort in Höhe von 6,6 Mio. Euro abgewertet werden, sagte Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz.

   Im Wärmebereich wurden in Bulgarien - infolge der "fortgesetzten nachteiligen Regelungen durch den Regulator" - beim Fernwärmestandort TEZ Plovdiv der Firmenwert um 9,2 Mio. Euro sowie Sachanlagen in Höhe von 1,9 Mio. Euro außertourlich abgeschrieben, in Summe somit 11,1 Mio. Euro. Im Herbst soll dort eine Cogeneration-Anlage mit 50 MW Leistung Wärme und gut nochmals so viel elektrisch in Betrieb gehen.

   Die heuer höheren Abschreibungen haben dafür gesorgt, dass bei der EVN das operative Ergebnis (EBIT) im Zeitraum Oktober bis März kaum angestiegen ist. Die planmäßigen Abschreibungen der EVN wuchen im Halbjahr um 1,3 Prozent auf 109,3 Mio. Euro, samt außerordentlichen kletterten sie um 7,1 Prozent auf 127,0 Mio. Euro.

   Erfreut zeigte sich der EVN-Vorstand am Donnerstag dagegen über den Ende März in Mazedonien erzielten Vergleich, mit dem ein lange schwelender und auch vor Gericht ausgetragener Konflikt mit staatlichen Stellen beigelegt werden konnte. Der staatliche Energieversorger ELEM hatte von der EVN Geld gefordert - für angeblich unbezahlte Rechnungen des früheren Versorgers ESM, den die Niederösterreicher 2006 erworben hatten. Aus alten Stromrechnungen erhält die ELEM 3 Mio. Euro, sieht der Vergleich vor, zudem muss die EVN Forderungen von 19,5 Mio. Euro an ELEM abtreten. Die restlichen noch nicht eingehobenen Forderungen von rund 70 Mio. Euro werden 50:50 geteilt, wobei unbekannt ist, wie viel davon einzutreiben ist.

   In Mazedonien gebe es nun ein wirklich EU-konformes Energiegesetz - das im Februar vom Parlament verabschiedet wurde -, damit sei ein weiteres Problem gelöst, so Vorstandssprecher Layr. Außerdem wurden in Mazedonien heuer mit 1. März die Endkundenpreise für Strom um 5,5 Prozent erhöht, wovon 89,6 Prozent auf die EVN Macedonia entfallen.

   Mit weiteren Investments in Bulgarien hält sich die EVN zurück. Sollte der Staat wie angekündigt seine Drittel-Anteile an den vor Ort tätigen Versorgern EVN sowie auch CEZ und E.ON Bulgaria verkaufen wollen - angedacht ist eine Veräußerung über die Börse - will man sich über den jetzigen Zwei-Drittel-Anteil hinaus nicht weiter engagieren, wurde am Donnerstag zu verstehen gegeben. Mit der bestehenden Kundenbasis glaube man das Auslangen finden zu können, man werde nicht weiter in Netz- bzw. Verteil-Gesellschaften investieren, so EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz.