Erstellt am 21. Dezember 2011, 12:46

EVN stockte in Bulgarien um 45 Mio. Euro auf. Der börsenotierte niederösterreichische Energieversorger EVN hat seine Anteile an den zwei bulgarischen Töchtern - EVN Bulgaria Elektrorazpredelenie und EVN Bulgaria Elektrosnabdiavane - von 67 auf 97,75 Prozent bzw. von 67 auf 99,73 Prozent aufgestockt.

 |  NOEN, zVg
Für die beiden Anteile zahlte die EVN an den bulgarischen Staat rund 45 Mio. Euro, teilte EVN-Sprecher Stefan Zach mit und fügte hinzu: "Der heutige Anteilserwerb rundet unsere Tätigkeit in Bulgarien ab." Er sprach vor dem Hintergrund "des weltweiten Marktumfeldes von einem "respektablen Ergebnis".

Die Minderheitsanteile an den zwei EVN-Töchtern erwarb die EVN in einem Privatisierungsverfahren, im Zuge dessen die Aktien mit Wirkung zum 6. Dezember 2011 an der Börse in Sofia zum Handel zugelassen wurden, so die EVN. Zuletzt hatte die bulgarische Privatisierungsagentur angekündigt, den Verkauf dieser Anteile am 21. Dezember vorzunehmen.

2004 privatisierte Bulgarien die drei großen Stromversorger des Landes und verkaufte Zwei-Drittel-Anteile der Gesellschaften an drei ausländische Energieunternehmen. Die EVN bezahlte damals für ihren Anteil 271 Mio. Euro. Weiters kauften sich auch der deutsche Energiekonzern E.ON und der tschechische Stromkonzern CEZ in Bulgarien ein.

Verkauf über Börse-Auktion
Bulgarien hat seine Minderheitsanteile an den zwei bulgarischen EVN-Töchtern am Mittwoch bei einer ersten Versteigerung über die Börse verkauft, erklärte der bulgarische Energieminister Trajtscho Trajkow nach einer Regierungssitzung in Sofia. Der Staat nahm insgesamt 92,97 Mio. Lewa (47,54 Mio. Euro) ein und übertraf damit den Mindestkaufpreis 78 Mio. Lewa deutlich, berichtete die bulgarische Nachrichtenagentur BTA. Den Löwenanteil der angebotenen Aktien erwarb die EVN in der Auktion um 45 Mio. Euro.

Von den angebotenen 62.106 Aktien des Netzbetreibers EVN Bulgaria Elektrosnabdiavane kaufte die EVN 61.600 Stück oder einen Anteil von 32,73 Prozent. Bulgarien blieb heute auf 333 Aktien sitzen. Beim für den Vertrieb zuständigen Stromversorger EVN Bulgaria Elektrorazpredelenie gingen von den 51.612 Aktien 48.100 an die EVN, 590 Aktien blieben noch beim Staat. Die übrig gebliebenen Aktien, die weniger als 1 Prozent der Anteile an den zwei EVN-Unternehmen ausmachen, sollen demnächst über die Börse wieder angeboten werden.

Die bulgarische Stromverteilgesellschaft der EVN betreibt in Bulgarien Stromnetze mit einer Länge von insgesamt rund 56.000 Kilometern. Zum Vergleich: In Österreich hat die EVN knapp 52.000 Kilometer. 2010 verteilte die bulgarische EVN-Tochter über ihre Leitungen 7.988 Gigawattstunden (GWh), um 1,4 Prozent mehr als 2009. Sie fuhr damit einen Nettogewinn von 39,9 Mio. Lewa (20,4 Mio. Euro) ein, der Umsatz lag bei 323,2 Mio. Lewa.

Die bulgarische Stromversorger-Tochter der EVN verkaufte im Vorjahr 7.866 GWh Strom an ihre Kunden, um 1,2 Prozent mehr als 2009. Das Nettoergebnis lag im Vorjahr bei 8,1 Mio. Lewa, der Umsatz 638,6 Mio. Lewa.

Der Markteintritt der EVN in Bulgarien erfolgte 2005, heute versorgt das Unternehmen 1,7 Millionen Kunden mit Strom und 33.600 Kunden mit Wärme. Per 1. Juli 2011 erhöhte der bulgarische Regulator die Strompreise für Endkunden um 1,9 Prozent. Im gleichen Monat stockte der niederösterreichische Versorger seinen Anteil am Wasserkraftwerksprojekt "Gorna Arda" von 30 auf 70 Prozent auf. Der Erwerb von 70 Prozent an der Hydro Power Company Gorna Arda AD im Juli 2011 kostete die EVN knapp 18 Mio. Euro.

Das Projekt soll gemeinsam mit der staatlichen bulgarischen Stromgesellschaft NEK gebaut werden. Darüber hinaus wurde die größte Photovoltaik-Park eröffnet, in den die EVN 5 Mio. Euro investierte. Dort sollen jährlich 2,4 Mio. kWh Strom erzeugt werden. Im September nahm die EVN das Kombikraftwerk in Plovdiv nach einer einjährigen Bauzeit in Betrieb. In die Anlage mit einer Stromleistung von 50 Megawatt (MW) und einer Wärmeleistung von 54 MW investierte die EVN 100 Mio. Lewa.