Erstellt am 23. Mai 2013, 14:08

Gemeinsam statt einsam - wohnen, helfen, leben. In Niederösterreich gibt es viele Wohnprojekte, die es vorzeigen: Wenn mehrere Generationen unter einem Dach wohnen, dann hat das viele Vorteile – und zwar für Alt und Jung.

Mehr als 9.500 Quadratmeter stehen den Bewohnern der Co-Housing-Siedlung in Gänserndorf zur Verfügung  |  NOEN, Wolfgang Stich
Gegenseitige Unterstützung, generationenübergreifendes Miteinander und ein gemeinsames Mitbestimmen? Diese Wohnprojekte in Niederösterreich zeigen, dass das möglich ist.

  • Co-Housing-Projekt „Lebensraum“:

Wer wissen will, was Co-Housing bedeutet, sollte die Gänge des Wohnprojekts „Lebensraum“ im niederösterreichischen Gänserndorf Süd besuchen. Denn dieses Wohnprojekt ist die erste Co-Housing-Siedlung Österreichs und besteht aus 32 geförderten Genossenschaftswohnungen. Das Wohnprojekt „Lebensraum“ wurde vom Architekten Helmut Deubner initiiert und gemeinsam mit einer Gruppe engagierter Interessenten umgesetzt. „Schon beim Eingang erwarten einen zahlreiche Kinderfahrzeuge, Handwagen und Fahrräder. Die breiten Gänge zu den Wohnungen sind erweiterter Lebensraum. Zum einen übernehmen sie die Funktion des Vorraumes, zum anderen sind sie Spielplatz und Treffpunkt für die Bewohner“, erklärt Deubner das Projekt mit wenigen Worten.

Viel Platz für die Gemeinschaft
Zwischen Schuhen, Kinderwägen und allerhand anderem tummeln sich die Kinder der Siedlung. Ihr Weg führt sie in die Spielecke, zum großen Gemeinschaftsraum oder in eine der Wohnungen. Allerdings nur bei Schlechtwetter – scheint die Sonne, erkunden die Kinder die Umgebung. Die einzelnen Wohnungen sind 55 bis 90 Quadratmeter groß.
Gemeinschaftsräume, wie etwa Küche, Speise- und Veranstaltungssaal, Waschküche und Kinderspielräume erstrecken sich auf einer Fläche von rund 335 Quadratmetern.
Damit die Kinder auch viel Platz zum Spielen und Toben haben, sind auch die Grünflächen rund um das Wohngebäude großzügig angelegt worden – rund 9.550 Quadratmeter gehören zum Projekt.
Das Wohngemeinschaftsprojekt bietet aber nicht nur Familien Platz, denn: „Generationenübergreifendes Wohnen stellt eine wesentliche Prämisse des Co-Housing dar. Gegen den derzeit geltenden Trend wird mit solchen Projekten eine Wohnform geschaffen, in der sich Familien ebenso wohl fühlen, wie Singles oder Kinderlose oder Menschen im dritten Lebensabschnitt“, so Deubner.
Und: Es sei die Intention der Planung eines Co-Housing-Projektes, die Flächen der eigentlichen Wohnräume zugunsten der Gemeinschaftsflächen zu reduzieren.

  • Gemeinschaft B.R.O.T:

In Hernals und Kalksburg sind die Wohnprojekte bereits seit Jahren bewohnt, in Pressbaum und Aspern sind weitere solcher Häuser im Entstehen. Doch was macht diese Wohnprojekte aus? Charakteristisch für diese Wohnhäuser ist die mögliche Begegnung der Generationen. Denn insgesamt wohnen im Haus Kalksburg beispielsweise 66 Erwachsene und 37 Kinder, wobei die Altersspanne von drei bis 87 Jahren reicht. Das gesamte Areal erstreckt sich in Kalksburg über zehn Hektar mit Wald, Wiesen und Gemüsegärten. Alle Wohnungen sind „Unikate“ und wurden in der Planungsphase von den Mitgliedern individuell nach ihren Wohnbedürfnissen geplant. Platz gibt es für alle – die Bewegungsfreiheit für die Kinder ist durch das große Gelände schier unbegrenzt, und die Kontaktmöglichkeiten für die Kinder untereinander sind ebenfalls vielfältig. Der Vorteil für die Eltern: Sie werden dadurch entlastet, dass die Kinder vorwiegend am eigenen Gelände spielen und auch hier überwiegend ihre Spielkameraden finden. Und auch für die ältere Generation hat die Wohngemeinschaft ihre Vorzüge. Sie sind nicht nur regelmäßig in Kontakt mit Jüngeren, sondern können auch auf Hilfe im Alltag zählen. Und: Alleine das Wissen um die Möglichkeit der spontanen Nachbarschaftshilfe ist für die ältere Generation eine große Entlastung.

Infos: www.derlebensraum.com , www.brot-verband.at

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