Erstellt am 16. Februar 2012, 13:39

Kältewelle führte zu doppelt hohem Gasverbrauch. Die Frostperiode in der ersten Februar-Hälfte in Österreich hat den Erdgas-Verbrauch auf die doppelte Menge hochschnellen lassen wie sonst um diese Jahreszeit üblich.

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Allein aus den Vorräten der RAG (Rohöl-Aufsuchungs AG), die gut 70 Prozent der heimischen Speicher betreibt, wurden von 1. bis 14. Februar 490 Mio. Gas an in- und ausländische Verbraucher geliefert - so viel wie sonst in einem ganzen Winter-Monat. In Österreich sei die Kältewelle gut gemeistert worden, resümierte RAG-Generaldirektor Markus Mitteregger am Donnerstag im Gespräch mit der APA, "aber in Deutschland gibt es einen dringenden Nachholbedarf an stärkeren Gaspipelines".

30 Prozent der Kapazitäten könnten nach wie vor nicht voll genutzt werden, weil Leitungskapazitäten beim deutschen Nachbarn fehlen. Das sei für ihn die Lehre aus dieser außergewöhnlichen Kälteperiode, "denn die Speicher selbst sind wirklich leistungsfähig". Anders als in Deutschland werde in Nieder- und Oberösterreich an weiteren Leitungsverbesserungen gearbeitet, "bei uns in Österreich ist alles in die Wege geleitet". Auch Richtung Italien sei die Situation nicht zufriedenstellend, Stichwort die noch fehlende Tauerngasleitung.

Am Höhepunkt der Kältewelle, am 8. Februar, hat die RAG aus allen ihren Speichern pro Stunde rund 1,85 Mio. Kubikmeter Gas "ausgespeichert". Diese Menge entspricht dem Bedarf von 1,2 Mio. Haushalten und ist die höchste jemals erreichte Ausspeicherrate. "Damit war unsere Ausspeicher-Leistung aber erst zu 80 Prozent ausgelastet - wir hätten diese Situation noch 6 bis 8 Wochen bewältigen können", sagte Mitteregger zur APA.

Im Schnitt wurden in den ersten beiden Februar-Wochen von der RAG in den drei großen von ihr betriebenen Speichern Haidach, 7Fields und Puchkirchen im Schnitt 1,7 Mio. m3 pro Stunde entnommen - gut das doppelte der 800.000 m3/Stunde wie an einem normalen Wintertag. Diese 1,7 Mio. m3 entsprechen etwa 20 Gigawattstunden (GWh) thermisch.

Längerfristig denkt die RAG an einen weiteren Ausbau ihrer Speicher. Derzeit wird das Fassungsvermögen der unterirdischen Speicheranlagen bis zum Jahr 2014 von 5 auf 5,7 Mrd. m3 erweitert. Möglicherweise werde man danach weiter ausbauen, sofern sich die Pipeline-Vernetzung verbessert, so der RAG-Chef.

Neben den rund 5 Mrd. m3 Kapazität der RAG verfügt in Österreich auch die OMV über Gasspeicher mit einem Volumen von etwa 2 Mrd. m3. In den vergangenen zehn Jahren hat die RAG rund 1 Mrd. Euro im Öl-und Gasbereich investiert, allein 2010 waren es zirka 200 Mio. Euro. Derzeit beschäftigt die RAG rund 400 Mitarbeiter direkt und weitere 500 indirekt, überwiegend in OÖ und Salzburg.

Die heimischen Erdgasspeicher-Vorräte von 7 Mrd. m3 - die aber nicht nur für den Inlandsmarkt entnommen werden, sondern auch ins Ausland gehen - machen größenordnungsmäßig etwa 85 Prozent des österreichischen Jahresbedarfs von 8,4 Mrd. m3 aus. Mit diesen großen Vorräten liege Österreich im europäischen Mittelfeld, so die RAG.

Die RAG gehört zu 50,025 Prozent der niederösterreichischen EVN AG, mit 29,975 Prozent ist E.ON Ruhrgas beteiligt, je 10 Prozent halten die Salzburg AG und die Steirische Gas-Wärme.