Erstellt am 23. Mai 2013, 14:30

Leistbares Wohnen für Jung und Alt. Die Kosten fürs Wohnen treffen die Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen am schwersten – dazu zählen vor allem Pensionisten und junge Erwachsene. Mögliche Gegenmaßnahmen: den Wohnungsneubau und das Ansparen auf Eigentum forcieren.

Das Thema Wohnen hat nun auch die Politik erreicht und könnte bis zu den Wahlen im Herbst noch häufiger die Medien dominieren. Schließlich sind die Wohnkosten vor allem zwei Bevölkerungsgruppen ein wichtiges Anliegen: den jungen Erwachsenen, die eigenen Wohnraum suchen und möglicherweise bald eine Familie gründen wollen; und den Pensionisten – einer immer größer werdenden Gruppe, wie Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung zeigen. Beide Gruppen müssen einen verhältnismäßig großen Anteil des Einkommens für das Wohnen aufbringen.

Junge Erwachsene, die eine Miet-, Genossenschafts- oder Eigentumswohnung suchen, stehen vor allem vor dem Problem, dass das Angebot an günstigen Objekten stark eingeschränkt ist. „Österreich wächst. In den nächsten fünf Jahren benötigen wir bundesweit jährlich rund 50.000 neue Wohnungen. Das sind 7.000 bis 8.000 mehr als zuletzt“, erklärt Josef Schmidinger vom Arbeitsforum österreichischer Bausparkassen. Eine Möglichkeit, den Wohnungsbedarf mitfinanzieren zu können, wäre eine Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung (siehe Infobox).
Dafür spricht sich auch die überparteiliche Plattform „Umwelt + Bauen“ aus, in der sich Experten wirtschaftspolitischer Institutionen und Interessensverbände zusammengeschlossen haben, „um den Wohnbau auf einem stabilen Weg in die Zukunft zu begleiten“.

Laut der Arbeiterkammer NÖ sind die Förderungszusicherungen für den Wohnbau in Niederösterreich in letzter Zeit rückläufig. „Die hohen Wohnkosten treffen insbesondere einkommensschwache Haushalte. Werden wieder mehr Wohnungen gebaut, so werden sich die Preise auf dem Wohnungsmarkt auch wieder entspannen. Dies würde auch weitere positive Effekte mit sich bringen, zum Beispiel höhere Beschäftigungschancen im Bau- und Baunebengewerbe“, erklärt Gerald Fröhlich, Wirtschaftspolitik-Experte der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ).

Ansparen auf eigene Wohnung als Option
Eine Option, wie man die Wohnkosten im Alter möglichst gering halten kann, ist das Ansparen auf Eigentum. „Das kann eine gute Alternative zum reinen Kapitalsparen sein. Denn sobald die Immobilie ausbezahlt ist, fallen nur mehr die Betriebskosten für das Objekt an. Neben diesen Fixkosten hat man dann im Alter mehr frei verfügbares Einkommen“, erklärt Schmidinger. Im Vergleich zum Kapitalsparen lassen sich mit Immobilien meist geringere Renditen erwirtschaften. Der Vorteil ist jedoch, dass es sich um greifbare Gegenstände handelt, die als relativ sicher gelten. Ein Restrisiko bleibt jedoch auch hier vorhanden.

Beim Thema Veranlagung in Immobilien sprechen sich die österreichischen Bausparkassen zudem dafür aus, dass die heimischen Pensionskassen ihre Gelder vermehrt im gemeinnützigen Wohnbau veranlagen sollten, da dies das Wohnen insgesamt leistbarer machen könnte. „Hierfür müssten jedoch die gesetzlichen Vorschriften geändert werden. Und das ist aktuell noch nicht der Fall“, erklärt AKNÖ-Experte Fröhlich.
Weitere Informationen: http://www.umwelt-bauen.at

Wohnbauförderung
Die Wohnbauförderung in Österreich hat eine über 100-jährige Tradition. Im Laufe der letzten Jahrzehnte kam es zur sogenannten „Verländerung“ der Wohnbauförderung. Das bedeutet, dass die ursprünglich beim Bund angesiedelten Kompetenzen an die Bundesländer übergingen.
Die Mittel, die der Bund dazu an die Länder überweist, bestehen etwa aus Teilen der Lohnsteuer oder Körperschaftssteuer, aber auch aus den Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Jeweils 0,5 Prozent des Bruttolohnes – der sogenannte Wohnbauförderungsbeitrag – werden vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber finanziert.
Bei der Zweckbindung der Wohnbauförderung geht es darum, dass die Mittel auch tatsächlich für die Wohnbauförderung eingesetzt werden und nicht für andere Zwecke.
Quelle: Arbeiterkammer NÖ

Gemeinsam unter einem Dach? Wie das Zusammenleben mehrerer Generationen in einem Haus funktioniert, lesen Sie im Sonderprodukt >> "Bauen, Wohnen, Energiesparen".