Erstellt am 30. September 2013, 14:31

Lieber klein, aber fein bauen. Julian Schmid ist Planer und Energieberater. Der NÖN berichtet er, wie man naturnah baut und was man bei der Planung beachten muss.

Julian Schmid ist Energieberater und Planer.  |  NOEN, www.traumhausplanung.at
NÖN: Erkennen Sie als Planer einen Trend, dass man heute umweltbewusster baut als zum Beispiel vor 20 Jahren?
Schmid: Merkbar ist, dass sich der Energieverbrauch der Häuser aufgrund der gestiegenen Energiepreise deutlich reduziert. Daher: Die Raumanordnung samt großer Glasflächen wird bewusster zur Sonne geplant, die Dämmstoffstärken sind dicker geworden, und natürlich hat sich auch die Haus- und Lüftungstechnik sehr verändert.

Wie kann man möglichst gesund und gleichzeitig auch günstig bauen?
Es beginnt schon mit der Wahl des richtigen Grundstückes. Hier gilt zum Beispiel: Es soll nach Süden ausgerichtet und besonnt sein. Denn: Große Fensterflächen im Süden reduzieren im Winterhalbjahr die Heizkosten und bringen oft auch mehr Lebensfreude ins Haus.
Weitere wichtige Fragen sind: Wie ist die Infrastruktur? Und: Sind Störzonen oder Wasseradern vorhanden, die bei der Grundrissplanung berücksichtigt werden müssen?
„Gesund“ bauen bedeutet für mich mit möglichst ökologischen Materialien, vor allem in den Schlaf- und Wohnbereichen.
„Gescheit“ und „günstig“ heißt, dass man nicht zu groß planen und bauen sollte. Denn jeder Quadratmeter kostet Geld und Energie und er muss gepflegt werden. Und schließlich soll man mit den zu zahlenden Kreditraten noch ruhig schlafen können, auch wenn sich beispielsweise die Einkommenssituation einmal ändern sollte.
Außerdem gehört ein flexibler Grundriss für wechselnde Bedürfnisse dazu. Ein Beispiel: Kleinkinder wohnen später oft als Studenten zu Hause. Und fürs Wohnen im Alter braucht es barrierefreie Lösungen.

Und was braucht Ihrer Meinung nach ein „grünes“ Haus?
Einen Wünschelrutengeher schon während der Planungsphase. Außerdem einen erfahrenen Hausplaner, dem man vertraut, umfassende Pläne mit Einrichtung, einen Plan für den Garten, ein baubiologisches Konzept und ein Haustechnikkonzept.

x  |  NOEN, www.traumhausplanung.at


Warum einen Wünschelrutengeher?
Weil es ungesund sein kann, wenn man jahrelang im Schlaf- oder Kinderzimmer über einer Wasserader liegt. Dieses alte Wissen ist heute sehr wichtig, da wir uns ja im Bett vom Stress des Tages erholen sollen.

"Erker, Türme oder Gauben lieber vermeiden"

Wo kann man die meiste Energie einsparen?
Mit dem richtig geplanten Grundriss! Wenn das Haus mit den Räumen und Glasflächen richtig zur Sonne geplant ist, spart man von vorneherein schon mehr als 50 Prozent Heizkosten ein.

Empfehlen Sie in diesem Zusammenhang einen Keller?
Das kommt auf das Grundstück sowie die Bewohnerwünsche an. Wenn man zum Beispiel ein Erdgeschoßbüro in einen hellen Kellerraum verlegen kann und dadurch die Hausgröße reduziert, lassen sich bis zu 30.000 Euro an Baukosten einsparen.

Welche Gebäudeform ist im Hinblick auf Energie sparendes Bauen sinnvoll?
Meiner Erfahrung nach sollte das Gebäude einen rechteckigen Grundriss aufweisen, wobei die Längsseite möglichst-genau nach Süden schaut. Ein bis zwei Vor- oder Rücksprünge sind möglich, um noch eine gute Energiekennzahl beizubehalten. Unnötige Erker, Türme oder Gauben, die nur optische Zwecke erfüllen, sollte man jedoch vermeiden.

Was ist ein „No-Go“ bei einem gesunden Haus?
Laminatböden, versiegelte Holzböden, Kunststofffarben oder – wie gesagt – Schlafplätze auf Wasseradern.

Wie sieht eine gesunde Gebäudehülle aus?
Die Außenwand kann aus einem 50-Zentimeter-Ziegel mit Kalkputz bestehen oder aus Massivholz mit ökologischen Dämmstoffen. Für die Dachdämmung bietet sich zum Beispiel Zellulosedämmung [Anmerkung: fein zerfasertes Zeitungspapier] an.

Wie lebt man im Innenraum gesund?
Da spielt natürlich auch die Gebäudehülle eine Rolle. Später ist eine ausreichende Frischluftversorgung wichtig. Heute wird sie sehr häufig durch moderne Wohnraumlüftungsanlagen gewährleistet. Sie saugen laufend die verbrauchte Luft ab, und die Frischluft wird bereits erwärmt wieder eingebracht. Gute Anlagen sind reinigbar, geräuschlos und erzeugen keinen Luftzug.

Schafwolle, Flachs und Hanf: Welche natürlichen Materialien eignen sich noch zum Dämmen?
Die bereits genannte Zellulosedämmung ist vom Kosten- beziehungsweise Nutzenaufwand sehr empfehlenswert. Sie wird über einen Schlauch mit hohem Druck in Hohlräume bei Dach, Wand oder Boden eingebracht und gelangt daher in jede Ecke.

Von der Kalkfarbe bis zum Gipsputz: Was empfehlen Sie?
Für die Wände Innenputze auf Kalk- oder Lehmbasis samt dazupassender Naturfarbe. Sie sind für das Raumklima in den Wohn- und Schlafräumen am gesündesten.

Lesen Sie mehr zum Thema "Bauen mit der Natur" im NÖN-Sonderprodukt "Bauen, Wohnen, Energiesparen".